Basketball

Jetzt fordern Ulms neue Riesen den NBA-Champion-Besieger

Albas Basketballteam bestreitet das dritte Spiel in fünf Tagen. Nach der Sensation gegen die San Antonio Spurs setzt Berlins Coach Sasa Obradovic auf den Charakter seiner müden Helden.

Foto: Lukas Schulze / dpa

„Der Nächste, bitte!“ klingt sicherlich arrogant und hochnäsig, daher würde niemand bei Alba so etwas in Bezug auf den Besuch von Ratiopharm Ulm am Sonntag (17 Uhr, O2 World) sagen. Aber nachdem Berlins Basketballteam das Stimmungshoch nach dem Sieg gegen NBA-Champion San Antonio beim 83:74 in Bonn so souverän am Leben erhielt, wäre es doch jammerschade, wenn Albas Siegesserie gegen die Schwaben enden würde. Ausgerechnet dort, wo das Team von Sasa Obradovic am vergangenen Mittwoch gegen die Spurs Basketball-Geschichte geschrieben hatte.

Zu bedenken ist allerdings, dass die NBA-Champion-Besieger gegen Ulm zum dritten Mal in 93 Stunden auflaufen. Die Spurs schlagen, nach Bonn fliegen, dort gewinnen, zurückfliegen und gegen Ulm antreten ist mehr als ein anspruchsvolles Programm. „Die drei aufeinander folgenden Spiele innerhalb weniger Tage sind ein großer Kraftakt für mein Team“, erklärt Obradovic. „Erneut bleibt uns praktisch keine Zeit zur Vorbereitung auf das nächste harte Spiel am Sonntag, aber ich glaube an den Charakter meines Teams.“

Mit dem rechnet auch Ulms Coach Thorsten Leibenath. „Dass Berlin nur einen Tag Zeit hat, sich auf uns vorzubereiten, ist sicher ein Vorteil“, sagt der 39-Jährige. Aber „gegen das heimstärkste Team der Liga wird es sehr schwer zu gewinnen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Berlin in die Falle tappt, uns zu unterschätzen.“ Die Kontinuität der Berliner sei „beeindruckend. Die Art, wie die Berliner spielen und erfolgreich sind, ist ähnlich zu letztem Jahr.“

An das sich Ulms Trainer sicherlich nicht gern erinnern dürfte. Denn nicht nur im Pokalfinale stand Alba den Titelträumen der Ulmer in deren eigener Halle im Weg und nahm den Cup mit nach Berlin. Beide Teams begegneten sich später auch im Viertelfinale zur Deutschen Meisterschaft, in dem sich die Berliner dann in der Best-of-five-Serie mit 3:1 Siegen durchsetzten.

Ulm unter den Körben präsenter

Wer Ulm sagt, meint auch immer Lockenkopf Per Günther – bei diesem Gastspiel der Ulmer wird der quirlige Nationalmannschafts-Spielmacher mit seinen Dreiern voraussichtlich nicht nerven. Nach einer Knie-Arthroskopie seien zwar alle „mit dem Verlauf der Reha zufrieden“, sagt Leibenath, „aber Pers Einsatz in Berlin ist unwahrscheinlich.“ Was man auch so verstehen könnte, dass eine Überraschung möglich ist.

In Günthers Abwesenheit hat sich in den ersten drei Bundesliga-Spieltagen der athletische und explosive US-Forward Will Clyburn (2,01 Meter) zum neuen Ulmer Topscorer (15 Punkte pro Spiel) und zudem besten Rebounder (im Schnitt 6,7) gemausert. Ohnehin ist im Vergleich zur vergangenen Saison mit einer stärkeren Ulmer Präsenz unter den Körben zu rechnen. Leibenaths Team verstärkte sich im Sommer mit Boris Savovic von Bayern München und Tim Ohlbrecht, der sein Glück zuletzt in den USA gesucht hatte, unter anderem bei den Houston Rockets und den Philadelphia 76ers in der NBA. Beide, Savovic und Ohlbrecht, sind stattliche 2,10 Meter groß.

Kapitän King fordert Leistung wie in Bonn

Die Ulmer kommen mit einer Bilanz von 2:1 Siegen nach Berlin. Am Mittwoch (als Alba Geschichte schrieb) schlugen sie zu Hause Braunschweig 81:70, zuvor waren sie in Frankfurt mit 77:70 erfolgreich. Zum Saisonauftakt hatte es im Heimspiel gegen Oldenburg mit 76:83 allerdings die erste Niederlage gegeben. Mit einem Sieg in Berlin könnten sie diese wohl vollends vergessen machen und sich „NBA-Champion-Besieger-Besieger“-T-Shirts drucken lassen.

„Der Sieg gegen San Antonio hat uns einen Schub gegeben, aber auch unsere Gegner sind jetzt noch motivierter, den Spurs-Bezwinger zu schlagen“, weiß Alba-Kapitän Alex King. „In Bonn ist es uns gelungen, dem Spiel gleich unseren Stempel aufzudrücken. Genauso müssen wir das gegen Ulm machen.“