Neuer Bundestrainer

Alba-Legende Pesic wird Deutschland einheizen

Vor 19 Jahren führte er Deutschland zum EM-Titel, mit Alba Berlin holte er vier Meisterschaften. Jetzt wird Svetislav Pesic zum zweiten Mal Basketball-Bundestrainer. Eine Herkules-Aufgabe, denn nebenbei betreut der 62-Jährige eine zweite Mannschaft.

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Während um Punkt 11.00 Uhr die Nachricht vom Deutschen Basketball Bund (DBB) herausgegeben wurde, war die Hauptperson gestern dort, wo sie am liebsten ist: in der Trainingshalle. Chefcoach Svetislav Pesic bereitete seine Mannschaft von Roter Stern Belgrad auf das Spiel am kommenden Freitag in der Adria-Liga gegen KK Zagreb vor. Traineralltag. „Ich bin hier bei der Arbeit“, sagte er kurz. Künftig werden noch viel mehr Aufgaben auf den 62-Jährigen zukommen. Der DBB hat sich für die „große Lösung“ entschieden, wie es Verbandspräsident Ingo Weiss voller Stolz ausdrückte: Svetislav Pesic wird neuer Bundestrainer.

19 Jahre nachdem der Serbe 1993 das deutsche Team sensationell zur Europameisterschaft geführt hat, kehrt der Meistercoach also zurück. „Ich freue mich sehr auf die kommende Aufgabe beim DBB. Ich glaube, dass mit der deutschen Nationalmannschaft noch einiges zu erreichen ist“, sagte Pesic. Für ihn war es eine Herzensentscheidung: „Natürlich habe ich immer Lust, in Deutschland zu arbeiten.“ Seit 1999 besitzt er neben der serbischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Weiss, der sich gerade auf dem Weg zum Allstar Game der NBA in Orlando (USA) befand, erklärte: „Wir haben viele Gespräche geführt. Wichtig war, dass wir uns schnell konzeptionell einigen konnten, alles andere ließ sich dann auch klären.“

Auf weitere Details wollte er nicht eingehen und verwies auf die offizielle Vorstellung von Pesic am 6. März in Berlin. Sein Engagement soll langfristig sein, man hört von einer Laufzeit bis 2016. Pesic erklärte, noch seien letzte Details zu klären und der Vertrag nicht unterzeichnet. Weiss und Pesic wollen sich in einigen Tagen in Berlin treffen.

Die Verpflichtung des Meistertrainers rief positive Reaktionen hervor. „Er ist ein hervorragender Coach mit großen Meriten“, sagte Jan Pommer, der Geschäftsführer der Bundesliga (BBL). Er sprach von einer „Leitfigur für die deutschen Trainer und den deutschen Basketball“. Marco Baldi, Geschäftsführer von Alba Berlin, meinte: „Da kann man dem DBB nur gratulieren. Das ist das Bestmögliche, was passieren konnte.“ In Berlin, wo Pesic zwischen 1993 bis 2000 tätig war, hatte er vier Meistertitel geholt, Alba gewann mit ihm den europäischen Korac-Cup (1995). Später wurde er Welt- und Europameister mit Serbien, führte Barcelona zu großen Erfolgen.

Pesic ist einer, der sich, aber auch anderen alles abverlangt. Einer, der auch mal so lange gegen unüberwindlich scheinende Widerstände ankämpft, bis er doch Erfolg hat. Leicht ist es mit ihm nicht. Der 62-Jährige kann an der Seitenlinie wie ein Derwisch agieren, voller Emotionen, einem Vulkan gleich.

Allerdings steht Pesic noch bis zum Sommer 2013 in Belgrad unter Vertrag, er wird jedoch beide Ämter in Doppelfunktion ausüben können. „Nach einem klärenden Gespräch mit dem Klub habe ich dem DBB zugesagt“, erzählte er. „Es wird also im Sommer wieder keinen Urlaub für mich geben“, fügte er scherzend hinzu. Im Fall von Pesic ist ein Engagement – eben in Belgrad – neben dem Bundestrainerjob möglich, nach einem BBL-Beschluss ist dies hingegen einem Coach verwehrt, der in der Bundesliga arbeitet. Deshalb hatte Dirk Bauermann nach acht Jahren seine Tätigkeit beim DBB nach der EM im September 2011 in Litauen aufgeben müssen, nachdem er mit Bayern München in die erste Liga aufgestiegen war.

Bis 2013 auch Trainer in Belgrad

Bauermann selbst sprach über seinen Nachfolger mit Hochachtung. „Es ist eine hervorragende Lösung. Mit seiner Erfahrung kann er der jungen Mannschaft viel helfen.“ Bauermann hatte 2009 einen Verjüngungsprozess eingeleitet, der in der Zukunft, nach dem Verzicht der NBA-Stars Dirk Nowitzki und Chris Kaman, noch stärker forciert werden muss. Die erste große Aufgabe stellt sich dem jungen Team und dem erfahrenen Coach erst in etwa einem halben Jahr. Dann tritt die deutsche Nationalmannschaft in der Qualifikation für die Europameisterschaft 2013 in Slowenien an.

Svetislav Pesic besprach sich auch mit seinem Sohn Marko, der selbst einst unter seinem Vater bei Alba spielte, 97 Länderspiele absolvierte und nun als Sportdirektor bei Bayern München arbeitet. „Er hat sich das ganz genau überlegt. Wenn er hilft, dann nur, wenn er eine Perspektive sieht“, sagt Pesic junior. Was offenbar der Fall ist. „Er kennt die Spieler, er kennt den DBB.“ Auch habe sein Vater in den vergangenen Jahren jede EM und WM verfolgt, ebenso Jugend- und Junioren-Europameisterschaften.

Allerdings hat die ganze Sache auch einen nicht zu unterschätzenden Haken, der Anlass zur Kritik gibt. Pesic kann eben nicht mit ganzer Kraft für den Verband arbeiten, was „wünschenswert gewesen wäre“ (Pommer). Auf vielen Ebenen, gerade auch strukturell im Nachwuchsbereich, wartet viel Arbeit. Pesic stimmte zu: „Natürlich wäre es besser, 24 Stunden am Tag nur für einen Job tätig zu sein, aber ich traue es mir zu.“ Auch Baldi sah „bei ihm kein Problem, er schafft das, ich kenne seinen Energiehaushalt“.

Große Hoffnungen ruhen also auf Pesic. Eine ganz spezielle wird auf der Klub-Website von Roter Stern formuliert. „Vielleicht kann Pesics Engagement für Deutschland ja helfen, dass sich Frau Merkel für die EU-Mitgliedschaft von Serbien stark macht…“

Das ist dann vielleicht doch ein bisschen viel verlangt.