Basketball

Alba Berlin löst Vertrag mit Bajramovic auf

Alba Berlin und Kenan Bajramovic gehen wieder getrennte Wege. Wie der Berliner Basketball-Klub am Mittwoch mitteilte, sei der Vertrag einvernehmlich aufgelöst worden. Bajramovics Verpflichtung war im Sommer als großer Coup gefeiert worden, dann aber hatte der Bosnier Eingewöhnungsschwierigkeiten. Zuletzt hatte er jedoch das Spiel gegen die Artland Dragons zugunsten Albas gedreht.

Foto: Bongarts/Getty Images / Bongarts/Getty Images/Getty

Am Mittwochnachmittag saß Kenan Bajramovic noch einmal mit seinen Mannschaftskollegen von Alba Berlin im Flugzeug, das sie nach dem 79:93 im Eurocup bei Galatasaray Istanbul aus der türkischen Metropole nach Berlin-Tegel zurückbrachte. Es war die letzte Dienstreise des 28-Jährigen mit dem Berliner Basketballteam, mit seinen, wie man jetzt sagen muss, ehemaligen Mitspielern.

Denn am Mittwoch sorgte Alba für einen echten Knalleffekt. Der achtmalige Deutsche Meister meldete die Auflösung des Vertrages mit Bajramovic - und gab auch gleich dessen Nachfolger bekannt: Es ist der slowenische Nationalspieler Jurica Golemac (32), der zuletzt beim Europaliga-Champion Panathinaikos Athen unter Vertrag stand.

"Es war ein langer Kampf, um ihn zu integrieren", sagt Alba-Coach Luka Pavicevic. Und er muss zugeben, dass der Verein nach mehr als drei Monaten die Hoffnung aufgegeben hatte, dass man vom Bosnier noch jemals das bekommen würde, was man von ihm erwartet hatte. Albas Geschäftsführer Marco Baldi beschreibt es so: "Seinem Willen war ein Limit gesetzt."

Die Entscheidung bringt Unruhe ins Team

Offenbar war Bajramovic, dessen unbestritten gute basketballerische Fähigkeiten nur ab und zu sichtbar wurden, nicht bereit, alles für seinen Klub zu geben. "Er wollte sich einfach nicht hundertprozentig auf die Situation hier einlassen", sagt Baldi. Der Klub war weder mit seiner sportlichen Leistung auf dem Parkett zufrieden noch mit seiner Einstellung insgesamt.

"Natürlich war es eine schwierige Entscheidung", fügt der Trainer hinzu. Denn er weiß ganz genau, dass es nun wieder Unruhe gibt in der Mannschaft, wieder ein Neuer integriert werden muss, also teilweise auch darunter der Trainingsbetrieb leiden wird. Für ihn, der an den Erfolgen gemessen wird, ist das wenig hilfreich.

Dass sich Alba trotzdem für eine Trennung - offiziell "einvernehmlich" - entschied, die sicherlich auch nicht zum Nulltarif zu haben war, zeigt, dass die Situation nicht mehr hinnehmbar, Besserung nicht in Sicht war. "Alternativlos" sei die Entscheidung gewesen, sagt Baldi. Länger warten, ob es beim 2,06 m großen Power Forward irgendwann doch noch "klick" machen würde, konnte und wollte man nicht.

Auf dem Feld wirkte Bajramovic oft desinteressiert, Anfeuerungen und Jubel über gelungene Aktionen der Kollegen von der Bank aus waren ihm fremd. Gleich zu Beginn seines Engagements hatte er in Interviews sinngemäß erklärt, dass es ihm einzig und allein darum gehe, möglichst viel Geld zu verdienen, wo, das sei eigentlich ziemlich egal.

Für einen Profi legitim. Niemand erwartet, dass ein Zugang treuherzig erzählt, schon als kleiner Junge habe er davon geträumt, in Berlin spielen zu dürfen. Doch Bajramovics Aussagen waren schon speziell. "Er hatte seine eigene Agenda", erklärt der Geschäftsführer. Bei den hohen Ambitionen, die Alba habe, sei ein solcher Spieler eben fehl am Platze. Als Gegenbeispiel kann wohl der US-Amerikaner Derrick Byars gelten, der vor sechs Wochen kam und sich - sportlich und menschlich - immer besser in die Mannschaft einfügt.

Zweifel an Albas Transferpolitik kommt auf

Allerdings kommen spätestens mit der Personalie Bajramovic auch Zweifel an Albas Transferpolitik auf. Lediglich zwei Spieler waren im Sommer 2009 neu verpflichtet worden. Der US-Amerikaner Lee Cummard erwies sich dabei als vollkommener Flop, von ihm trennte man sich bereits Mitte September vor dem ersten Pflichtspiel. Auch das kostete Geld. Jetzt also Kenan Bajramovic, bei dem sich die Verantwortlichen sicher waren, einen Volltreffer gelandet zu haben.

Schon in der Saison 2007/2008 lag Alba nicht glücklich, als schon kurz nach Saisonbeginn Center Michael Bradley wieder verschwunden war, später gab es auch noch die Trennung vom undisziplinierten Dijon Thompson. Zur Erinnerung: Dennoch wurde Alba Meister.

Als der Tross von Alba am Mittwoch noch in der Luft war, landete um die Mittagszeit Golemac bereits in Berlin. am Donnerstagvormittag stehen erst die obligatorischen medizinischen Tests auf dem Programm, danach soll er mit einem Teil der Mannschaft unter Pavicevic ein erstes Training absolvieren.

"Wir sind froh, dass wir ihn verpflichten konnten", meint Baldi, der den Slowenen, EM-Teilnehmer 2009, als "sehr spielintelligent" bezeichnet. Baldi ist hoffnungsfroh: "Er dürfte keine Probleme bei uns haben." Noch einmal beim Personal danebenzuliegen, kann sich Alba auch nicht leisten.

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