Basketball

Alba ist auf der Suche nach einer Philosophie

Anfang kommender Woche startet Albas neuer Coach Gordon Herbert mit der Saisonvorbereitung. Die Maxime des Kanadiers ist klar: Er will, dass das Team seine Philosophie verinnerlicht.

Foto: picture-alliance / Jan Hübner

Der Ernst des Lebens rückt für die Basketballer von Alba Berlin so langsam in Sichtweite. Coach Gordon Herbert ist schon seit Anfang der Woche in Berlin und bereitet sich in seinem Büro im Leistungszentrum auf die kommende Saison vor. Seine Spieler werden bis auf Sven Schultze, Heiko Schaffartzik und Lucca Staiger, die sich mit der deutschen Nationalmannschaft auf die Europameisterschaft in Litauen (31. August bis 18. September) vorbereiten, am Sonntag und am Montag in Berlin eintreffen. Am Dienstagabend bittet Herbert zur ersten Teambesprechung der Saison.

Die Saisonvorbereitung sei jedes Mal eine neue Herausforderung, sagt der kanadische Trainer nach immerhin 17 Berufsjahren. „Du musst deine Philosophie den Spielern, die du hast, anpassen“, erklärt der Coach. „Und ich kenne ja eigentlich nur DaShaun Wood, der letzte Saison mit mir in Frankfurt war und ein wenig Derrick Allen, mit dem ich im Jahr davor ein paar Monate bei den Skyliners zusammen gearbeitet habe.“

Eine Saisonvorbereitung ohne einen einzigen Spieler – was gibt es zu tun? „Ich gehe mit meinen Assistenten mögliche Systeme durch, die wir spielen könnten, und wir diskutieren“, erklärt Herbert. Bemerkenswert ist, dass die, mit denen er seine Philosophie neu justiert, nicht, wie so oft bei Trainerwechseln, alte Fahrensleute des Headcoachs sind. Herbert diskutiert mit Alan Ibrahimagic und Mauricio Parra. Ibrahimagic (33) trainierte in der vergangenen Saison Albas ProB-Team, welches an vielen Stellen mit dem Profiteam verzahnt ist. Parra (39) kam in der vergangenen Saison nach Berlin und arbeitete bei Albas zweiter Garde vornehmlich als Individualtrainer und war im Profiteam in den Bereichen Spielvorbereitung und Scouting aktiv.

„Ein erfolgreiches Programm bringt nicht nur gute Spieler hervor, sondern auch gute Trainer“, erklärt Herbert seine Entscheidung, auf Ibrahimagic und Parra zu setzen. Er sei mit seiner Wahl auch dementsprechend zufrieden. „Ich bin ein guter Zuhörer“, sagt der Trainer und seine beiden Assistenten seien „alles andere als Ja-Sager – genau so, wie ich es wollte“.

Albas Coaches werden am Dienstag eine überschaubare Gruppe zum ersten Meeting begrüßen. Zu Derrick Allen, Yassin Idbihi, Bryce Taylor und dem 18-jährigen Shooting Guard Joey Ney, der gerade einen Vierjahres-Vertrag bei Alba unterschrieb, werden sich die beiden Flügel Kyle Weaver und Marko Simonovic, Center Torin Francis und Spielmacher DaShaun Wood gesellen. Zählt man die drei Nationalspieler hinzu, umfasst Albas Kader derzeit elf Spieler – nicht gerade üppig, wenn man an die Belastungen und die Terminhatz der letzten Jahre durch die Bundesliga und Europa denkt.

Ein weiterer Zugang sei aber derzeit „nicht in Planung“, erklärt Albas Coach. „Ich habe ein gutes Gefühl mit denen, die wir haben.“ Gerade in der Zeit, in der die Nationalspieler noch nicht da sind, hätten zudem die Jungen Gelegenheit, sich zu zeigen.

Auch Teammanager Mithat Demirel will „so ins Rennen gehen. Wir haben auf den wichtigsten Positionen sehr gute Spieler. Die Säulen des Teams stehen“.

Diese werden am kommenden Mittwoch und Donnerstag Fitnesstests und die obligatorischen Leistungsdiagnostik absolvieren. Am kommenden Freitag will Herbert mit denen, die da sind, erstmals trainieren. In den ersten Wochen wird da wohl vor allem Jussi Hirvonen das Zepter schwingen. Den hat Albas Coach dann doch aus Frankfurt mitgebracht. Der 56-jährige Athletiktrainer aus Finnland betreute bislang neben olympischen Leichtathleten auch die deutsche Basketball-Nationalmannschaft unter Henrik Dettmann.

Bis zur Saisoneröffnung am 23. September gegen die Artland Dragons bleiben Herbert und seinen Assistenten dann gut fünf Wochen, um das Team in Schwung zu bekommen. Eine Woche später trifft Alba dann im Viertelfinale zur Europaliga im belgischen Charleroi auf den lettischen Meister VEF Riga. Der Ernst des Lebens rückt näher.