83:50-Sieg gegen Göttingen

Alba spielt zwölf Minuten wie im Rausch

Alba hat in der O2-World einen 83:50-Kantersieg gegen Bundesliga-Schlusslicht BG Göttingen erzielt. Dabei gelangen den Berlinern im dritten und vierten Viertel 33 Punkte in Serie.

Drei Minuten vor Schluss machte es sich Gordon Herbert auf einem Stuhl am Spielfeldrand bequem. Den Rest schaute sich der Cheftrainer des Basketball-Bundesligisten Alba Berlin ganz gelöst an. Dass am Ende ein 83:50 (42:35)-Sieg seiner Mannschaft gegen die BG Göttingen stehen würde, hätte er bei Halbzeit sicherlich nicht gedacht. Denn erst eine Steigerung nach dem Wechsel sorgte für dieses klare Ergebnis. „Man sieht eben den Unterschied, ob richtig gearbeitet wird oder nicht“, bilanzierte der Coach. „In der ersten Hälfte waren wir nicht aggressiv genug, aber dann haben wir so gespielt, wie das sein muss“, meinte Albas Center Torin Francis.

Die Berliner hatten nur schwer ins Spiel gefunden. Von Beginn an stand Herbert mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, es war ihm anzumerken, dass er nicht zufrieden war mit dem, was er von den Spielern geboten bekam. Seine Mannschaft versuchte, schnell zu spielen. Nicht selten zu schnell. Es gab Missverständnisse beim Passen, irgendwie schien die letzte Konzentration zu fehlen.

Herbert hatte vorher davon gesprochen, dass es gegen den Tabellenletzten vor allem eine mentale Herausforderung sei. Man hatte zwar nicht den Eindruck, dass die Berliner, die Platz vier in der Tabelle behalten, Göttingen unterschätzt hatten, aber die erhoffte spielerische Steigerung gegenüber dem Erfolg gegen Ludwigsburg drei Tage zuvor war in den ersten 20 Minuten nicht zu sehen.

Francis punktet und holt Rebounds

Zwei Spieler bestimmten die erste Halbzeit: Auf Berliner Seite Derrick Allen, der zurzeit nicht mehr in der Startformation steht, sondern von der Bank kommt. Beim Wechsel hatte er es bereits auf 14 Punkte (insgesamt 16) gebracht. Bei den Göttingern überragte Center Raymond Sykes. Der 2,06 Meter große US-Amerikaner hatte sich bis zur Pause bereits zwölf Rebounds (insgesamt 16) geschnappt. Überhaupt waren die Berliner bei von den Körben zurückprallenden Bällen oft nicht im Bilde: 25:17 lautete die Bilanz für Göttingen bei Halbzeit (am Ende 45:41). Da Rebounds auch immer eine Sache des Willens sind, hatten die Berliner offenbar in dieser Richtung Defizite. Bei den Punkten lagen sie allerdings mit 42:35 vorn.

In der Pause gab es einiges zu besprechen in der Berliner Kabine. Eine Steigerung musste dringend her gegen die tapferen Göttinger, die bisher erst zwei Partien in dieser Saison gewonnen und schon einen Trainerwechsel (Michael Meeks für Stefan Mienack) hinter sich haben. „Ich habe klar unsere Fehler angesprochen“, erzählte Herbert.

Dessen Worte hatte sich Torin Francis offenbar besonders zu Herzen genommen. Im dritten Viertel drehte er auf, punktete nicht nur, sondern zeigte nun auch bei Rebounds (insgesamt zwölf) die von ihm gewünschte Durchsetzungskraft. Am Ende war er mit 22 Punkten bester Berliner Werfer; bereits gegen Ludwigsburg war Francis Topscorer gewesen. In der Offensive gelangen Alba in Abschnitt drei zwar nur elf Punkte (besonders schwach war Spielmacher DaShaun Wood/ein Punkt), aber dafür stand nun die Abwehr sehr gut – Göttingen gelangen lediglich fünf Zähler.

Und über eine stark verbesserte Defense wurde es auch im Angriff immer besser. Hatte Francis nach 24 Minuten erstmals eine zweistellige Führung herausgeworfen (48:37), war es nach 32 Minuten Sven Schultze, der den Vorsprung auf 20 Zähler Differenz (60:40) schraubte. Gut zwölf Minuten lang erzielten die nun völlig überforderten Göttinger keinen Punkt. In dieser Phase gelang den Gastgebern eine schier unglaubliche Serie von 33 Punkten, sie bauten ihre Führung von 48:40 auf 81:40 aus.

Die Berliner wurden dafür belohnt, dass sie sich durchgebissen, erst einmal nicht zu übersehende spielerische Defizite mit harter Arbeit kompensiert hatten. „Wenn es nicht so läuft, nutzt nur Wille, Wille, Wille“, meinte Albas Geschäftsführer Marco Baldi. Die Mannschaft hat das umgesetzt. Im letzten Viertel ging es dann wie von allein – die 10228 Zuschauer wurden doch noch bestens unterhalten. Sven Schultze sprach von einem „Arbeitssieg“. Und wenn man auf die Tabelle schaue, „war das natürlich auch ein Pflichtsieg“. Derrick Allen war froh: „Mit jetzt zwei Siegen hintereinander haben wir die drei Niederlagen davor weiter hinter uns gelassen. Wir sind auf einem guten Weg.“