Halbfinale

Was für und was gegen Albas Sieg spricht

Berlins Basketballer benötigen am Himmelfahrtstag einen Auswärtssieg gegen Frankfurt, sonst ist die Saison vorbei. Morgenpost Online nennt wichtige Punkte, die im entscheidenden Halbfinale ausschlaggebend sein könnten.

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Wie geht man in ein Spiel, an dessen Ende der erste Einzug ins Meisterschafts-Finale seit 2008 oder eine wieder triste Saisonbilanz stehen kann? Hilft Alba am Donnerstag im entscheidenden Halbfinale (19.30 Uhr, Sport1 live) das Wissen, in dieser Saison dreimal in Frankfurt gewonnen zu haben? Oder ist die Erinnerung stärker, gegen die Skyliners mehrmals eingebrochen zu sein und Serien von 5:24 (Spiel 2) oder 0:16 (Spiel 4) geschluckt zu haben? Glaubt man Berlins Center Yassin Idbihi, „ist die Stimmung positiv, fokussiert“. Er denke „nur an das Finale, und allen anderen geht es ebenso“. Weiter zu grübeln, warum man in der Serie nach dem Modus “Best of five“bislang jeweils auswärts in Führung ging, aber zu Hause den Vorteil nicht nutzen konnte, bringe nichts mehr. Jetzt komme das Spiel der Spiele, und es gelte nur noch, die Auswärtsserie gegen Frankfurt fortzusetzen und die Fehler aus den Heimspielen nicht zu wiederholen. Leichter gesagt als getan? Morgenpost Online nennt wichtige Punkte, die ausschlaggebend sein könnten:

DaShaun Wood: Zwar sagt Alba-Geschäftsführer Marco Baldi: „Frankfurt ist nicht nur Wood.“ Aber zweifellos ist der Frankfurter Spielmacher, in dieser Saison zum MVP (wertvollster Spieler) der Liga gewählt, der überragende Mann dieser Serie. „Ihm kann man nur mit guter Team-Verteidigung beikommen“, erklärt Heiko Schaffartzik. Alle müssen sich aufopfern, ihn zu stoppen. Beim Sieg der Berliner im dritten Spiel gelang Alba das nahezu perfekt. Zuletzt, als Wood in der O2 World 30 Punkte erzielte, war Alba gegen den 25-jährigen US-Amerikaner überfordert.

Bank: Alba ist zweifellos breiter aufgestellt, die Bank „tiefer“ besetzt. Ein Vorteil, der aber nur zum Tragen kommt, wenn alle eine starke Leistung bringen. Doch sehr oft fielen einige Spieler ab, was mal mehr, mal weniger von anderen kompensiert wurde. Schafft es Trainer Muli Katzurin, dass alle im entscheidenden Spiel voll da sind, dürfte es für Frankfurt schwierig werden. Einige Leistungsträger der Hessen müssen in jedem Spiel weit über 30 Minuten spielen, da die Alternativen nicht so zahlreich sind. Im vierten Spiel in Berlin stand beispielsweise Quantez Robertson 39:02 von 40 möglichen Minuten auf dem Parkett. Bei Berlin sind die Einsatzzeiten breiter verteilt. Je länger die Serie geht, desto leerer werden die Energiespeicher der „Dauerbrenner“.

Kraft: Alle Mannschaften haben auf der Zielgerade der Saison viel hinter sich. Inklusive der Partien auf europäischer Ebene hat Alba 61 Pflichtspiele absolviert. Allein in Europa waren es 18, Frankfurt hatte deren nur acht. Am Ende könnte mit entscheidend sein, dass Frankfurt nicht so viel Energie im Viertelfinale verbraucht hat. Während das Team von Trainer Gordon Herbert mit 3:0 Siegen gegen Göttingen rasch das Halbfinale erreichte, quälte sich Berlin zu einem 3:2 gegen Oldenburg. Entsprechend kürzer war die Pause bis zur Serie gegen Frankfurt. Sind die Skyliners deshalb jetzt frischer?

Psyche: Geschäftsführer Baldi ist sich sicher: „Jetzt geht es um die Birne, taktisch ist alles ausgereizt.“ Es muss sich also zeigen, wer mental stärker ist. Doch wer ist psychologisch im Vorteil? Die Frankfurter, weil sie zuletzt gewonnen haben? Die Berliner, weil sie auswärts nicht so unter Druck stehen? „Es sieht so aus, als wären die Teams auswärts entspannter“, sagt Baldi. Doch der Druck dürfte für beide Teams gleich groß sein. Wobei sich Alba deshalb im Vorteil sieht. Denn Baldi sagt: „Ich glaube, das Team braucht Druck.“

Heimvorteil: Heimnachteil wäre wohl treffender. Tatsache ist, dass es in der Serie zwischen Frankfurt und Alba keinem Klub gelungen ist, eines seiner Heimspiele zu gewinnen. Es gibt jede Menge Theorien, die der Sache auf den Grund gehen wollen. „Vielleicht fühlt man sich in eigener Halle zu sicher“, mutmaßt Taylor Rochestie. Die Frankfurter waren einmal an einer ähnlichen Serie beteiligt. Im Finale 2003/2004 verloren sie zwei Heimpartien gegen Bamberg, die Franken unterlagen ihrerseits zweimal daheim gegen die Hessen. Es kam – wie auch diesmal – zum Showdown in der Frankfurter Ballsporthalle. Damals siegten dann die Skyliners und wurden Deutscher Meister. Gewinnt am Donnerstag Alba, gäbe es ein Novum: Noch nie hat ein Bundesliga-Team im Play-off nach dem Modus „Best of five“ drei Auswärtsspiele gewonnen. Serien sind dazu da, um beendet zu werden.