Aufwärtstrend

Niederlage gegen Bamberg macht Alba trotzdem Mut

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Sebastian Arlt und Jörg Rößner
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Alba verliert gegen Bamberg

Alba Berlin betont nach der knappen Niederlage im Spitzenspiel gegen Brose Bamberg die positiven Aspekte: Die Entwicklung schreitet voran. Die Spieler Julius Jenkins und Tadija Dragicevic kommentieren im Fantalk die Partie.

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Vor einem Jahr hätte die 93:97-Heimpleite gegen Bamberg bei den Berlinern für Diskussionen gesorgt. Immerhin verspielten sie eine 16-Punkte-Führung. In dieser Saison macht sie den Albatrossen dagegen Hoffnung.

Sie wollten ihre Helden unbedingt noch einmal sehen. Die mehr als tausend, zumeist rot gewandeten Fans der Brose Baskets Bamberg machten so lange Krach, bis die Bamberger Basketball-Profis lange nach Spielende noch einmal zurück aufs Parkett kamen und sich feiern ließen. Außer Rand und Band waren die tanzenden Anhänger und Spieler. Was zeigte, wie wichtig dem amtierenden Meister und Pokalsieger das 97:93 (43:44) beim großen Rivalen Alba Berlin war. Bambergs Trainer Chris Fleming bemühte sich jedoch gleich, den Erfolg einzuordnen. „Das hat keine Bedeutung, im Play-off haben wir eine ganz andere Situation.“

Zumindest demonstrierte seine Mannschaft, warum sie in dieser Saison unangefochten auf dem ersten Tabellenplatz steht. Fünf Partien stehen in der Punkterunde noch aus, bevor in fünf Wochen das Play-off beginnt. Bamberg hat Rang eins sicher, in 29 Spielen haben die Baskets nur zweimal verloren. In Berlin drohte vor 14.500 Zuschauern in der ausverkauften O2 World allerdings Niederlage Nummer drei. Alba, wieder erstarkt, erwies sich als fast ebenbürtiger Gegner. „Wir haben die beiden derzeit besten Teams in Deutschland gesehen“, meinte Fleming. Zuletzt hatten die Berliner in der Bundesliga sechsmal in Folge gewonnen, waren von Spiel zu Spiel stärker geworden. „Aber noch nicht stark genug, um Bamberg zu schlagen“, wie Nationalspieler Yassin Idbihi feststellte.

Wobei die Betonung auf „noch“ lag. Zwar ist Alba momentan Tabellenvierter, trotz der Niederlage in einem hochklassigen Spiel freute sich Geschäftsführer Marco Baldi aber: „Wir sind wieder da.“ Das Spiel wurde als Bestätigung gesehen, „dass wir auf dem richtigen Weg sind“, wie es Teammanager Mithat Demirel ausdrückte. Er fügte hinzu: „Man muss sehen, woher wir kommen.“ Einen Trainerwechsel und etliche Spieler-Rochaden hat Alba in dieser Saison bereits hinter sich.

„Nicht wenige haben schon gedacht, das Abendland geht unter“, sagte Baldi. Sollte heißen: Sie hatten für die Saison 2010/11 nichts mehr auf die Berliner Mannschaft gegeben. Nun hoffen nach dem starken Auftritt gegen Bamberg alle, dass das Team weiter steigerungsfähig ist. „Wir werden den Höhepunkt im Play-off erreichen“, versprach Idbihi.

„Es war eine gute Lektion für uns“, bilanzierte Alba-Trainer Muli Katzurin, „wir haben gesehen, was wir noch besser machen müssen.“ Nach einer 16-Punkte-Führung (38:22/14. Minute) „haben wir uns zu schnell zufrieden gegeben“, bemängelte der Coach. „Da hat uns der Killer-Instinkt gefehlt, weiter aufs Gaspedal zu drücken und die Führung noch weiter auszubauen“, meinte Idbihi. Fraglich, ob die Bamberger dann noch einmal zurückgekommen wären. So drehten sie das Spiel, angeführt vom überragenden Predrag Suput, der 34 Punkte erzielte.

„Ich bin nicht traurig“, meinte Baldi trotzdem. „Denn das einzig Wichtige ist, dass wir weiter unsere Leistung stabilisieren.“ Man habe gesehen, dass die Mannschaft mittlerweile „mit Bamberg auf einem Niveau steht“.

Fast vergessen schien da das 52:103-Debakel exakt 98 Tage zuvor in Bamberg, das bei Alba das große Beben ausgelöst hatte. „Das war ein einmaliger Ausrutscher, das haben wir jetzt deutlich bewiesen“, sagte Flügelspieler Sven Schultze.

Es ist schon eine komische Situation: Die Niederlage gegen die Franken machte Alba Mut: Kapitän Julius Jenkins, mit 24 Punkten bester Berliner Werfer, durfte man damit allerdings nicht kommen. „Hey, wir haben verloren, daran ist nichts gut“, meinte der US-Amerikaner angesäuert. Er sei nun schon wieder – wie bei ihm nicht anders zu erwarten – auf das nächste Spiel fokussiert. Am übernächsten Donnerstag (7. April) müssen die Berliner bei den Artland Dragons antreten, die punktgleich mit Alba auf Rang drei liegen.

Katzurin hat die Partie in Quakenbrück zum „wichtigsten Spiel“ vor dem Play-off-Start ausgerufen. Nicht nur, weil man mit einem Sieg dem dritten Platz in der Endabrechnung einen großen Schritt näherkommen würde. Baldi fragte sich: „Wie entwickeln wir uns weiter?“ Diese Frage werde in Quakenbrück beantwortet. Es müsse kontinuierlich am Fundament gearbeitet werden, das dann im Play-off „aus Beton“ sein müsse. Um im Zweifelsfall eben in einigen Wochen auch die Bamberger besiegen und in einer Best-of-five-Serie sogar ausschalten zu können.

Denn eines ist für Baldi völlig klar: „Für Rückschritte ist jetzt keine Zeit mehr.“