Basketball

Alba feiert turbulente Saison ohne Happy End

Ehre, wem Ehre gebührt: Gut 800 Alba-Fans kamen zum Saisonabschluss in den Postbahnhof und feierten den Vizemeister. Doch die sportliche Zukunft des Teams ist ungewiss. Sieben von zwölf Verträgen laufen aus, und der Trainer weilt bereits in Israel.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Der Titelgewinn konnte nach dem 65:72 in Bamberg zwar nicht gefeiert werden, die Stimmung war dennoch meisterlich. Gut 800 Fans waren am Sonntagabend in den Postbahnhof gekommen, um mit dem Basketballteam von Alba Berlin den Saisonabschluss zu genießen. Ein Highlight-Film sorgte für Euphorie, die Spieler wurden interviewt, sie gaben Autogramme und ließen sich gemeinsam mit ihren Anhängern fotografieren. Es gab Sprechchöre für jeden, auch für Trainer Muli Katzurin, der wegen der Hochzeit seiner Tochter bereits am Vormittag nach Israel gereist war . Albaprofis zum Anfassen. Natürlich wurden sie immer wieder nach ihren Gefühlen gefragt, aber auch dafür gelobt, dass sie am Ende der Saison doch noch Großes vollbracht hatten – allerdings ohne Happyend.

Schon Minuten nach der Siegerehrung, als die Spieler in der Kabine saßen und durch die Mauern die Siegesgesänge der Bamberger mit anhören mussten, hatte auch Katzurin versucht, die Spieler aufzubauen. Heiko Schaffartzik konnte das jedoch nicht trösten: „Es ist schwer einzusehen, dass wir doch eine gute Saison gespielt haben. Sicher gab es im Play-off tolle Momente, aber mir reicht das nicht.“ Er wollte den Titel.

Nachbesprechung bei Bier und Bratwurst

„Wir hatten es in der Hand, aber wir haben nicht zugegriffen“, sagte Bryce Taylor. „Wir haben mit Herz gespielt und alles auf dem Feld gelassen.“ Beide Mannschaften hätten eigentlich den Sieg verdient gehabt: „Aber so ist das eben im Sport.“

Es war am Sonntag im Postbahnhof bereits der zweite Teil der gemeinsamen Feierlichkeiten von Team und Fans. Nachdem am späten Sonnabend auf dem Parkplatz vor der Bamberger „Stechert Arena“ in einem Partyzelt Profis und mitgereiste Anhänger bei Bier und Bratwurst die Niederlage hatten sacken lassen. Gegen 1 Uhr setzte sich dann der Mannschaftsbus in Richtung Berlin in Bewegung, wo der Tross gegen 5.30 Uhr ankam.

Während die Berliner unterwegs waren, war in Bamberg, der selbst ernannten „Freak City“, die Hölle los. Die Polizei hatte viele Nebenstraßen abgesperrt, damit ein langer Autokorso hupend über die Hauptstraßen fahren konnte. Die Franken waren im siebten Himmel nach dem vierten Titelgewinn in den vergangenen sieben Jahren. „Jetzt freuen wir uns schon auf die Europaliga“, meinte Baskets-Geschäftsführer Wolfgang Heyder. Bamberg hat sich als Meister direkt für die Beletage des europäischen Basketballs qualifiziert, Alba wird wohl wieder durch die Qualifikation müssen.

700 Berliner Anhänger hatten sich auf den Weg ins Fränkische gemacht, niemals zuvor hatten so viele Alba auswärts unterstützt. „Wenn wir mehr Karten bekommen hätten, wären auch 2000 Leute mitgefahren“, meinte Alba-Geschäftsführer Marco Baldi. „So eine Fankultur hat es bei Alba noch nie gegeben.“ Und das in einer Saison, die mit ihren vielen Rückschlägen „nun wirklich nichts für Schönwetterfans war“.

Das Transferkarussel dreht sich wieder

Und bei den Fans wurde und wird nun heiß diskutiert, wie es weitergehen wird: Wer bleibt? Wer kommt? Vor allem: Wer besetzt künftig die Trainerstelle?

Katzurin selbst hielt sich bedeckt. Baldi sagte klipp und klar: „Die Trainerfrage hat oberste Priorität.“ Schließlich müssen alle weiteren Personalien eben mit dem künftigen Coach abgestimmt sein. Katzurin, der Ende Januar das Team übernommen hatte, habe „das Allerbeste draus gemacht“, er habe der Mannschaft „den Glauben wieder zurückgegeben“. Gemeinsam mit dem Aufsichtsrat werde die sportliche Leitung „relativ schnell überlegen, wie es weiter geht und mit wem“. Baldi ließ durchblicken, dass es sicherlich ein Gespräch mit Katzurin geben wird. Und er ließ keinen Zweifel daran, dass Alba wieder angreifen wird: „Wer Alba kennt, der weiß: Der nächste Anlauf wird kommen.“

Die Verantwortlichen stehen vor schweren Aufgaben. Zum einen möchten sie künftig wieder mehr auf Kontinuität setzen als zuletzt. Dass man damit Großes erreichen kann, demonstriert Bamberg. Andererseits laufen sieben von zwölf Verträgen aus. Nur Heiko Schaffartzik, Yassin Idbihi, Sven Schultze, Lucca Staiger und Derrick Allen sind weiter an Alba gebunden. Von den anderen drängen sich nicht viele auf, weil die meisten in der Saison völlig instabil spielten.

Die Zeit der Spekulationen hat begonnen. Baldi ermüdet das sichtlich. Dass aus dem Fränkischen just vor dem letzten Finale kolportiert wurde, Alba sei am Frankfurter Trainer Gordon Herbert interessiert und der würde dann gleich Spielmacher DaShaun Wood mitbringen, den wertvollsten Spieler der Saison (MVP), hat Baldi mit einem Kopfschütteln zur Kenntnis genommen. Der Name Svetislav Pesic taucht natürlich auch aus der Gerüchteküche auf. Der Meistertrainer, der einst so erfolgreich bei Alba arbeitete und zuletzt in Valencia unter Vertrag stand, sagt nur: „Ich habe mich noch nicht entschieden, was ich künftig machen werde.“ Er habe Angebote vorliegen, „aber ich werde mir noch Zeit lassen.“ Ende der Durchsage.

Oft ist auch der Name Robin Benzing zu hören. Der talentierte Nationalspieler, der Ulm verlassen und in den nächsten Tagen beim NBA-Draft dabei sein wird, muss den nächsten Schritt bei einer (deutschen) Spitzenmannschaft machen, bei der er auch international spielen kann. In Bamberg, so Geschäftsführer Wolfgang Heyder, sei Benzing kein Thema. Blieben wohl Alba und Bayern München.

Zumindest Energiebündel Bryce Taylor, dessen Vertrag bei Alba ebenfalls ausläuft, hat sich klar positioniert: „Ich bin dankbar, dass ich hier dabei sein durfte – und würde gern bei Alba bleiben.“