Basketball

Niels Giffey steht vor einer Saison der Bewährung

Niels Giffey hat es bislang nicht geschafft, bei Alba ein Führungsspieler zu werden. Der Verein plant seine Zukunft dennoch mit ihm.

Niels Giffey (r.) ist vielseitig. Er punktet und rebounded und ist ein guter Verteidiger

Niels Giffey (r.) ist vielseitig. Er punktet und rebounded und ist ein guter Verteidiger

Foto: City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Berlin.  Niels Giffey betritt die Halle in der Schützenstraße und späht vorsichtig ins Rund. Heute ist Medientag bei Alba Berlin, und es wirkt ein bisschen, als würde er lieber vorbeischleichen, gleich einen Ball in die Hand nehmen und sofort mit dem Training beginnen statt noch lange rumzu-quatschen. Manchmal klappt’s, diesmal nicht. Mit einem sehr leisen Seufzer nimmt Giffey Platz auf einer Bank. „Niels ist eher ein zurückhaltender Mensch“, sagt Marco Baldi, der Alba-Geschäftsführer, und schiebt schnell hinterher: „Was sehr angenehm ist.“

Vergleiche mit Rödl sind eine Ehre – und eine Bürde

Als einer der Routiniers im Team ist der 25-Jährige eben gefragt vor dem Spiel an diesem Sonnabend (18 Uhr, Mercedes-Benz Arena) gegen die Frankfurt Skyliners. Routinier klingt komisch bei einem so jungen Mann, aber kein Alba-Spieler ist so lange im Verein wie er. Da muss er durch. Auch wenn diese Fragen kommen: Wird er sich jetzt durchsetzen als Leistungsträger? Wird er das erreichen, was sich alle versprochen haben bei seiner Rückkehr nach Berlin? Wie ist sein Plan für seine dritte Saison? „Ich gehe nicht aufs Feld und will zehn Punkte machen im Schnitt“, sagt er, „ich will einfach eine erfolgreiche Saison spielen.“

Giffey ist hier geboren, auch als Basketballer, hat in der Nachwuchsliga NBBL mit Alba die Deutsche Meisterschaft gewonnen. Er ist das Vorzeigeprodukt des Alba-Jugendprogramms. Sein Trainer war Henrik Rödl, mit dem er hier und da verglichen wurde. Weil er dieselbe Position spielt, auf dem Flügel. Weil er nach der Schule aufs College wechselte und mit den UConn Huskies Champion wurde, wie Rödl mit der University of North Carolina, nur gleich zweimal. Weil er umworben war, sich jedoch für Alba entschied. Weil er ein genauso ruhiger, bescheidener Vertreter ist. Ein schöner Vergleich, der zur Bürde werden kann. Erst recht, wenn der Verein mit einem Plakat in die Saison startet, von dem nicht Reggie Redding, nicht Jamel McLean oder Leon Radosevic, sondern Niels Giffey grüßt. Viel Erwartung, viel Druck.

Verletzung wirft in weit zurück

Giffey hat sich davon nicht beirren lassen, hatte ein gutes erstes Jahr – was nicht leicht war nach dem College, einer völlig anderen Basketball-Welt. Noch besser begann das zweite. Dann folgte der Rückschlag, eine schmerzhafte Entzündung der Plantarsehne im linken Fuß; wochenlang war der Hoffnungsträger Zuschauer. „Deshalb gucke ich nicht wirklich auf so etwas wie einen Dreijahresplan“, sagt er, „mit der Verletzung ist einiges anders gelaufen, als ich es mir gewünscht habe.“

Nun erlebt er so etwas wie einen Neustart. Ein Jahr der Bewährung. Mit neuer Mannschaft, neuem Trainer. Ahmet Caki hat ihn sofort in die Startformation gestellt und beurteilt den Spieler nach zwei Wochen Zusammenarbeit ausschließlich positiv: „Niels ist sehr klar im Kopf, sehr positiv, sehr athletisch und tut alles für das Team. Er arbeitet sehr hart und versteht seine Rolle von Tag zu Tag besser.“ Das ist natürlich „gut für mich, dass der Coach mir vertraut“, sagt Giffey. Andererseits weiß er als Profi genau, dass es noch wichtiger ist, am Ende des Spiels auf dem Feld zu sein. Daran arbeitet er.

Vertragsverlängerung in der Saison ist denkbar

Was danach passiert, nach dieser Saison? Ob er wirklich das Gesicht Albas werden kann? „Wer weiß, was kommt“, antwortet Giffey, „Berlin ist in jedem Fall immer meine Heimat. Ich genieße, hier zu sein.“ Aber über solche Dinge zu reden, „das ist noch zu früh“. So sieht es wohl auch der Mann, mit dem er sich gegebenenfalls Anfang des neuen Jahres zusammensetzen wird. Mal abwarten. „Es ist schwer zu sagen, wo Niels steht. Wir sind jetzt an einer sehr wichtigen Stelle, für Alba, für Niels und für das Team“, sagt Baldi.

Natürlich sei Giffey auch deshalb ein wichtiger Spieler für den Verein, weil er Berliner ist, aus dem Alba-Programm kommt, „aber vor allem ist wichtig, dass er mit uns zusammen den nächsten Schritt macht“. Ein Ego-Zocker wird der 25-Jährige nie. Für seine Entwicklung wäre es dennoch positiv, wenn er sich im Spiel nicht ganz so zurückhaltend benehmen würde wie im normalen Leben. Oder, um es mit Baldi zu formulieren: „Wenn er da noch mehr die Manschetten ablegt.“ Diese freundliche Aufforderung ändert nichts daran, „dass Niels von Klubseite aus ein absoluter Wunschspieler ist“, sagt Baldi. Durchaus denkbar, dass sich Manager und Spieler schon während der Saison auf eine Vertragsverlängerung einigen. Baldi wird sogar noch deutlicher: „Niels ist ein Spieler, der bei unseren Zukunftsplanungen im Mittelpunkt steht.“ Bei Alba geht auch mal was ganz ohne Zurückhaltung.