Königsklasse verpasst

Alba Berlin bleibt international zweitklassig

Zum dritten Mal in Folge hat Alba den Sprung in die Basketball-Europaliga verpasst. Nun müssen die Berliner in den Eurocup. Dass die Korbjäger im europäischen Vergleich zweitklassig bleiben, haben sie sich selbst zuzuschreiben.

Foto: Regina Hoffmann

Barcelona ist eine wunderschöne Stadt, die viel zu bieten hat. Aber von Alba Berlin wollte unter keinen Umständen ein Verantwortlicher am 11. Oktober dorthin reisen. Jetzt ist der Trip doch ein Muss geworden. Geschäftsführer Marco Baldi oder Sportdirektor Mithat Demirel, einer von beiden wird das zweifelhafte Vergnügen haben, Dienstag in einer Woche den Klub bei der Eurocup-Auslosung in der katalanischen Metropole zu vertreten.

The same procedure as every year: Zum dritten Mal in Folge hatte der Berliner Basketball-Bundesligist die Chance, durch die Hintertür doch noch den Sprung in die Europaliga zu schaffen – zum dritten Mal hat es Alba nicht geschafft. Erneut muss der Klub in der zweiten Liga, dem Eurocup, antreten. Entsprechend groß war die Enttäuschung nach dem 63:74 im Halbfinale des Qualifikationsturniers gegen Gastgeber Spirou Charleroi . „Es frustriert mich, das zweite Jahr in Folge gegen ein Team auszuscheiden, das nicht besser ist als wir“, sagte Alba-Profi Derrick Allen, der mit 20 Punkten zu den wenigen Lichtblicken zählte. Vor einem Jahr war Alba ebenfalls an den Belgiern gescheitert, vor zwei Jahren an Maroussi Athen.

Intensität und Wille fehlen

Wobei in der Vergangenheit das Ausscheiden eher unglücklich war, die Leistung der Berliner jeweils recht ansprechend. Doch diesmal zeigte Alba nach dem leichten Viertelfinal-Sieg über Riga gegen Charleroi eine erschreckend schwache Vorstellung. Schon in der Auszeit im letzten Viertel hatte Trainer Gordon Herbert getobt, er forderte die Mannschaft mit harten Worten auf, „endlich Basketball zu spielen“. Seine Bilanz fiel entsprechend deutlich aus: „Ich bin enttäuscht vom Spiel meiner Mannschaft.“ Vor allem „Intensität und Wille“ seien bei den Belgiern ausgeprägter gewesen als bei seinem Team. Das ist der Punkt, der besonders auffällt.

„Zu diesem frühen Zeitpunkt in der Saison greift noch vieles nicht ineinander“, sagte Baldi zwar zutreffend. Erst seit wenigen Wochen trainiert die in großen Teilen neuformierte Mannschaft gemeinsam unter dem neuen Coach Herbert, der aus Frankfurt kam und Spielmacher DaShaun Wood mitbrachte. Da greifen viele Automatismen noch nicht. Dass sich in Spirou am Ende das Team durchsetzte (den Europaliga-Platz sicherten sich die Belgier durch ein 79:53 gegen Nymburg/Tschechien), das am besten eingespielt war, erstaunt nicht. Von den sechs Profis, die am längsten auf dem Feld standen, waren vier bei Charleroi bereits in der vergangenen Saison unter Vertrag, bei Alba hingegen waren es lediglich zwei (Bryce Taylor und Heiko Schaffartzik).

Keine fertige Mannschaft

Doch Einsatz und Siegeswille bis zum Letzten durften auch jetzt erwartet werden. „Intensität gehört dazu“, sagte Baldi. Daran haperte es, die nötige Härte zeigte nur Spirou. Entsprechend sauer war Herbert: „Wir waren einfach nicht gut genug.“ Dies begann bei Wood und endete bei den Centern Torin Francis und Yassin Idbihi. „Wir haben noch keine fertige Mannschaft, das wussten die Trainer – und spätestens jetzt wissen es auch die Spieler“, sagte Demirel.

Es war zwar nicht sicher zu erwarten, dass Alba den Sprung in die europäische Beletage schaffen würde. Doch es war schon ein Saisonziel, endlich wieder in der ersten Liga dabei zu sein. Auch wenn der Vergleich nicht gern gehört wird: Im Gegensatz zu Alba können die Handball-Füchse ihrem Publikum Champions League bieten. Fürs Renommee von Alba wäre es wichtig gewesen, nicht nur als einer der bestorganisierten Klubs und derjenige mit dem höchsten Zuschauerzuspruch in Europa zu gelten. Vor allem zählt eben das Sportliche – und da hat es Alba erneut nicht geschafft. Die Europaliga-Klubs mit den großen Namen kommen wieder nicht in die O2 World. Statt des spanischen Topteams FC Barcelona heißt es jetzt vielleicht Rudupsis Prienu/Litauen, statt Italiens Champion Montepaschi Siena eventuell Gasterra Flames Groningen/Niederlande. „Ich wollte immer schon Europaliga spielen“, sagte Schaffartzik, „ich weiß gar nicht, wie wir jetzt den Eurocup annehmen können.“

Finanziell mit Eurocup kalkuliert

Finanzielle Auswirkungen habe das Scheitern nicht, so Baldi. „Wir haben mit dem Eurocup kalkuliert.“ Die Mannschaft habe Qualität, ein „enormes Steigerungspotenzial“. Das Team müsse jetzt eben mehr zusammenwachsen. Es sei schließlich normal, dass alles seine Zeit brauche: „Der Trainer hat ein neues Spielkonzept, das bis auf Wood noch keiner kannte.“ Auch werde es jetzt keine überstürzten Personalentscheidungen geben. „Ein bisschen Geduld muss man schon haben.“ Doch: „Wenn wir merken, dass es hapert, werden wir sehen, ob wir aktiv werden.“

Alba geht mit einem Negativerlebnis in die Saison. „Das ist kein Rucksack, den man nun monatelang mit sich herumträgt“, sagte Baldi. Doch Rückenwind gibt die Pleite in Charleroi auch nicht. Die Mannschaft muss möglichst schnell aus dem Loch herauskommen, in das sie gefallen ist. Wobei Alba in der Bundesliga gleich mit drei Auswärtsspielen beginnt: Am kommenden Sonntag (9.10.) geht es in Bremerhaven los, es folgen Partien in Braunschweig (12.10.) und Hagen (16.10.). Erst am Sonntag, 23. Oktober, steht das erste Heimspiel gegen Tübingen auf dem Programm. „Das wird alles andere als einfach“, meinte Demirel. The same procedure as last year? Im vergangenen Jahr gewann Alba nach seiner Euro-Pleite die ersten vier Spiele in der Bundesliga.