Nach Sieg gegen Bamberg

Alba blickt selbstsicher Richtung Meisterschaft

Nach dem Sieg gegen Meister Bamberg strotzen die Albatrosse vor Selbstvertrauen. Für eine Atempause bleibt jedoch keine Zeit. Im Eurocup-Spiel gegen Buducnost Podgorica am Dienstag müssen die Alba-Profis erneut ihre Stärke beweisen.

Auf dem Weg zum Mannschaftsbus war den Basketballprofis der Brose Baskets Bamberg immer noch die Fassungslosigkeit anzumerken. „Unglaublich, plötzlich war das ein anderes Spiel“, sagte Kapitän Casey Jacobsen und schüttelte den Kopf. Mit zwölf Punkten Differenz hatte sein Team schon geführt. Doch dann wurden die Franken, die ihre erste Niederlage in dieser Bundesligasaison einstecken mussten, von Alba Berlin schlichtweg überrollt: 23:8 hieß es im letzten Viertel für Berlin, das am Ende mit 87:81 (41:48) gewann. „Wir sind sehr enttäuscht von uns“, sagte Jacobsen und verschwand mit seinem Team in der kühlen Nacht.

Zu diesem Zeitpunkt standen die Spieler von Alba gerade im Vip-Raum der O2 World am Büffet und häuften sich die Teller voll. Sie platzten schier vor Stolz. „Wir werden von Spiel zu Spiel besser“, sagte DaShaun Wood, mit 17 Punkten hinter Derrick Allen (20) zweitbester Werfer der Berliner. Recht hatte der Spielmacher: Bei Alba ist in den vergangenen Wochen eine kontinuierliche Entwicklung zu sehen. Immer besser werden die Vorgaben von Trainer Gordon Herbert umgesetzt. Vor allem hat die Mannschaft „ein ganz großes Herz“, wie es Wood ausdrückte. Trotz Rückstands und Rückschlägen. „Wir geben nie auf“, sagte Allen. Herbert nahm eine Anleihe aus dem Tierreich: „Wir waren lange wie Hunde, die vergeblich dem Hasen hinterherhetzten.“ Hunde, die nicht nur bellen, sondern eben auch beißen können. Und den fränkischen „Hasen“ dann doch noch erlegten.

Und ein solcher Erfolg gegen den Meister und Pokalsieger ist natürlich etwas ganz Besonderes.

Fans so laut wie noch nie

Zu keinem Klub in der Liga ist die Rivalität so groß wie zu Bamberg. Dies hatte sich schon beim Ballyhoo im Vorfeld gezeigt – und setzte sich auf dem Parkett und auf den Rängen fort. „Die Arena hat gekocht“, stellte Albas Center Yassin Idbihi zufrieden fest. „Die Fans haben uns viel Energie gegeben.“ Selten dürfte es in der Halle lauter gewesen sein als am Sonntag. Wann haben die Zuschauer schon einmal die kompletten letzten sieben Spielminuten stehend verfolgt, weil der Basketball-Krimi im Sitzen kaum auszuhalten war? Ein vermeintliches „Opern-Publikum“ außer Rand und Band.

Ob das Theater vor der Partie, die Giftpfeile, die hin- und hergeschossen wurden, Einfluss auf sein Team gehabt hätten, wurde Herbert gefragt. Gar nicht. „Da hat niemand eine Extra-Motivation gebraucht. Dann hätte er ja wohl auch seinen Beruf verfehlt…“ Dass allerdings die Berliner Zuschauer besonders motiviert waren, war weder zu übersehen noch zu überhören. Auch hier legt Alba langsam zu. Baldi: „Der Glaube ist zurück.“

Bamberger rudern zurück

Im Vorfeld hatte Baskets-Geschäftsführer Wolfgang Heyder ja noch davon gesprochen, sein Team werde in der Bundesliga zuwenig gefordert, was in Hinblick auf die Europaligaspiele des Meisters kontraproduktiv sei. Diese Aussage sei „falsch angekommen“, ruderte Bambergs Trainer Chris Fleming zwar zurück. „Wir hatten eben in der Anfangsphase schwächere Gegner.“ Wie auch immer: „Wer den Mund voll nimmt, muss damit rechnen, dass das dann zurückschlägt“, meinte Albas Geschäftsführer Marco Baldi. Heiko Schaffartzik stellte ironisch fest: „Es freut uns, dass wir Bamberg helfen konnten.“

Die ganze Bundesliga hatte auf Alba geschaut. Es war klar: Wenn es zurzeit einer Mannschaft gelingen könnte, die schier übermächtigen Bamberger zu besiegen, dann Alba. Bei einer Berliner Niederlage hätte Langeweile gedroht. Nun haben alle gesehen: Auch der Meister ist verwundbar. Ganz unparteiisch, aber dennoch erfreut nahm auch Jan Pommer, Geschäftsführer der Bundesliga (BBL), das Ergebnis zur Kenntnis. „Das beweist, wie ausgeglichen die Liga ist.“ Es sei sehr wichtig, dass die Bundesliga eine „Wundertüte“ bleibe. „Wir haben einen Wettbewerb, wo keiner eine gemähte Wiese vorfindet.“

Vor allem Bamberg, Alba und Aufsteiger Bayern München sorgen dafür, dass sich auch TV-Partner Sport1 über höhere Einschaltquoten als früher freuen kann. Am Sonntag (erst wurde Bayern–Frankfurt, danach Berlin–Bamberg übertragen) sahen im Schnitt „deutlich über 200.000 Zuschauer“ zu, berichtete Pommer. Eine für die BBL ungewöhnlich hohe Quote. „Das wird eine interessante Saison“, sagte Idbihi grinsend: „Wir haben heute gezeigt, dass alles andere als der Gewinn der Meisterschaft für uns eine riesige Enttäuschung wäre.“ Und er sei sich „sicher, dass wir im Finale wieder auf Bamberg treffen werden“. Bis dahin ist es noch sehr weit, doch zumindest haben die Berliner ihren Status als Herausforderer Nummer eins der Bamberger nun deutlich artikuliert. „Bamberg war ein echter Maßstab und ein guter Schritt für uns“, stellte Herbert fest.

Aber Zeit zum Ausruhen und zu einem „emotionalen Durchpusten“ (Baldi) gibt es für Alba nicht. Bereits 49 Stunden nach dem Triumph gegen Bamberg müssen die Berliner heute Abend (20 Uhr, O2 World) im Eurocup gegen Buducnost Podgorica aus Montenegro antreten.