85:79 in München

Dank Wood ist Alba Berlin wieder ein Topteam

27 Punkte, sechs Rebounds und fünf Korbvorlagen: DaShaun Wood war beim 85:79-Sieg in München der überragende Alba-Akteur. Er macht die Berliner wieder zu einem Spitzenteam. Doch auch als Ensemble funktionieren sie immer besser.

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Yassin Idbihi wusste, bei wem er sich zu bedanken hatte. „Im letzten Viertel“, sagte der Center von Alba Berlin, „habe ich zwei Korbleger vergeben, die drin sein mussten.“ Also ging er zum Spieler des Abends, der diese Fehler ausgebügelt und den 85:79-Sieg gegen Bayern München perfekt gemacht hatte – mit seinen Punkten, seiner Schnelligkeit, seiner Zähigkeit, und sprach ihm größte Anerkennung aus. „Gerade, als die Bayern ihren Run hatten“, sagte Idbihi, „ist etwas passiert: Da ist DaShaun Wood passiert. Er hat uns zu diesem Sieg getragen.“ Sein Mitspieler Heiko Schaffartzik ergänzte: „Dieses Spiel hat im letzten Viertel DaShaun entschieden. Als wir ihn brauchten, hat er ausgepackt, was er kann.“

Bauermann-Tipps helfen nicht

Und das ist eine Menge. Bayern-Trainer Dirk Bauermann stand am Spielfeldrand und brüllte in diesen letzten, entscheidenden Minuten seiner Mannschaft immer neue Strategien zu, wie der 26-jährige Amerikaner zu stoppen sei: mit Doppeldeckung, wechselnden Gegenspielern oder zur Not mit einem schlichten Foul. Nichts half, „er war durch nichts und niemanden zu stoppen“, sagte Schaffartzik, „DaShaun hat jedes Mal einen Korb gemacht.“ Er flitzte über das Feld, keiner konnte ihm folgen.

Auch Alba-Geschäftsführer Marco Baldi war voll des Lobes: „Wie er bei dem Offensivrebound kurz vor Schluss mit seinen 1,85 Metern hochsteigt zwischen all diesen Tieren unterm Korb und den Ball holt, das zeigt, welche Leidenschaft er hat.“ Da sehe man, was für ein Wettkämpfer er sei. 27 Punkte sammelte Wood, Saisonbestleistung für den Mann aus Detroit, der erst seit ein paar Monaten das Alba-Trikot trägt. Elf von zwölf Freiwürfen verwandelte er, holte sechs Rebounds, gab fünf Korbvorlagen – das komplette Paket eines wertvollen Spielers.

Wood macht den Unterschied

Aber so sehr es richtig ist, dass der Amerikaner in der Schlussphase den Unterschied ausmachte: Ein Spieler kann ein Spiel zwar allein entscheiden, er kann seine Kollegen auch mitreißen, doch er kann es nicht allein gewinnen. Die Berliner, mit Niederlagen in Bremerhaven und Hagen enttäuschend gestartet, funktionieren inzwischen auch als Ensemble. „Wir werden immer besser“, jubelte Wood, der diesmal in Schaffartzik (14), Bryce Taylor (13) und Derrick Allen (12) seine besten Helfer hatte. Ein anderes Mal werden es wieder Kyle Weaver, Torin Francis, Idbihi, Marko Simonovic oder Sven Schultze sein, die allesamt in dieser Saison schon zweistellig punkteten.

„Wir sind kreativer, spielerisch weiter als die Bayern“, sagte Baldi, aber noch viel wichtiger: „Diese Mannschaft ist unbeugsam, einfach nicht kleinzukriegen.“ Sie verbreitet einen Spirit wie in der Schlussphase der vergangenen Spielzeit, als der Meistertitel in fünf Endspielen gegen Bamberg nur knapp verpasst wurde, wirkt dabei jedoch strukturierter, organisierter, reifer.

Das verschaffte ihr acht Siege in Folge, darunter gegen die Titelkandidaten Bamberg und FC Bayern. Und den Respekt der Gegner, die jetzt wieder wissen: Dieses Alba Berlin ist schwer zu schlagen. „Wir haben gegen die wahrscheinlich heißeste Mannschaft der Liga gespielt“, lobte Bauermann, dafür bekannt, dass er Teams selbst heiß zu machen versteht. Der frühere Bundestrainer erkannte in dem Spiel auch „eine Werbung für den Basketball“.

Liga ist enorm ausgeglichen

Wohl wahr, nicht nur wegen dieser einen, begeisternden Partie. Die Saison hält, was sie schon vor dem ersten Spiel versprach: die spannendste aller Zeiten zu werden. So schön der Erfolg in München war, er kam erst auf den letzten Millimetern der Strecke zustande.

Baldi fühlt sich bestätigt in seiner Meinung über die Bayern: „Da kommt was angerollt.“ Die Münchner haben das am tiefsten besetzte Team, das sich aber noch finden muss. Dazu kommen andere Kontrahenten, die eine erfrischende Rolle in der Liga spielen: der Tabellenzweite Ulm, Aufsteiger Würzburg, die immer besser werdenden Artland Dragons. Von den Telekom Baskets Bonn, die in den ersten Wochen an der Tabellenspitze standen, spricht schon fast niemand mehr. „Die Liga ist ausgeglichen“, sagt Baldi, „dass wir jetzt dominant wären – so weit sind wir noch nicht.“

Aber auf dem Weg, „wie wir ihn uns gewünscht haben“, was sich gegen Bamberg und Bayern zeigte, „das müssen wir stabilisieren“. Und alle spüren: Die Alba-Brust wird immer breiter. Nicht nur die von DaShaun Wood.