Gordon Herbert

Wie Alba sich den Wunschtrainer angelte

„Wir waren frei, er war frei – jetzt hat es gepasst", so lapidar beschreibt Alba-Manager Baldi die Verpflichtung des neuen Trainers Gordon Herbert. Der Kanadier bekommt einen Vertrag bis 2013 und löst Muli Katzurin ab. Er soll Alba jünger und leidenschaftlicher machen.

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Manchmal dauert es im Leben ein bisschen, bis man endlich zusammenkommt. Was auf zwischenmenschliche Beziehungen zutrifft, gilt oft auch für den Profisport – in diesem Fall Alba Berlin und Gordon Herbert. Vor ein paar Jahren führten der Basketball-Klub aus der Hauptstadt und der kanadische Trainer bereits Gespräche über eine mögliche Zusammenarbeit, doch zum Vollzug kam es erst in diesem Sommer. „Wir waren frei, er war frei – jetzt hat es gepasst“, sagt Albas Geschäftsführer Marco Baldi. Herbert erhält als Nachfolger von Muli Katzurin einen Vertrag bis zum Sommer 2013.

Der Israeli, der Alba nach der Entlassung von Luka Pavicevic im Januar übernahm und am Ende einer äußerst turbulenten Saison bis ins Finale gegen Bamberg führte, wäre zu einem weiteren Engagement in Berlin bereit gewesen. Baldi bezeichnet ihn als „ernsthaften Kandidaten“ und „erstklassigen Trainer, der bei uns Großes geleistet hat“. Doch nach ihrer Analyse der Situation kamen die Vereinsverantwortlichen zu dem Schluss, dass Herbert die passendere Lösung sei und sagten Katzurin telefonisch ab. „Gordon Herberts Mannschaften waren immer leidenschaftlich und extrem motiviert – egal, wo er war“, so Baldi. „Das war über Jahre hinweg sehr auffallend und hat uns überzeugt.

Berlin lieber als Frankfurt und Russland

Ein paar Tage nach dem verlorenen fünften Endspiel in Bamberg nahmen die Berliner Kontakt mit Herbert auf, der seinen Vertrag bei Albas Halbfinal-Gegner Frankfurt Skyliners noch nicht verlängert hatte, und bekundeten ihr Interesse. Obwohl ihn die Hessen halten wollten und er auch ein Angebot eines Klubs aus Russland hatte, entschied sich Herbert schnell für die deutsche Hauptstadt: „Das ist eine großartige Situation für mich mit vielen tollen Möglichkeiten. Alba ist eine der besten Organisationen in Europa – da stimmte das ganze Paket.“

Mit ihm feiert Alba auf der Position des Headcoaches eine Doppelpremiere: Nach vier Trainern aus dem ehemaligen Jugoslawien, dem Deutschen Henrik Rödl und Muli Katzurin aus Israel verpflichtete der achtmalige Deutsche Meister erstmals einen Nordamerikaner. Für Baldi ist das nichts Besonderes: „Wir bevorzugen keinen bestimmten Stil, uns ist die Struktur im Spiel wichtig. Mir persönlich ist es völlig egal, welchen Pass jemand hat.“ Und nachdem Alba seine neuen Coaches bevorzugt im Ausland rekrutierte und die Top-Trainer in der Basketball-Bundesliga nicht verpflichtete, kommt mit Herbert jetzt ein Insider in Sachen deutscher Basketball. Das sei nicht entscheidend, aber ein Argument für ihn gewesen, so Baldi.

Golbetrotter in Sachen Basketball

Das waren sicher auch die beiden letzten Play-off-Duelle in diesem und im vergangenen Jahr: Im Mai 2010 schaltete Herbert – wenige Wochen, nachdem er die Skyliners zum zweiten Mal übernommen hatte – den Hauptrunden-Zweiten aus Berlin aus. In dieser Saison zwang er Alba mit seinem nominell deutlich schwächer besetzten Team in ein fünftes Spiel und gewann beide Partien in der O2 World. Der 52-Jährige ist diplomierter Sportpsychologe und war zwölf Jahre Basketball-Profi in Finnland. Seit Beginn seiner Trainer-Karriere 1994 arbeitete er in Finnland, Österreich, Deutschland, Frankreich, Griechenland sowie als georgischer Nationaltrainer und war 2008/09 Assistenztrainer der Toronto Raptors in der NBA. Am Ende seines ersten Engagements am Main wurde er mit Frankfurt 2004 Deutscher Meister, 2007 gewann er mit Elan Bearnais Pau-Orthez den französischen Pokal.

Bei Alba soll er mehr eigene Talente bei den Profis einbauen und eine Mannschaft aufs Parkett schicken, die sich als Team präsentiert und immer das Letzte aus sich herausholt. Herbert möchte „Spieler weiterentwickeln, eine Kultur des Erfolgs kreieren“, Deutscher Meister werden und in der Europaliga die Top16-Runde erreichen. Er kennt die hohe Erwartungshaltung in der Hauptstadt: „Wir müssen gewinnen – in der BBL und in Europa.“ Dafür muss in den nächsten Wochen die Mannschaft zusammengestellt werden. Derrick Allen, den er schon in Frankfurt trainierte, Yassin Idbihi, Lucca Staiger, Heiko Schaffartzik und Sven Schultze werden auf jeden Fall dazugehören. „Ich bin sehr zufrieden mit den fünf Spielern, die schon unter Vertrag stehen. Das ist eine tolle Basis“, freut sich Herbert – und deutet an, dass auch auslaufende Verträge verlängert werden: „Julius Jenkins und Immanuel McElroy waren hier über Jahre hinweg großartige Spieler.“ Dass Pointguard DaShaun Wood, der MVP der vergangenen Saison, mit ihm von Frankfurt nach Berlin wechseln könnte, nennt er ein Gerücht: „Ich habe keine Ahnung, woher es kommt. Ich gehe davon aus, dass Wood in der nächsten Saison für die Skyliners aufläuft.“ Baldis Kommentar zu dieser Personalie klingt allerdings nicht wie ein knallhartes Dementi: „Zum Thema Wood werde ich etwas sagen, wenn es etwas Konkretes zu sagen gibt.“

Weil einige Klubs in Griechenland und Spanien massive finanzielle Probleme haben und wegen des drohenden Lockouts in der NBA die diesjährige Summerleague ausfällt, kommen in diesem Jahr viele gute Spieler auf den Markt, die Alba sich unter normalen Umständen nicht leisten könnte. Deshalb sind Geduld und gute Nerven gefragt, doch eigentlich soll der Kader zum Trainingsauftakt Anfang August komplett sein. Herbert jedenfalls brennt auf seine neue Aufgabe und will so bald wie möglich nach Berlin kommen. Jetzt, wo Alba und er endlich ein Paar sind.