Basketball

Alba siegt - aber stark spielt man anders

Das erste Heimspiel der Saison hat Alba Berlin mit 76:56 gegen Tübingen gewonnen. 20 Punkte Unterschied - nur: So stark, wie das Ergebnis vermuten lässt, war die Leistung der Berliner aber nicht: Über weite Strecken boten sie eine schwache Vorstellung.

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DaShaun Wood schaute während der Ehrenrunde noch einmal auf den großen Anzeigewürfel an der Hallendecke, als wenn er es selbst nicht so richtig glauben konnte. Doch die Botschaft nach Spielende war klar: Seine Mannschaft, das Basketballteam von Alba Berlin, hatte gegen die Tigers Tübingen mit 20 Punkten Differenz gewonnen. „Einige Male sind wir eigentlich klar vorne gelegen, aber die haben sich nicht abschütteln lassen“, sagte der Spielmacher von Alba nach dem 76:56 (37:30) gegen die Schwaben.

Erst in den letzten Minuten war den Tübingern die Luft ausgegangen. „Wir haben nicht realisiert, dass wir hier sogar eine Chance gehabt hätten“, ärgerte sich Tübingens Coach Igor Perovic, der aber gleich anfügte: „Aber das Resultat sagt ja alles…“ Eben nicht. Das Ergebnis täuscht über das hinweg, was die 10381 Zuschauer am Sonntag in der O2 World zu sehen bekamen. „Das Spiel war viel knapper“, lautete auch der ebenso knappe Kommentar von Albas Cheftrainer Gordon Herbert. „Ich bin mit den Bemühungen der Spieler und dem Erfolg zufrieden“, meinte Herbert, „aber nicht mit der Art und Weise, wie wir Basketball gespielt haben.“ Auch Alba-Geschäftsführer Marco Baldi musste trotz wenig Ballverlusten (8), einer guten Rebound-Ausbeute (43:25) und dem Erfolg im ersten Bundesliga-Heimspiel eingestehen: „Es war noch wenig Fluss zu sehen.“ Geduld und Erfolgserlebnisse brauche die Mannschaft, so Baldi. Und von Beginn an konnte man gestern sehen, dass auch die Zuschauer noch Geduld mit dem Alba-Jahrgang 2011/12 werden haben müssen. Die Mechanismen greifen noch nicht, die Mannschaft ist immer noch in der Findungsphase. „Es fehlt noch die Stabilität, die muss man sich erarbeiten“, meinte Baldi.

Entsprechend legt das Team von Herbert in dieser Saison bisher eine Berg- und Talfahrt hin. Von Konstanz kann noch keine Rede sein. So auch gegen Tübingen zu sehen. Beispiel erstes Viertel: Nach rumpeligem Beginn hätte eine Acht-Punkte-Führung nach einer spektakulären Flugeinlage von Bryce Taylor zum 18:10 (7. Minute) doch für etwas mehr Sicherheit sorgen müssen, aber gleich folgte eine Serie zum 18:19. Da waren wieder die Defensivschwächen, die Alba auch bei den bisherigen drei Saisonniederlagen begleitet hatten.

Herbert stapfte missmutig an der Seitenlinie hin und her. So richtig zu versöhnen schien es ihn auch nicht, dass seine Mannschaft nach einer Steigerung mit zwölf Punkten Differenz in Führung ging (37:25/19.). Taylor zeigte beim Durchsetzen unter dem Korb, wie es gemacht werden muss: Erst muss die kämpferische Einstellung stimmen, dann kann man sich um die spielerischen Elemente kümmern. Auf sieben Zähler (37:30) schmolz die Führung bis zum Wechsel zusammen.

Geschichte wiederholte sich. Wieder konnte Alba davonziehen, Kyle Weaver, mit 14 Punkten bester Berliner Werfer, vollendete per Dreier zwar zum 46:34 (23.), aber gleich ließ Alba wieder nach. Eine 3:13-Serie zum 49:47 (29.) folgte. So baut man einen Gegner auf. Nach 32 Minuten hieß es lediglich 53:51. Doch dann zeigte Alba wieder bis zum Schluss sein gutes Gesicht. „Da stand unsere Defense sehr gut“, bilanzierte Taylor, der auf 13 Zähler kam, sich in der vorletzten Minute allerdings an der linken Schulter verletzte. Eine genaue Diagnose wird es heute geben.

Fußend auf guter Abwehr wurde in den letzten acht Minuten nun auch vorne gut kombiniert und getroffen. Hatte man sich lange gegen die Zonendeckung der Tübinger schwergetan, hebelte vor allem Heiko Schaffartzik (13 Punkte) mit drei Dreiern die Tigers-Verteidigung aus. Die Tübinger waren stehend k.o, während Alba noch mal richtig Gas gab. Entsprechend hoch war dann das Endresultat.

„Heiko hat am Ende einen hervorragenden Job gemacht“, lobte Wood seinen Spielmacher-Kollegen. Der so Gelobte sah das Ganze in seiner typisch realistischen Art: „Für uns ist es noch ein weiter Weg.“ Doch er habe das Gefühl, „dass es mit jedem Spiel besser wird“. Gegen Tübingen habe sich das Team richtiggehend durchgekämpft. „Das hat mir gefallen.“