Basketball-Bundesliga

Alba steht im Finale um die Meisterschaft

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Im fünften und entscheidenden Halbfinal-Spiel hat Alba die Nerven behalten und gegen Frankfurt souverän mit 87:68 gewonnen. Im Finale trifft das Team von Trainer Muli Katzurin auf die Brose Baskets Bamberg.

„Finale!“ Die 200 mitgereisten Fans von Alba Berlin skandierten es voller Inbrunst. Die Spieler herzten sich. Geschafft! Durch ein 87:68 (45:36) im fünften und entscheidenden Spiel in der Halbfinalserie (Best of five) bei den Skyliners Frankfurt haben die Berliner Basketballer das Finale gegen die Brose Baskets Bamberg erreicht.

„Jeder hat für jeden gekämpft“, jubelte Bryce Taylor nach einer starken Berliner Leistung. Wenige schwache Phasen wurden vor allem mit unbändiger Kampfkraft überbrückt. Und Alba schrieb auch noch ganz nebenbei Bundesliga-Geschichte: Bis gestern gab es in der BBL noch nie eine Best-of-five-Serie mit fünf Auswärtssiegen. Gegen die Skyliners hatte Alba zu Hause zweimal verloren und machte gestern in Frankfurt mit dem dritten Auswärtssieg den Einzug ins Endspiel klar.

„Es war ein Sieg der Konzentration und das war das Wichtigste“, atmete Geschäftsführer Marco Baldi sichtlich erleichtert durch. „Wir wussten, dass Frankfurt immer wieder zurückkommen würde und genau das ist auch passiert. Aber unsere Mannschaft hat das dieses Mal sehr gut gemeistert.“

Die Finalserie beginnt kommenden Sonntag in Bamberg (15.45 Uhr), daheim tritt Alba am Mittwoch, 8. Juni, um 19 Uhr an, es folgt Spiel drei in Bamberg am Sonnabend, 11. Juni. Eventuell notwendige weitere Spiele sind für den 14. Juni (Dienstag) in Berlin und den 18. Juni (Sonnabend) in Bamberg geplant. Alle Partien sind live bei Sport1 zu sehen.

Nur nicht wieder einen solch furchtbaren Start hinlegen wie vier Tage zuvor in Berlin, als man mit 0:16 in das vierte Spiel gestartet war, das hatten sich die Alba-Profis ganz fest vorgenommen. Und sie waren von Beginn an voll konzentriert. Frankfurts Trainer Gordon Herbert nahm bereits nach fünf Minuten schimpfend eine Auszeit. Zu diesem Zeitpunkt stand es 16:5 für Berlin. Diesmal waren die Frankfurter anfangs nicht im Bilde. Derrick Allen, Miroslav Raduljica und Yassin Idbihi nutzten immer wieder Lücken unter dem Skyliners-Korb, Immanuel McElroy traf mit Dreiern.

Alba in Nahdistanz überlegen

Die 13-Punkte-Führung nach dem ersten Viertel (26:13) baute Alba weiter aus. Wobei die Frankfurter in einigen Situationen sehr nervös wirkten, sie vergaben einige leichte Chancen. Sollte der Heimvorteil erneut hemmen? Überhaupt die Nerven: Beide Teams zeigten sich sehr unsicher bei Freiwürfen. Berlin blieb am Drücker, nach 15 Minuten hatte Allen die höchste Führung erzielt (40:22). Da fiel es noch nicht ins Gewicht, dass kurz zuvor sowohl Raduljica als auch Julius Jenkins schon ihr drittes Foul kassiert hatten. DaShaun Wood, Frankfurts großartigen Spielmacher, hatten die Berliner recht gut im Griff.

Aber fast hatte man es schon erwartet: Wieder leistete sich Alba ein paar Minuten, in denen kaum etwas ging. In der Defense nachlässig, im Angriff zu hektisch und mit falschen Entscheidungen – als Strafe dafür gab es eine 2:11-Serie. Was unbedingt verhindert werden sollte, war passiert: Frankfurt war wieder aufgebaut und in Reichweite. Bei einer Führung von nur noch neun Punkten (45:36) der Berliner war nach 20 Minuten noch alles offen.

Würde Alba wieder auf den richtigen Weg zurückfinden?

Es war nichts für schlechte Nerven. Die Achterbahn der Gefühle, die Alba schon die gesamte Saison fährt, nahm noch einmal Geschwindigkeit auf. Viertes Foul von Raduljica, dann Berliner Unsicherheit und Frankfurter Stärke. Nur noch vier Punkte Vorsprung (50:46/25.), danach wieder Alba – angeführt vom starken Heiko Schaffartzik – obenauf.: Allen, Idbibi und Sven Schultze mit zwei tollen Dreiern (einer mit der Schlusssirene des dritten Viertels) ließen Albas Führung zehn Minuten vor Schluss wieder auf 17 Zähler (65:48) anwachsen.

Schultze schockt mit drei Dreiern

Schultze mit Dreier erhöhte auf 68:50. Sieben Minuten vor Ende hieß es 70:53. Es war klar: Frankfurt würde nicht aufgeben. Wie ein Nackenschlag war für sie dann der Dreier von Schaffartik – 73:53/34., das musste es doch sein. Idbihi und Bryce Taylor legten nach zum 79:53. Der Rest war nur noch ein Schaulaufen.

Yassin Idbihi glänzte mit 16 Punkten und neun Rebounds, Derrick Allen kam auf 15 Punkte , Julius Jenkins auf 11 und Heiko Schaffartzik auf 10.

Bei den Frankfurtern war Quantez Robertson mit 20 Punkten erfolgreichster Werfer, den MVP der Liga, DeShaun Wood (9) hatte Albas Verteidigung weitestgehend neutralisiert. Trotzdem feierten auch die Frankfurter Fans – sie verabschiedeten Routinier Pascal, der nach zwölf Jahren bei Frankfurt seine Karriere beendete. Dem 34-jährigen ehemaligen Nationalspieler blieb nur noch gerührt und mit Tränen in den Augen festzustellen: „Wir haben noch mal alles gegeben.“ Und trotz aller Enttäuschung sei es „schön gewesen, die Karriere zu Hause zu beenden.“

Jetzt ist Alba also doch bis zum Ende dabei, in der Finalserie. Nach dem Berliner Play-off-Motto „Das Beste zum Schluss“ ist es nach dem letzten Meistertitel, am 17. Juni 2008 unter Trainer Luka Pavicevic errungen, die erste Endspielteilnahme des Berliner Teams. Womit in dieser turbulenten Saison mit zahlreichen Personalrochaden (zwei Spieler gingen, einer freiwillig, einer musste den Klub verlassen, drei Neue kamen), gipfelnd im Trainerwechsel, lange nicht zu rechnen war. Im Finale haben die Berliner nun auch die große Chance, sich richtig für die Schmach zu revanchieren, die höchste Niederlage in der Vereinsgeschichte, erlitten am 18. Dezember 2010 mit 52:103 eben in Bamberg.

Noch mindestens einmal wird Alba in der wohl dann ausverkauften O2 World auftreten. Dort, wo trotz der vielen Rückschläge in dieser Saison bisher schon im Schnitt gut 500 Zuschauer mehr zu den Spielen kamen als die 10207 im Vorjahr. Für die Fans steht das Finalmotto schon lange fest: „Gib Brose keine Chance!“