Basketball

Alba Berlin wacht gegen Ulm einfach zu spät auf

Gegen Ulm kassiert das Team von Trainer Caki die erste Saisonniederlage. Doch es gab auch Positives zu sehen.

Harte Gegenwehr: Ismet Akpinar (M) wird von den Ulmern  Da`Sean Butler (l) und Raymar Morgan bedrängt

Harte Gegenwehr: Ismet Akpinar (M) wird von den Ulmern Da`Sean Butler (l) und Raymar Morgan bedrängt

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Tiefe Enttäuschung sieht anders aus. Ahmet Caki hatte soeben beim 94:98 (44:58) gegen Ratiopharm Ulm seine erste Niederlage als neuer Trainer von Alba Berlin hinnehmen müssen, da gab er schon sachlich und fair seine Einschätzung der vorangegangenen, sehr unterhaltsamen zwei Stunden Basketball in der Mercedes-Benz Arena. „Für uns war wichtig, dass wir nach einem so hohen Rückstand zurückgekommen sind und sogar noch eine Siegchance hatten“, sagte der Türke, schloss jedoch völlig treffend: „Ulm hat verdient gewonnen.“

Was die 9500 Zuschauer in der Arena am Ostbahnhof zu sehen bekamen, war der Versuch einer neuen Mannschaft, gegen ein eingespieltes Team sein Spiel durchzusetzen. Was ziemlich misslang, weil Alba noch gar kein funktionierendes System hat, die Schwaben hingegen mit fast derselben Formation vergangene Saison Meisterschaftszweiter wurden. Die Zugänge Karsten Tadda und Tim Ohlbrecht, zwei deutsche Akteure mit reichlich internationaler Erfahrung, haben sie noch besser gemacht. Im Alba-Trikot hingegen liefen am Montag sechs Spieler auf, die ihren neuen Verein vor dieser Saison nur aus dem Fernsehen oder als Kontrahenten kannten.

Der Rückstand beträgt in der ersten Halbzeit 16 Punkte

Und so ging nach beschwingtem 5:0-Start den Rest der ersten Halbzeit fast alles schief aus Berliner Sicht. Die Süddeutschen gingen beim 8:7 in Führung gaben sie nicht mehr her, bauten sie vielmehr auf bis zu 16 Zähler aus (49:33/17. Minute). Die Berliner Abwehrleistung war schaurig und ohne Leidenschaft. „Wir haben die Ulmer in ihren Rhythmus kommen lassen“, übte Niels Giffey Selbstkritik. Die Gäste bedankten sich mit sehenswerten Kombinationen und großer Treffsicherheit. Erschwerend kam hinzu: Verfehlten sie ihr Ziel mal, griffen sie sich allzu häufig die zurückspringenden Bälle und verwandelten mit der zweiten Chance.

Das Reboundverhältnis zur Halbzeit von 19:7 für Ulm liest sich wie eine Art Alba-Arbeitsverweigerung. Berlins Center Elmedin Kikanovic (14 Punkte) ist zwar ein feiner Werfer, doch um es unter dem Korb mit Typen vom Schlage Ohlbrechts oder Raymar Morgans aufzunehmen, mangelt es ihm schlicht an Athletik und Härte. Schon eher hat beides der rustikalere Bogdan Radosavljevic, aber der 23-Jährige präsentierte sich nach kaum überstandener Grippe noch etwas geschwächt.

Dennoch gelang ausgerechnet ihm nach fast 30 Minuten Spielzeit der erste Offensivrebound für Alba. Er passte den Ball zu Giffey – Dreipunktewurf. Im nächsten Angriff traf der 25-Jährige (insgesamt 10 Punkte) gleich noch einmal. Und plötzlich kam beim Zwischenstand von 68:73 wieder so etwas wie Zuversicht auf. Alba hatte seinen Kampfgeist entdeckt und die von Caki erwähnte Siegchance. Spätestens, als der herausragende Kapitän Dragan Milosavljevic (21 Punkte) zwei Minuten vor dem Ende auf 88:90 verkürzte, wurde es sehr laut auf den Rängen.

Erfreulich war in dieser Phase, dass der neue Spielmacher Peyton Siva (17, davon 12 im letzten Viertel) zum ersten Mal sein Potenzial zeigte und viel Verantwortung übernahm, als es darauf ankam. Dass Sprungwunder Tony Gaffney ebenfalls zum ersten Mal Kostproben seiner Vielseitigkeit lieferte. Giffey wirkte viel mutiger als zuletzt, hatte nur ein wenig Pech, dass er im wichtigsten Moment einen Korbleger vergab und zwei Distanzwürfe. Egal – das wird, wenn er es weiter versucht.

Gäste-Trainer Thorsten Leibenath lobte den Kontrahenten („gute Spieler, guter Coach, ich bin froh, hier gewonnen zu haben“) sicher nicht nur aus Nettigkeit oder weil die Ulmer Bilanz in Berlin (jetzt sechs Siege in 31 Vergleichen) so ernüchternd ist. Auch er dürfte erkannt haben: Da könnte sich eine sehr konkurrenzfähige Mannschaft entwickeln, wenn sie gesund bleibt und auf ihrem Weg weitergeht. Wobei das erst recht für sein Team gilt, das jetzt schon sehr stark ist.

Allerdings hätte aufgrund der Steigerung in der zweiten Halbzeit Alba im dritten Bundesligaspiel dennoch seinen dritten Sieg holen können. Immer unsicherer wirkten die vorher so souveränen Schwaben, leisteten sich unter dem zunehmenden Druck der endlich besser verteidigenden Berliner ungewohnte Ballverluste. Vielleicht nur kam das Erwachen ein wenig zu spät. Oder das Gelernte wurde dummerweise kurz vor Schluss in der Hitze des Gefechts wieder vergessen.

Ausgerechnet am Ende hat Ulm wieder zweite Chancen

Denn was Siva monierte: „In der ersten Halbzeit hätten wir Ulm nicht so viele zweite Chancen geben dürfen“, – das traf auch auf die letzten beiden Minuten zu. Da war Alba drauf und dran, die Partie zu kippen, Ulm hatte seine Treffsicherheit eingebüßt, kam jedoch nach Fehlwürfen erneut zu den vermaledeiten Offensivrebounds und netzte doch noch ein. „In der Schlussphase“, gab Caki zu, „waren die Ulmer wieder cleverer.“ Sein Job ist es, das so schnell wie möglich zu verändern.

Spieler von Alba Berlin im Fantalk