Basketball

Warum sich Marko Simonovic so auf Alba freut

Der Serbe Marko Simonovic trägt nun das Trikot von Bundesligist Alba. Man kann den zurückhaltenden 25-Jährigen als absolutes Kontrastprogramm zu einem anderen Neuen bei den Berlinern sehen: Center Torin Francis.

Foto: dpa

An seinen letzten Aufenthalt in Berlin erinnert sich Marko Simonovic nicht gern. Es war am 19. Dezember 2006, als er mit seinem damaligen Klub Telindus Ostende in der Max-Schmeling-Halle antrat. Aus Sicht des belgischen Teams ein positiver Tag, weil die Mannschaft das Uleb-Cup-Spiel bei Alba Berlin mit 66:65 gewann. Für Simonovic war es ein schlechter Tag: „Ich kam keine Minute zum Einsatz“, erinnert er sich. Danach war für ihn Schluss, frustriert verließ er den Klub und heuerte bei Hemofarm Vrsac (Serbien) an.

Wenn der 25 Jahre alte Basketballprofi heute davon erzählt, kann er lächeln. Er ist zurück in Berlin – und vieles hat sich verändert. Nicht nur, dass Alba inzwischen in der O2 World spielt, künftig wird Simonovic das Berliner Trikot tragen. Am Dienstag ist er, wie die meisten seiner Teamkollegen, in Berlin eingetroffen. Am Mittwoch standen für alle Spieler medizinische Tests auf dem Programm. Simonovic sagt: „Für mich ist es jetzt die zweite Chance, außerhalb des Balkans Fuß zu fassen.“ Nach dem dreimonatigen Kurzaufenthalt in Ostende folgten auf Vrsac zuletzt drei Jahre beim montenegrinischen Meister Buducnost Bodgorica, zuletzt als Kapitän.

Noch einmal ein Blick zurück. „Ich war einfach zu jung, es kam zu früh.“ Der damals 20-Jährige war überfordert mit der Situation fern der Heimat. Der Flügelspieler sprach nur leidlich Englisch, fand keinen richtigen Draht zum Trainer, zudem litt er darunter, dass wegen Visaproblemen niemand aus seiner Familie ihn besuchen konnte. Entsprechend waren seine Leistungen auf dem Feld. Inzwischen, sagt er, „bin ich alt genug und offener geworden – und ich möchte den nächsten Schritt in meiner Karriere machen“.

„Viele schwierige Situationen“

Man kann den zurückhaltenden Serben als absolutes Kontrastprogramm zu einem anderen Neuen bei Alba sehen: Center Torin Francis. Er hat jamaikanische Wurzeln, liebt Reggaemusik und trägt auf dem Kopf Rasta-Zöpfe. Nicht nur, dass der US-Amerikaner lockerer daherkommt, mit seinen 28 Jahren hat er auch schon sehr, sehr viel in Europa erlebt. In Italien, Griechenland, Israel und der Türkei hat er bisher gespielt. In jedem Jahr mindestens für einen Klub, zuletzt von Januar diesen Jahres an bei Panellinios Athen. „Ich bin froh, jetzt bei einem so professionellen Klub wie Alba zu sein“, sagt er. Denn er kennt das auch anders. „Ich habe schon viele schwierige Situationen erlebt“, erzählt er. Mehrere Male musste er bei Klubs auf sein Geld warten. Es gibt immer noch Außenstände: „Da sehe ich kein Geld mehr, das kann ich vergessen.“

Dass Francis trotz aller schlechten Umstände immer verlässlich gute Leistungen abgerufen hat, zeige seine hervorragende Einstellung, hatte Alba-Geschäftsführer Marco Baldi bei der Verpflichtung des 2,10 Meter großen Centers erklärt. Doch besonders seine Taten auf dem Feld haben die Berliner Verantwortlichen überzeugt. Wobei Alba mit ihm eine eher zweifelhafte Erfahrung gemacht hat. In den beiden Eurocup-Spielen gegen Panellinios in der vergangenen Saison erzielte Francis 28 Punkte und angelte sich sieben Rebounds. Auch in dieser Hinsicht ein starker Kontrast zu Simonovic und dessen Aufeinandertreffen mit seinem neuen Arbeitgeber.

Auch die Ausgangssituation jetzt in Berlin unterscheidet sich stark. Francis ist umgeben von vier weiteren US-Amerikanern: Bryce Taylor, Derrick Allen, Kyle Weaver und DaShaun Wood. Mit Spielmacher Wood hat Francis sogar schon ein Jahr lang gemeinsam gespielt, 2007/08 beim italienischen Klub Cantu Basket. „Er ist ein hervorragender Mann, der selber werfen, aber auch sehr gut passen kann“, lobt er seinen alten neuen Mitspieler.

Für Simonovic stellt sich eine für Alba eher ungewöhnliche Situation. Der 25-Jähre ist der einzige Profi aus dem ehemaligen und inzwischen zersplitterten Jugoslawien. Viele Jahre lang gingen die Berliner mit zwei bis drei Spielern vom Balkan in die Saison, Solist war zuletzt in der Saison 2002/2003 Center Jovo Stanojevic. „Das ist kein Problem, schließlich bin ich ja Profi“, sagt Simonovic.

Unisono geben sie die Ziele an. Zuerst einmal „wollen wir die Europaliga erreichen“. Im Qualifikationsturnier dafür im belgischen Charleroi trifft Alba in der ersten Runde am 29. September auf den lettischen Meister VEF Riga. Und dann soll es natürlich der nationale Titel sein. „Ich habe in meiner Karriere noch nie einen Titel gewonnen“, sagt Francis. „Das will ich jetzt endlich schaffen.“ Wenn sich alles eingespielt hat und die Saison begonnen hat, wird Familie Francis nachkommen. Seine Frau, die 5-jährige Tochter und der 15 Monate alte Sohn. Auch Simonovic freut sich: „Mich wird meine Freundin so oft wie möglich besuchen.“ Visaprobleme gibt es keine mehr.