Nach Final-Niederlage

Warum Albas Trainer nach Israel zurückfliegt

Als Muli Katzurin im Januar 2010 Alba-Trainer wurde, hätte kaum jemand mit dem Einzug ins BBL-Finale gerechnet. Im Interview erklärt er seine abrupte Abreise und warum er nie wieder ein Team in der Saison übernehmen wird.

Muli Katzurin trat am 24. Januar die Nachfolge des beurlaubten Luka Pavicevic als Trainer von Alba Berlin an und führte das Team in die Endspiel-Serie. Direkt nach der Niederlage im fünften Finalspiel in Bamberg sprach Morgenpost-Online-Redakteur Sebastian Arlt mit dem 56-jährigen Israeli. Katzurin flog bereits Sonntagvormittag nach Tel Aviv, wo seine Tochter Sharon (26) am Dienstag heiraten wird.

Morgenpost Online: Herr Katzurin, Ihr Team ist ganz knapp gescheitert, wie ist Ihre Gefühlslage nach der Niederlage?

Muli Katzurin: Ich hasse Niederlagen, und entsprechend geht es mir. Ich will das eigentlich nicht sehen (Versteckt seine Silbermedaille unter seinem Jackett). Zweiter zu werden, das ist absolut nichts.

Morgenpost Online: Es war hart, in den letzten 90 Sekunden doch noch zu verlieren.

Muli Katzurin: Da haben Sie recht. Aber ich bin hartgesotten, in meiner Karriere habe ich schon viele Erfolge und Niederlagen erlebt, die ganze Bandbreite der Gefühle, daran werde ich nicht zerbrechen.

Morgenpost Online: Wie haben Sie diese Saison mit Hochs und Tiefs im schnellen Wechsel denn empfunden?

Muli Katzurin: Es war sehr stark, wie das Team gewachsen ist. Als ich bei Alba begann, war die Mannschaft zum Beispiel in der Reboundwertung Letzter in der Bundesliga, das hat sich sehr gebessert. Was mir besonders wichtig war: Die Mannschaft spielte als Team und war nicht von einem Spieler abhängig.

Morgenpost Online: Sie haben einen neuen, schnelleren und attraktiveren Stil spielen lassen.

Muli Katzurin: Es war nicht leicht, vom alten System meines Vorgängers auf meine Philosophie umzustellen. Aber alle Spieler waren offen für neue Ideen. Ich muss schon sagen: Alles gute Jungs, die bereit waren, zu lernen, und die sehr hart gearbeitet haben. Ich habe ihnen direkt nach dem Spiel in der Kabine auch gesagt: Ich bin stolz auf euch, und ihr könnt stolz auf das sein, was ihr geleistet habt.

Morgenpost Online: Für Sie war der kurzfristige Einsatz bei Alba ja Neuland…

Muli Katzurin: Da kann ich gleich ankündigen: Nie, nie mehr werde ich während einer Saison ein Team übernehmen. Das war für mich zwar eine besondere Herausforderung, aber dennoch habe ich das einmal gemacht und nie wieder.

Morgenpost Online: Müssen Sie ja auch nicht, wenn Sie bei Alba weiter arbeiten sollten. Für eine Bewerbung haben Sie mit der Final-Teilnahme schließlich beste Referenzen.

Muli Katzurin: Ich weiß schon, auf was Sie hinaus wollen. Aber ich kann dazu gar nichts sagen. Alles ist offen, ich werde mich dazu nicht äußern und fliege erst einmal nach Hause. Alles Weitere wird sich zeigen.

Morgenpost Online: Ist es denn nicht unendlich schwer, nach der schmerzlichen Niederlage fröhlich und ausgelassen die Hochzeit Ihrer Tochter zu feiern?

Muli Katzurin: Da habe ich kein Problem, das kann ich trennen. Ich bin sehr stolz auf meine Tochter und freue mich so unglaublich, an Ihrem großen Tag dabei zu sein. Aber ich weiß auch, dass die Situation sehr schwierig ist.

Morgenpost Online: Weil Sie Hals über Kopf Berlin verlassen?

Muli Katzurin: Ja sicher, ich hätte wirklich sehr gerne mit der Mannschaft, den Fans, der ganzen Organisation gefeiert. Aber ich denke, dass alle Verständnis für meine Lage haben werden.