Basketball

Alba zermürbt Frankfurt mit seiner Defense

Im Play-off ist die Defensive das Ausschlaggebende und entscheidet das Spiel, sagt Femerling und hat recht. Albas Stärke liegt in seiner Ausgeglichenheit – und einer Verteidigung, die Frankfurt zermürbt. Das bessere Team liegt vorn.

Foto: dpa / dpa/DPA

Die Statistik eines Basketballspiels sagt manchmal viel aus über den Ausgang einer Partie. Wenn Dirk Nowitzki in der NBA für seine Dallas Mavericks oder LeBron James für seine Miami Heat mal wieder über 40 Punkte und ein Dutzend Rebounds erzielt haben, werden sie, meist zu Recht, als Superstars gefeiert. Weil solche Leistungen ja häufig mit Siegen ihrer Teams einhergehen. Manchmal, wie nach dem 68:52 Alba Berlins im dritten Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft über die Frankfurt Skyliners, kann der Betrachter aber auch ratlos werden beim Studium des Zahlensalats.

Julius Jenkins ist in den vergangenen Jahren Albas bester Offensivspieler gewesen; am Mittwoch in Frankfurt gelangen ihm nur acht Punkte. Derrick Allen, in dieser Saison sicherster Berliner Schütze, verharrte bei vier. Immanuel McElroy (7) gelang im Angriff ebenfalls wenig. Bryce Taylor? Nun ja – weit mehr Fehlversuche als Treffer, fünf Punkte. Taylor Rochestie (5) ist im Play-off nur noch ein Schatten seiner ersten Wochen bei Alba. Center Miroslav Raduljica hatte mehr Ballverluste und Fouls als Punkte (2). Nur der erneut glänzend aufgelegte Yassin Idbihi (14) und Tadija Dragicevic (10) ragten aus der grauen Masse heraus.

Schaffartzik quält DaShaun Wood

Warum hat Alba Berlin dann so klar in Frankfurt gewonnen? „Wir sind nicht so abhängig von einem Spieler“, erklärt Teammanager Mithat Demirel, „unser Vorteil ist unsere Ausgeglichenheit. Unsere Bank ist tiefer besetzt.“ Die kam in Frankfurt zum Zuge – weniger, um zu treffen, sondern vor allem, um das Treffen des Gegners mit nie nachlassender Intensität zu verhindern. Heiko Schaffartzik quälte mit seiner giftigen Verteidigung Skyliners-Star DaShaun Wood fast in die Bedeutungslosigkeit. Lucca Staiger arbeitete in der ersten Halbzeit so verbissen für seine Mannschaft, dass er von Trainer Muli Katzurin damit belohnt wurde, in der zweiten Hälfte Bryce Taylors Platz in der Startformation zu übernehmen. Jeder Berliner half dem anderen, wenn einmal ein direktes Duell verloren war. Frankfurt konnte kaum einen Angriff wie geplant zu Ende spielen, immer war ein Alba-Spieler oder wenigstens eine -Hand dazwischen.

„Wir haben keinen Zentimeter freiwillig aufgegeben“, lobte Demirel. So muss auftreten, wer im Play-off erfolgreich sein will. „Sie hatten höchstens drei, vier offene Würfe im gesamten Spiel – das zermürbt natürlich“, sagte der nicht eingesetzte Alba-Kapitän Patrick Femerling, der aber von der Bank aus alles sehr gut beobachten konnte. Frankfurts Wurfquote lag bei jämmerlichen 25 Prozent, die Berliner verwandelten 48 Prozent ihrer Schüsse. Und diesmal hielt die Konzentration über 40 Minuten, nicht wie noch beim zweiten Aufeinandertreffen drei Tage zuvor in Berlin nur für 30. Das hatte Alba den Sieg gekostet und viel Häme gebracht. „Die Jungs haben die richtige Reaktion gezeigt“, sagte Femerling, „im Play-off ist die Defensive das Ausschlaggebende und entscheidet das Spiel.“

Starker Staiger auch ohne Dreier

Und die Zahlen? Die Statistik? Darin schlägt sich gute Verteidigung kaum nieder. Das, sagt Schaffartzik, sei völlig egal. Basketball ist keine Mathematik, sondern eher ein bisschen Philosophie. „Allen ging es um den Sieg, alle hatten Spaß.“ Das passt jetzt doppelt: Was seine Mannschaft auszeichne, sei, dass man sie nicht ausrechnen könne. „Wir haben so viele Leute bei uns, die 20 Punkte machen können. Aber eben auch viele, die gern die Punkte teilen.“

Er ist eigentlich ein Schütze, aber momentan spielt er lieber einen guten Pass. Lucca Staiger ist noch so einer, eigentlich Experte für Distanzschüsse. In Frankfurt verteidigte er wie der Teufel, aber versuchte keinen einzigen Dreier. Im Moment interessiert sowieso nur eine Statistik: Im Play-off-Halbfinale führt Alba Berlin nach drei Spielen gegen die Frankfurt Skyliners 2:1. Am Sonntag (18 Uhr, O2 World) wollen die Berliner die erste Zahl leicht erhöhen.