Basketball

Nichts für die Resterampe bei Alba

Das neue Alba-Team besichtigt einen Schrottplatz des Hauptsponsors und beweist: Die Chemie stimmt schon mal.

Schulausflugstimmung: Das neue Alba-Team auf dem Schrottplatz des Hauptsponsors in Spandau

Schulausflugstimmung: Das neue Alba-Team auf dem Schrottplatz des Hauptsponsors in Spandau

Foto: Christian Kielmann

Berlin.  Dominique Johnson schaut angestrengt auf den Korb. Der hängt heute etwas höher als sonst – auf zehn Metern ungefähr – und dreht sich um die eigene Achse. Johnson, Zugang bei Alba Berlin und in der vergangenen Saison Europas bester Dreierschütze, streckt sich, wirft, trifft, grinst. Seine Teamkollegen johlen, schlagen sich auf die Schultern.

Schulausflugsstimmung. Nein, das ist kein gewöhnliches Training. Das fand bereits am Vormittag in der Sporthalle Schützenstraße statt, als eines der bisher wenigen unter den Augen des neuen Trainers Ahmet Caki. „Die Stimmung im Team ist gut“, sagt der Coach später.

Jetzt, in der Nachmittagssonne, türmen sich die Schrottberge um die Berliner Basketballprofis. Alte Kochtöpfe, Kühlschranktüren, Metallgitter. Tonnenweise Müll. Dazwischen: der Korb an einer Baggerschaufel montiert.

„Die neuen Protagonisten sollen eben sehen, für wen sie spielen“

Als die Spieler ihn sehen, in dieser skurrilen Kulisse, da brechen sie in Gelächter aus. Alba macht heute einen Ausflug. Statt zur Heimarena in den Osten fuhr der Mannschaftsbus in den Westen, zum Haupt-und Titelsponsor, dem Schrottplatz der Alba Group – seit 25 Jahren Partner des Klubs.

„Die neuen Protagonisten sollen eben sehen, für wen sie spielen“, sagt Alba-Geschäftsführer Marco Baldi. Und das tun sie. Wie im Schulbus sitzen die coolen Jungs, na klar, hinten. Engin Atsür, Bogdan Radosavljevic, Peyton Siva, Malcolm Miller und Jonathan Malu, bestenfalls seit ein paar Wochen in Berlin, schauen aus dem Fenster. Da ziehen Brandenburger Tor und Holocaust-Mahnmal, Potsdamer Platz und Siegessäule vorbei. Die Route zum Schrottplatz wird zur Touri-Tour für die Neu-Berliner.

Zugang Johnson, der sich als Real-Madrid-Fan outet, vermisse seine alten Teamkollegen vom türkischen Erstligisten Banvit BK zwar noch, sagt er. Aber als das Angebot von Alba kam, habe er gleich zugesagt. Wegen der angespannten politischen Situation in der Türkei habe er seine Familie auch nicht in Angst um ihn versetzen wollen.

Suche nach den tragenden Säulen

Wer die neuen tragenden Säulen des Teams werden, das will noch niemand so recht beantworten. Man habe ja gerade erst mit dem Training angefangen, sagen Baldi und Coach Caki. Außerdem fehlen einige Spieler ja noch, sind krank wie Brandon Ashley oder mit der deutschen Nationalmannschaft unterwegs wie Giffey, Vargas und Kikanovic.

Erst fünf Tage vor dem ersten Spiel am 23. September kommen die drei wieder. „Da haben die Klubs ohne Nationalspieler einen echten Vorteil“, sagt Baldi. Denn Alba sehe ja erst dann, ob diese Truppe zusammenwächst. „Aber die Spieler mögen sich.“

Die Schrottplatzstunde ist da auch ein bisschen Teambuilding. Man lernt sich ja erst richtig kennen zwischen Schutt und Geröll. Radosavljevic (23), der neue Center, ist ein Spaßmacher. Er sitzt grinsend in der Führerkabine des Baggers, schwingt den Korb an der Baggerschaufel unter Gejohle der anderen immer höher. Treffen – fast – unmöglich. Peyton Siva, neuer Point Guard, lächelt nur müde und spielt den Ball lässig in den Korb. „Wir wollen nicht nur rennen, sondern clever und ausbalanciert spielen“, sagt Caki später. Auf dem Schrottplatz klappt das schon mal.