Basketball

Albas Schaffartzik spielt gern unter Bundestrainer Pesic

Albas Spielmacher spricht über den Wandel in der Basketball-Nationalmannschaft, seine Rolle als Kapitän und die Arbeit mit Trainer Pesic.

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Morgenpost Online: Herr Schaffartzik, bisher zwei Spiele in der EM-Qualifikation, zwei Siege – rundum zufrieden?

Heiko Schaffartzik: Wir haben beide Spiele gewonnen, das ist sicher positiv. Vor allem in Bulgarien war es nicht leicht. Aber wir haben noch einige Luft nach oben.

Morgenpost Online: Wie schätzen Sie Ihre Leistung ein?

Heiko Schaffartzik: Na ja, ich könnte besser treffen. Ich muss an meiner Wurfquote arbeiten.

Morgenpost Online: Sie lenken nicht nur das Spiel auf dem Feld, als Kapitän haben Sie auch Aufgaben außerhalb. Was gibt es da zu tun?

Heiko Schaffartzik: Ich gebe jüngeren Spielern Tipps, sie kommen mit Fragen zu mir, und ich spreche auch über andere Themen außer Basketball mit ihnen.

Morgenpost Online: Tragen Sie gern Verantwortung?

Heiko Schaffartzik: Die trage ich in jedem Fall gern, nicht nur im Basketball, sondern auch in anderen Lebenslagen.

Morgenpost Online: Für Sie ist es Neuland, unter Coach Svetislav Pesic zu arbeiten. Wie haben Sie ihn bisher erlebt?

Heiko Schaffartzik: Ich komme sehr gut klar mit ihm. Er legt größten Wert auf das Kollektiv und die Verteidigung. Es ist sehr angenehm, unter ihm zu spielen: Er sieht alles und weiß alles.

Morgenpost Online: Haben Sie schon einmal einen solchen Trainer erlebt?

Heiko Schaffartzik: Nein, niemals.

Morgenpost Online: Was macht Pesic besonders aus, er hat es ja mit einer im Durchschnitt sehr jungen Mannschaft zu tun?

Heiko Schaffartzik: Er ist geduldig, gibt uns Spielern sehr viel Selbstvertrauen. Man muss sich nur anschauen, wie hier ein Lucca Staiger (der Flügelspieler wechselt nach zweieinhalb Jahren bei Alba nach Ludwigsburg, Anm. d. Red.) spielt, der mehr oder weniger zweieinhalb Jahre nicht zum Einsatz kam. Wie der loslegt und zeigt, was er kann. Sicher hat er viel an sich gearbeitet, aber der Trainer gibt ihm eben auch das Selbstvertrauen. So kann Lucca seine beste Leistung abliefern.

Morgenpost Online: Es scheinen einige förmlich aufzublühen in der Nationalmannschaft. Ist es für manchen auch ein Stück Befreiung, dass die beiden NBA-Stars Dirk Nowitzki und Chris Kaman nicht mehr dabei sind?

Heiko Schaffartzik: Bei der Europameisterschaft im vergangenen Jahr in Litauen war es schon so, dass wir Dirk und Chris sehr oft in der Offensive den Ball gegeben und ihnen Platz gemacht haben. Das ist jetzt nicht mehr so. Jeder Spieler hier hat viel Selbstvertrauen und sehr viel drauf. Aber viele müssen sich eben noch international beweisen, sie hatten bisher noch nicht die Gelegenheit dazu.

Morgenpost Online: Viele hatten sogar kaum Gelegenheit, in der Bundesliga eine größere Rolle zu spielen.

Heiko Schaffartzik: Es geht mir voll auf den Zeiger, dass deutsche Spieler nicht zum Einsatz kommen in ihren Vereinen, weil eben ein Profi aus den USA oder anderen Basketballnationen stattdessen spielt, der nicht besser ist. Und dann müssen sich die Spieler anhören: Ach, der Deutsche, der kann ja doch was.

Morgenpost Online: Die Nationalmannschaft als Beweis des Leistungsvermögens?

Heiko Schaffartzik: Natürlich. Es klingt dann immer so überrascht von den Leuten, nach dem Motto: Die können ja auch spielen, gibt's ja gar nicht. Und der Lucca Staiger trifft Dreier… Da denke ich schon: Wollt ihr mich verarschen? Das ist einer der besten Schützen in Deutschland! Mit mehr Erfahrung und Spielpraxis kann er einer der besten in Europa werden.

Morgenpost Online: Ein gutes Beispiel ist auch Jan Jagla. Als Nowitzki und Kaman nicht dabei waren, hat er oft das Team getragen. Im Jahr 2011 bei der EM tauchte er vollkommen unter, jetzt ist er wieder oft der beste Werfer.

Heiko Schaffartzik: Da muss man auch noch sehen, dass Jan im Verein (Bayern München, Anm. d. Red.) ein Jahr lang mehr oder weniger nicht gespielt hat. Hier bekommt er die Chance zu spielen – und bum. Er zeigt sofort, was er drauf hat. Für mich ist es erstaunlich, dass es gar keine Diskussion darüber gegeben hat, dass da ein Spieler von der Klasse eines Jagla nicht spielt. Da hieß es nur: Der ist dann wohl nicht gut genug oder so… Und jetzt muss er sich – vom Prinzip her – ja bald rechtfertigen, weil er ein gutes Spiel macht. Das ist unglaublich.