Basketball

Alba könnte zu Weihnachten Tabellenführer sein

Die Berliner müssen kurz vor Heiligabend in der O2 World gegen Ulm antreten. Die Gäste haben den effektivsten Spieler der Liga: John Bryant. Mit 2,11 Meter und 135 Kilogramm ist der Ulmer unterm Korb schwer abzuwehren.

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Bei den Gastspielen der Ulmer war es bislang keinesfalls vermessen, sich schon vorab für die Punkte zu bedanken. Von den bislang 41 Begegnungen gewannen die Basketballer von Alba Berlin 32, die Heimbilanz ist mit 19:3 Siegen ebenso eindeutig. In diesem Jahr ist einen Tag vor Heiligabend allerdings Zurückhaltung geboten. Denn Ulm kommt am Freitagabend überraschend als Tabellenzweiter in die O2 World (19 Uhr), hat wie Alba und Bamberg nur zwei Niederlagen auf dem Konto. Alba gewann 13 der letzten 14 Spiele und will diese Serie im letzten Spiel vor Weihnachten unbedingt fortsetzen, denn mit einem Sieg wäre das Team von Gordon Herbert erstmals in dieser Saison Tabellenführer der Bundesliga.

„Ich hätte einen Tag vor Weihnachten lieber ein Auswärtsspiel gehabt“, sagt Coach Herbert. „Ich sehe es ja an mir, irgendwie ist man damit beschäftigt, das Fest vorzubereiten und ich hoffe, dass wir Weihnachten beiseite lassen können und mental dann wirklich bereit sind.“

Dass das nötig sein wird, betont Albas Trainer trotz der aus Berliner Sicht bislang einseitigen Bilanz energisch. „Es ist ganz offensichtlich, dass die Chemie im Ulmer Team stimmt, da haben alle Spaß miteinander zu spielen. Eine Mannschaft mit individuellem Talent und Erfahrung.“

Trainiert wird die von Herbert so gepriesene Mannschaft von einem jungen deutschen Coach, Thorsten Leibenath, getragen wird sie in dieser Saison von einer Welle der Euphorie. Denn Ulm ist aus der Basketball-Steinzeit in der Gegenwart angekommen, zog gerade erst von „Hölle am Kuhberg“, einer muffigen Schulturnhalle, in eine 6000 Zuschauer fassende neue Arena um. In 19 Monaten für 28 Millionen Euro gebaut, mit elf Logen und 270 Business-Seats, „die schönste Basketballhalle Deutschlands“, wie Leibenath schwärmt. „Ein Riesensprung“, sagt Manager Thomas Stoll, dessen Etat sich von 1,7 auf über drei Millionen Euro fast verdoppelte. Und es soll nur ein Anfang sein. Stoll träumt davon, „einmal auf dem Münsterplatz mit 15.000 Ulmern den Meistertitel zu feiern“. Leibenath findet die Vorstellung vom Münsterplatz „sehr charmant“, doch der nächste Schritt sei es, sich in der erweiterten deutschen Spitze festzusetzen.

Bryant wiegt 135 Kilogramm

Um Leibenath zu zeigen, dass der Weg zu diesen Zielen ein langer und steiniger ist, sollte Alba vor allem den Aktionskreis von John Bryant (24) einschränken. Der Ulmer misst 2,11 Meter und baut sich unter den Körben mit einem Gewicht von 135 Kilogramm auf. Und zwar sehr erfolgreich: Mit im Schnitt 14 Punkten und 9,8 Rebounds ist der hellhäutige Lockenkopf aus den USA bester Rebounder und effektivster Spieler der Liga. „Wenn er seine Position gefunden und dann auch noch den Ball bekommen hat, ist er nur noch schwer zu verteidigen“, weiß Herbert. Es gelte, bereits die Anspiele auf Ulms Koloss zu verhindern.

Viele der so gefährlichen Ulmer Pässe kommen von Per Günther (23). Der ist zwar „nur“ 1,84 Meter groß und ein junger deutscher Spielmacher, der sicherlich gern gegen Albas Heiko Schaffartzik (27) groß aufspielen möchte, weil dieser ihm seit Jahren den Weg in die Nationalmannschaft verstellt. „Per ist schnell und schlau, ein gewitzter Typ“, weiß Schaffartzik aus unzähligen Trainingslager-Duellen. Zum anderen ist das für Albas Spielmacher nichts Neues. Gegenspieler wie diese trifft Schaffartzik seit September rund zweimal die Woche. Und nicht nur kurz vor Weihnachten.