Basketball

Dragan Milosavljevic ist Albas neuer Anführer

Der neue Kapitän von Alba Berlin wurde erst einen Tag vor dem ersten Spiel nominiert. Gegen Bonn rechtfertigte er die Entscheidung.

Überragend: Dragan Milosavljevic (l.), hier gegen Bryce Taylor vom FC Bayern München

Überragend: Dragan Milosavljevic (l.), hier gegen Bryce Taylor vom FC Bayern München

Foto: Buthmann/Eibner-Pressefoto / picture alliance / Eibner-Presse

Berlin.  Der neue Chef auf dem Feld erfuhr erst einen Tag vor dem ersten Pflichtspiel von seiner speziellen Aufgabe. „Der Coach hat es am Freitag vor der Mannschaft verkündet, dass ich ihr Kapitän sein soll“, berichtete Dragan Milosavljevic von seiner Ernennung. Keine demokratische Wahl aller Beteiligten, eher die Auswahl eines Einzelnen.

Der neue Anführer von Alba Berlins ahnte bis dahin nichts von seinem Glück. Um so erfreuter war der 27-Jährige aus Krusevac in Serbien. „Das fühlt sich gut an und ist eine Ehre“, sagte er nach dem 96:89 gegen die Telekom Baskets Bonn, der ersten Partie, in der er als Kapitän vorangehen musste und dies auch mustergültig tat.

Milosavljevic verteidigte verbissen gegen den Bonner Spielmacher Josh Mayo, der nicht wie gewohnt zum Zuge kam. Er traf gut (20 Punkte), stürzte sich in die Rebounds, blockte Würfe und gab Korbvorlagen – ein Energiespender an allen Ecken und Enden des Basketball-Feldes. Er lieferte das ab, was man sich von einem Kapitän wünscht. Er rief auch die Mitspieler zusammen, wenn es Redebedarf gab.

Milosavljevic kennt das Kapitänsamt

Alba-Trainer Ahmet Caki hatte sich das offenbar genau so vorgestellt. „Ich habe zunächst die Spieler sechs Wochen lang im gemeinsamen Training beobachtet“, beschrieb der Türke seine Entscheidungsfindung, „mein Eindruck war, dass Dragan in jeder Hinsicht ein Vorbild für die anderen ist. Deshalb fiel meine Wahl auf ihn.“

Milosavljevic hat Erfahrung mit dem Amt, schon bei Partizan Belgrad führte er das Team als Kapitän, „ich weiß nicht mehr genau, waren es zwei oder drei Jahre?“ Seine Aufgabe sieht er darin, in schwierigen Situationen aufmunternd und unterstützend auf die Kollegen einzuwirken. Aber, sagt er, „groß verändern will ich nichts“.

Weder am Team noch an seinem Verhalten. Denn ein Leader war er vorher bereits. Nun ist er der Nachfolger von Alex King, der nach drei Jahren in Berlin zu Bayern München gewechselt ist. Und der Name Dragan Milosavljevic steht in einer Liste mit einstigen Alba-Größen wie Henrik Rödl, Patrick Femerling oder Julius Jenkins.

Engin Atsür Stellvertreter

Zum Stellvertreter des Serben machte Caki seinen Landsmann Engin Atsür. Auch der 32-Jährige scheint für diese Position wie geschaffen, er leitete gegen Bonn die Partie, als sie aus den Fugen zu geraten drohte. „Bei Besiktas Istanbul war ich schon mal zweiter Kapitän“, sagte er, „jetzt bin ich sehr stolz, hier bei Alba zu spielen und gleich Kapitän geworden zu sein.“ Für ihn sprach auch, dass er in einer sehr jungen Mannschaft der älteste Spieler ist.

„Ein gutes Gespann“, findet Geschäftsführer Marco Baldi, habe Caki da ausgewählt. Auch wenn die Saison gerade erst begonnen hat, war schon in der Vorbereitung und besonders gegen die kampfstarken Bonner zu erkennen, dass beide zu den Leistungsträgern des Teams zählen werden, wenn sie gesund bleiben. Milosavljevic, dessen Vertrag nächstes Jahr endet, kann sich gut vorstellen, dies noch länger zu sein. „Ich liebe diese Stadt, es ist eine der besten der Welt“, sagte er. Auch keine schlechte Basis für den Kapitän eines Klubs, in dem Identifikation größer geschrieben wird als anderswo.