Basketball

Alba erkämpft sich gegen Frankfurt ein Happyend

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Theo Breiding

Zuerst grub sich Alba im Spiel gegen Frankfurt zu Hause selbst ein tiefes Loch. Doch die Berliner kämpften sich da vor 11.104 Zuschauern auch wieder raus. Mit einem Sieg lösten sie schließlich die Skyliners als Tabellenzweiten ab.

Natürlich ist es ein Spitzenspiel, wenn der Tabellenzweite beim -dritten zu Gast ist. Wenn aber die Skyliners aus Frankfurt zu Alba Berlin in die O2 World kommen, ist es angesichts der vielen Duelle, die sich beide Klubs schon geliefert haben, weit mehr. Besonders nach dem aus Berliner Sicht bitteren Ende der vergangenen Saison, als man gegen das Team vom Main schon im Viertelfinale aus dem Rennen um die deutsche Basketball-Meisterschaft flog. Das Aufeinandertreffen am Sonntag hat die Geschichte dieses Klassikers bereichert. Aussichtloser Rückstand, großer Kampf und Happyend für die Gastgeber: Alba rang Frankfurt 81:77 (35:44) nieder und verdrängte die Gäste vom zweiten BBL-Tabellenplatz.

Alba-Coach Luka Pavicevic war angesichts des vergangenen Play-off „ohne Revanchegelüste“ in das Spiel gegangen, aber schon mit großem Respekt vor Frankfurts „selbstbewusstem und erfolgreichem Basketball, der für unsere eigenen Ambitionen in dieser Saison eine ernsthafte Bedrohung darstellt“. Wovon er sich dann auch bald überzeugen durfte. Denn beide Teams waren als die defensivstärksten der Liga aufgelaufen. Alba hatte in der Bundesliga bislang ganze 65,4 gegnerische Punkte pro Spiel zugelassen, die Skyliners mit 66,2 nur unwesentlich mehr. Zum Unmut der stattlichen Kulisse von 11.104 Zuschauern wurden anfangs nur die Gäste ihrem Ruf gerecht, gestatteten den Berlinern im ersten Viertel 15 Punkte. Von Albas Verteidigungskünsten war nichts zu sehen. 28 Punkte durften die Skyliners in den ersten zehn Minuten machen. Sie trafen 80 Prozent ihrer Distanzwürfe (Alba: 14), viel schlimmer noch: Die Berliner verloren das Rebound-Duell 1:11, eine Katastrophe. Albas Fehlstart war perfekt.

Coach Pavicevic konnte die Viertelpause kaum erwarten, wissend, dass es dringend neuer Anweisungen bedurfte. Was immer der Trainer sagte, das Spiel seiner Mannschaft besserte sich, das Jeder-Wurf-ein-Treffer-Spiel der Gäste wurde erfolgreicher unterbunden. Vor allem Derrick Allen, letzte Saison noch in Frankfurter Diensten, jetzt aber „100 Prozent Alba“ und auch Julius Jenkins brachten die Berliner Korb für Korb heran. Den Jenkins-Dreier zum 35:39 beantworten dann allerdings Quantez Robertson und DeShaun Wood – 35:44 zur Halbzeit. Noch immer litten die Statistikwerte unter dem Start, aber Alba hatte im zweiten Viertel nur noch 16 Punkte zugelassen, was schon eher der besten Defensivmannschaft der Liga würdig ist, und dann selbst noch 20 erzielt – die Fans waren halbwegs versöhnt.

„Wir mussten erst in das Spiel hineinfinden, haben uns dann aber reingekämpft“, fand Hollis Price. Geschäftsführer Marco Baldi war erleichtert, dass sein Team „ruhig und konzentriert geblieben ist und am Ende dafür belohnt wurde.“ Frankfurts Trainer Gordon Herbert war mit dem Wissen nach Berlin gekommen, dass man bei Alba immer sehe, wo man steht – aber ohne zwei seiner Leistungsträger. AJ Moye hatte vor gut zehn Tagen bei einem Trainingsunfall einen Schlaganfall erlitten. Roger Powell fehlte wegen eines Kreuzbandanrisses. Herbert sah, dass sich sein Team auch ohne die beiden weiter erstklassig verkaufte, die Berliner den Rückstand aber verkürzten. Trotz seines überragenden DeShaun Wood, der nicht nur mit 32 Punkten Topscorer der Partie war, sondern wegen seiner aufreizenden und provokanten Gesten das Zeug zum Edelfeindbild der Berliner Fans hat. Nach 30 Minuten lag Alba 57:60 zurück.

Berlins Spielmacher Price hatte einen guten Ruf zu verteidigen, als er nach 34:38 Minuten an die Freiwurflinie trat, denn er hatte von dort in dieser Saison noch keinen Wurf vergeben. Dabei blieb es auch, Price glich zum 69:69 (35.) aus. Alles war für eine spannende Schlussphase gerichtet. Einem Showdown, in dem Bryce Taylor, der als letzte Verpflichtung des Sommers zuerst nur mit einem Vertrag bis Ende Oktober ausgestattet war, zum überragenden Mann wurde. Er reboundete, er passte, blockte die gegnerischen Würfe und machte acht wichtige Punkte. „Intensität in unser Spiel zu bringen, ist mein Job“, blieb der sprunggewaltige Guard bescheiden. „Es war nicht leicht, aus dem Loch, in das wir uns zum Start gegraben hatten, wieder herauszukommen.“ Berlins Topscorer war Allen mit 17 Punkten, ihm folgten Jenkins mit 14, Price (13) und Tadija Dragicevic (12).