Basketball

Alba trifft auf einen Gegner, der alles sofort haben will

Christian Standhardinger war zunächst nicht die erste Wahl beim Mitteldeutschen BC. Doch inzwischen ist er dort vom Notnagel zum Stammspieler geworden. Das soll auch Alba Berlin zu spüren bekommen.

Foto: Andreas Gebert / picture alliance / dpa

Nein, ein Interview ist mit Christian Standhardinger derzeit nicht zu bekommen. Die sportliche Leitung des Mitteldeutschen BC glaubt, dass „die vielen bisherigen Termine negative Auswirkungen auf seine sportliche Leistung“ hatten. Also spricht vor dem Duell bei Alba Berlin an diesem Mittwoch (15 Uhr, o2 World) Trainer Silvano Poropat. „Christian ist für uns ein wichtiger Spieler“, sagt der Kroate, „aber er muss auch konstanter werden.“

Standhardinger, so viel kann man sagen, schlug in der Basketball-Bundesliga trefflich ein. Seine Leistungen katapultierten den 25-Jährigen gleich in obere Regionen der Punkte-Statistiken. Nach 14 Spieltagen ist er mit 12,9 Punkten im Durchschnitt immer noch zweitbester Deutscher hinter Ulms Per Günther (14,1). Aber so wie die Tendenz beim MBC fallend ist, so ist sie es auch bei ihm. Andersherum könnte man sagen: Dass die Mitteldeutschen von ihren ersten neun Partien sieben gewonnen hatten, kam ebenso überraschend wie Standhardingers Anteil daran.

Der Sohn einer philippinischen Mutter und eines deutschen Vaters schien, nachdem er seine Zeit an der University of Hawaii beendet hatte, keinen Verein in Deutschland zu finden. Er trainierte nur bei Bundesligist BG Göttingen mit, als sich Poropat bei ihm meldete. Der MBC-Coach hatte eigentlich auf Johannes Lischka gesetzt, aber der war nach überstandener Krebserkrankung noch nicht bereit für den Profi-Basketball. Standhardinger wurde zum Notnagel. Und war doch gleich viel mehr als das.

Fünf Monate nahm er keinen Basketball in die Hand

Poropat kannte den jungen Mann aus Zeiten, als der im Trikot der Urspringschule zweimal deutscher Jugendmeister wurde. Da galt er als eines der größten deutschen Talente. Dann wechselte Standhardinger in die USA ans College in Nebraska-Lincoln. Und seine Leidenszeit begann, „die schlimmste Zeit in meinem Leben“, wie er in einem Interview sagte, als er noch Interviews gab. Nach zwei Jahren kehrte er heim nach München, schloss sich in seinem Zimmer ein und grübelte. Über sein Leben, seine Zukunft. Fünf Monate nahm er keinen Basketball in die Hand, arbeitete in einer Bar, wollte mit seinem Sport aufhören. Ehe das Angebot aus Hawaii kam, wo er zum Leistungsträger wurde. 18,1 Punkte und 8,4 Rebounds am Ende seiner letzten Saison sprachen für sich. Und schienen ein Versprechen für tolle Angebote zu sein.

Doch die blieben aus. Sein Image hatte einen Dämpfer bekommen, denn es gab in Nebraska nicht nur das sportliche Scheitern, sondern auch eine Anzeige wegen öffentlichen Ärgernisses. Dazu kommt, was manche Trainer als störend empfinden, dass Standhardinger seinen eigenen Kopf hat, sich aber auch oft selbst im Weg steht. Selbst Poropat findet: „Ab und zu macht sich Christian zu viele Gedanken. Er will alles zu schnell haben. Das hindert seine Entwicklung.“

„Manchmal übertreibt er es mit dem Zusatztraining“

Mangelnder Einsatz sei ihm nicht vorzuwerfen, im Gegenteil, „manchmal übertreibt er es sogar mit dem Zusatztraining“. Dennoch setzt Poropat auf Standhardinger, den er trotz der Schwankungen in 14 Partien 13 Mal in seiner Startformation hatte. Und von dem er jetzt den „nächsten Schritt“ erwartet: „Dann kann er eine sehr gute Karriere machen.“ Und bestimmt auch wieder Interviews geben.