Basketball

Alba Berlin sucht die Kontinuität

Auch wenn die Hälfte des Kaders noch keine neuen Verträge besitzt: Die Trainer-Frage hat bei Alba Berlin Vorrang. Denn der Vertrag von Coach Katzurin läuft aus, aber er besitzt beste Chancen auf Weiterbeschäftigung.

Foto: picture alliance / Camera4 / picture alliance / Camera4/Camera4

„Alba ist schon wieder nicht Meister“ – stimmt! Wobei der letzte Jahrgang des Berliner Basketballs-Teams auf der Habenseite verbuchen kann, dass er sich bis ins Finale gebissen hat, nachdem er zur Saisonmitte noch völlig verunsichert und hier und da bespöttelt durch die Hallen der nationalen Konkurrenz gezogen war. Sogar ein fünftes Spiel erzwang man gegen Titelverteidiger Bamberg , den Überflieger dieser Spielzeit. Dort fehlte dann 89 Sekunden lang die nötige Fortune , um das Comeback mit dem Titel zu krönen. Als alles auf dem Spiel stand, traf Bamberg und Alba nicht – ganz einfach.

Die Macher des Klubs dürfen sich gutschreiben, dass sie in der Not personell nachjustiert haben, um zu der Stärke, der der Marktführer des deutschen Basketballs verpflichtet ist, zurückzufinden. All das ist auch durch den Jubel der Fans, der selbst im Falle der Meisterschaft kaum üppiger hätte ausfallen können , gewürdigt worden und wird noch mal in „Gentlemen, wir stehen am Abgrund“ von Thomas Pletzinger nachzulesen sein. Der Schriftsteller hat die Mannschaft über Stock und Stein begleitet. Doch die große Frage ist: Wie geht’s weiter?

Alle Planungen hängen davon ab, wer das Team in der kommenden Saison trainieren und – noch viel wichtiger – zuvor zusammenstellen wird. Die Visitenkarte, die Muli Katzurin in den vergangenen Monaten mit dem Neustart abgegeben hat, dürfte aussagekräftig genug sein, ihn die Titeljagd erneut anführen zu lassen. Katzurin hat sich in Berlin als höflicher, eloquenter Mann vorgestellt, aber nur selten in die Karten schauen lassen. Auch nicht bei der Frage, ob er bleiben will .

Außerdem: Wie sieht sein Anforderungsprofil an zu verpflichtende oder zu haltende Spieler aus? Was sollen und dürfen sie kosten? Katzurin bräuchte in jedem Fall Spieler, die damit zurechtkommen, dass bei ihm, wie es Heiko Schaffartzik beschreibt, auch der Balljunge spielt und der Superstar auf der Bank sitzt, wenn es gut läuft . Alba unter Katzurin – im Team ist kein Platz für Diven. Schaffartzik zollt dieser Einstellung des israelischen Coaches allerhöchsten Respekt. Auch die anderen vier, die für die kommende Saison Vertrag haben, Yassin Idbihi, Sven Schultze, Derrick Allen und Lucca Steiger, sind mit dieser Haltung ihres Chefs klar gekommen, wobei letzterer sicherlich gern etwas mehr gespielt hätte. Aber: Diese kostbaren Minuten hätte er Julius Jenkins, Bryce Taylor oder Immanuel McElroy abtrotzen müssen, die allesamt auf seiner Position spielten – eine eher undankbare Aufgabe.

Staiger ist nicht der erste junge deutsche Spieler in Albas Geschichte, der es schwer hat. Sven Schultze arbeitete sich als Youngster in seiner ersten Berliner Zeit von 1998 bis 2002 beispielsweise an einem gewissen Wendell Alexis ab, ohne ihm wirklich Spielzeit abringen zu können, ebenso Stipo Papic.

Ja, die guten alten Zeiten, in denen der „Iceman“, die Henrik Rödls, Mithat Demirels, Jörg Lütckes, Marko Pesics und Teoman Öztürks der Mannschaft über Jahre hinweg ein Gesicht gaben. Idbihi und Schaffartzik sind beide 27 Jahre alt und haben gezeigt, dass ihnen zuzutrauen ist, die ersten Korsettstangen eines zukünftigen Alba-Teams zu sein. Der große Wunsch nach größerer Kontinuität dürfte Albas Führung gerade nach dieser Saison jedenfalls einen. Sicherlich auch in dem Wissen, dass man zuletzt in der Rekrutierung neuer Spieler, anders als beispielsweise in Bamberg, zu oft und zu weit daneben lag.

Wer allerdings die Ära der oben Genannten glorifiziert, lügt sich in die Tasche. Damals, zwei Ausländer pro Team waren erlaubt, standen junge deutsche Spieler unter Artenschutz. Henning Harnisch und Chris Welp kamen aus Leverkusen, „Glücksfall“ Alexis kam, Rödl und ein guter Jahrgang von TusLi-Youngstern waren schon da – fertig war die erste Meisterschaft.

Nun wird der große Fehler, die vorübergehende völlige Öffnung der Liga, in der man auch mit zwölf Russen hätte antreten können, korrigiert. Davon wird Alba profitieren, todsicher. Denn anders als viele andere Klubs haben die Berliner nicht jeden Cent in die erste Mannschaft gesteckt, sondern auch in zwei Hallen investiert und unter der Führung von Henning Harnisch ein einzigartiges Jugendprogramm auf die Beine gestellt.

Da wird eines Tages das Gesetz greifen, dass die Spitze umso ausgeprägter wird, je breiter die Basis ist. Einer aus diesem Programm, Niels Giffey, gewann im April mit Connecticut die US-College-Meisterschaft, Stars „made by Alba“, werden kommen. Zum Anspruch für die Zukunft muss gehören, diese auch zu integrieren.

Mit allem, was planbar ist, Jugendprogramm, Infrastruktur, soziale Netzwerke, ist Alba mehr als im Soll, zudem mit knapp 11.000 Zuschauern mit großem Abstand der Ticket-Krösus Europas. Titel, Jahr für Jahr erklärtes Ziel der Berliner, lassen sich nicht planen. Dabei wird es auch ewig bleiben, zumal die Konkurrenten längst keine Alba-Kopien mehr sind.