Basketball

Sven Schultze ist der "Leibwächter" von Nowitzki

Wenn die Gegner zur Attacke auf den deutschen Basketball-Superstar Dirk Nowitzki ansetzen, stellt sich ihnen ein Mann in den Weg. Wer an Nowitzki heran will, muss erst einmal am Berliner Sven Schultze vorbei.

Foto: picture-alliance / Camera4 / picture-alliance / Camera4/Camera4

Das größte Lob kommt vom Bundestrainer persönlich: „Sven ist so etwas wie die Seele der Mannschaft“, sagt Dirk Bauermann und grinst den neben ihm sitzenden Sven Schultze an. Der Basketballprofi von Alba Berlin hört die Worte gern, sagt: „Ja, ich glaube, der Trainer weiß, was er an mir hat.“

Wenn es in diesen Tagen um Basketball geht, um die Testspiele vor der anstehenden Europameisterschaft in Litauen (31. August bis 18. September 2011), dreht sich alles um Dirk Nowitzki, den Meister und Superstar aus der nordamerikanischen Profiliga NBA; dann kommt lange, lange nichts, bis sich das Interesse dem zweiten NBA-Profi, Chris Kaman, zuwendet. Den restlichen Spielern, unter ihnen eben Schultze, werden zumeist nur Nebenrollen zuteil. Der aus Bamberg stammende Schultze nimmt es gelassen: „Das ist der Lauf der Dinge in der Nationalmannschaft. Wenn Dirk dabei ist, dann steht er eben total im Mittelpunkt.“ Schultze selbst sieht diese Fixierung positiv: „Für uns ist es doch angenehm, nicht so im Fokus zu stehen.“

Die große Aufmerksamkeit muss Sven Schultze, neben Lucca Staiger und Heiko Schaffartzik einer von drei Berlinern im EM-Kader, nicht haben. Er ist einer, der immer alles gibt, egal, ob er nun spielt oder ob er – was sowohl im Verein als auch im Nationalteam oft vorkommt – auf der Bank sitzt. Wobei Schultze selten sitzt. Bei jeder gelungenen Aktion seiner Kollegen springt er auf und feuert sie an. „Ich kann nur versuchen, die Jungs mit meiner Art anzustecken“, sagt er. Bauermann hebt eines besonders hervor: „Er schaut nie auf sich, sondern immer auf die Mannschaft.“ Mit zwei Worten beschreibt der Bundestrainer den Spieler: Er sei ein „Emotional leader“, der „unglaublich wichtig“ fürs Team sei.

Schultzes Arbeitsplatzbeschreibung: „Ich helfe dem Team in gewissen Situationen: Energie reinbringen, Schüsse reinmachen.“ So wie beim abschließenden Erfolg beim Supercup am Wochenende gegen die Türkei, als er in zwölf Minuten Einsatzzeit elf Punkte erzielte und mit drei Dreiern den Türken die letzten Sieghoffnungen raubte. Distanzwürfe sind die Spezialität des 2,06 Meter großen Flügelspielers, der im Februar 2000 erstmals im Nationalteam stand und inzwischen 110 Länderspiele absolviert hat.

Wie bei Asterix und Obelix

Schultze ist sich aber auch für die Drecksarbeit nicht zu schade, und er gilt als „harter Knochen“, der richtig hinlangt, wenn es sein muss. Kompromisslos. Wer brutal gegen Nowitzki einsteigt, wird – wenn er gerade auf dem Feld ist – postwendend Schultze kennenlernen, sozusagen den Leibwächter des großen Stars. Da kann der freundliche Schultze schnell zum „Haudraufundschluss werden“, in Anlehnung an einen römischen Legionär in einem Comic der Reihe um die Gallier Asterix und Obelix. Bauermann umschreibt das so: „Wir haben den einen oder anderen, der zu den Gegnern geht und ihnen klarmacht: Wenn ihr so weitermacht, passiert etwas.“ Besonders einen Spieler hat Bauermann dafür im Auge: Schultze eben.

Schultze und Nowitzki sind beide Jahrgang 1978. Sie kennen sich seit fast 20 Jahren. Mit 14 standen sie gemeinsam in der Bayern-Auswahl, die sich beim sogenannten Bundesjugendtreffen des Nachwuchses den Titel sicherte.

Nowitzki wurde bei den Dallas Mavericks heimisch und zu einem Superstar, Schultze kam als 20-Jähriger aus seiner Heimatstadt Bamberg nach Berlin und wurde danach zu einem Wandervogel. Er lief für Leverkusen, die italienischen Klubs Mailand, Udine, Monferrato, Biella und Ferrara sowie Larisa/Griechenland auf, und seit dem Sommer vergangenen Jahres spielt der Vater von zwei Kindern wieder für Alba.

Während der Spiele am Wochenende musste er sich zunächst ein paar Pfiffe anhören. Einige Fans des deutschen Basketballmeisters Brose Baskets hatten es ihm noch nicht verziehen, dass er in der Finalserie zwischen Alba und den Baskets im vergangenen Juni handfest seinen Job erledigt hatte. „Dazu möchte ich jetzt nichts sagen“, antwortete er auf die Frage, wie die Unmutsäußerungen bei ihm angekommen seien. „Hier geht es jetzt um die Nationalmannschaft und um nichts anderes.“

Die Nationalmannschaft liegt ihm sehr am Herzen. Im vergangenen Jahr fehlte er bei der WM in der Türkei. Schultze hatte ein Jahr pausiert, wollte bei Alba die Vorbereitung mitmachen, beim Ortswechsel bei seiner Familie sein. Vor dem Fernseher hat er damals mitgefiebert und hätte „sehr gerne mitgeholfen“.

Umso glücklicher ist er, dass er diesmal wieder mittendrin ist.