Basketball

Warum Alba wieder an der Europaliga scheiterte

Aus gegen Charleroi: Berlins Basketballer verpassen erneut die Europaliga. Jetzt müssen sie im zweitklassigen Eurocup spielen.

Die Blicke der Basketballprofis von Alba Berlin waren leer, als sie auf ihrer Ehrenrunde mit den Fans abklatschten. Nicht wenige der Anhänger hatten feuchte Augen. Als einer der ersten fand Julius Jenkins die Sprache wieder: „Wir sind tief enttäuscht“, sagte er. Das große Ziel, über die Qualifikation doch noch die Europaliga zu erreichen, wurde verpasst.

Ein 70:70 (34:29) gegen Spirou Charleroi reichte gestern in der O2 World nicht, nachdem die Belgier das Hinspiel 81:77 gewonnen hatten. Für die Berliner heißt es nun wie im Vorjahr: Eurocup statt Europaliga. Am Donnerstag werden die Gruppengegner ausgelost.

„Wir hätten heute keine Superhelden sein müssen, um den großen Schritt zu machen“, meinte Cheftrainer Luka Pavicevic. „Doch wir haben Charleroi die Chance gegeben, das Spiel im dritten Viertel an sich zu reißen.“ Vor allem in Abschnitt drei zeigte Alba eine indiskutable Leistung, es fehlte die notwendige Qualität. „Wir waren ein paar Minuten unaufmerksam – und schon war das Spiel weg“, bilanzierte Kapitän Patrick Femerling traurig. Am Ende holten die Berliner zwar noch einen Elf-Punkte-Rückstand auf, aber das Aufbäumen kam zu spät.

So wiederholte sich Geschichte. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr, am 11. Oktober 2009, hatte Alba ebenfalls nur ein Schritt zur Europaliga gefehlt. Damals hatten die Berliner gegen Maroussi Athen einen Neun-Punkte-Rückstand (70:79) aus dem Hinspiel in eigener Halle aufzuholen, das 75:70 reichte nicht. Diesmal war das dritte Unentschieden in der Klubgeschichte zu wenig.

11.840 enttäuschte Fans

Die 11.840 Fans sahen von Beginn an zwei Mannschaften, denen die Nervosität deutlich anzumerken war. Schließlich ging es um sehr viel. Aber mit der Zeit wurden die Berliner (ohne den wegen einer Adduktorenzerrung fehlenden Sven Schultze) sicherer, in der Defensive wurde konsequent zugepackt, in der Offensive klappte es auch besser. Nach 8:14 Minuten, als Yassin Idbihi mit einem Dunking das 15:10 erzielt hatte, lagen die Berliner erstmals in der Gesamtrechnung vorn. Aber die Belgier ließen sich nie aus der Ruhe bringen. Sie konnten es auch verschmerzen, dass Demond Mallet, im Hinspiel mit 26 Punkten ihr Bester, im ganzen Spiel nur zwei Zähler erzielte. Er tat sich gegen die Abwehr der Berliner ebenso schwer wie Alba-Spielmacher Marko Marinovic (vier Punkte) gegen die gute Verteidigung von Spirou.

Beim Wechsel stand es 34:29 für Alba, fünf Zähler vor, das würde reichen. Maximal sieben Punkte (34:27) hatte der Vorsprung von Alba in den ersten 20 Minuten betragen. Jenkins, der seine sämtlichen 13 Punkte vor dem Wechsel erzielte, Derrick Allen (bester Werfer mit 20 Punkten) und der tapfer kämpfende Idbihi hatten für Berlin gepunktet. Idbihi bekam 13 Minuten Spielzeit, auch weil der enttäuschende Tadija Dragijevic schnell Foulprobleme (drittes nach 15 Minuten) hatte. Ein noch längerer Einsatz von Idbihi anstelle von Dragijevic wäre allerdings kein Fehler gewesen.

Die Berliner wirkten fahrig

Die Berliner kamen schlecht aus der Kabine zurück, sie wirkten fahrig. Da war es kein Wunder, dass Alba erstmals nach dem 9:10 in der Anfangsphase wieder zurücklag (38:39/26.?Minute). Kurz danach, bei 41:43, nahm Pavicevic eine Auszeit. Es gab dringend Besprechungsbedarf. Den Berlinern glitt das Spiel aus den Händen. Von Sicherheit war keine Spur mehr, es fehlte die Ruhe, gerade im Angriff rannte sich Alba planlos immer wieder fest. Oder die oft aus schlechter Position genommenen Würfe fanden ihr Ziel nicht.

Weder Hollis Price noch der fehlerhafte Marinovic hatten das Spiel von Alba unter Kontrolle. Zehn Minuten vor Ende stand es 46:52. Das dritte Viertel, geprägt von individuellen und kollektiven Schwächen auf Berliner Seite, war mit 12:23 verloren gegangen. Die Europaliga war bereits zu diesem Zeitpunkt ganz weit entfernt. Die Körpersprache der Alba-Profis ließ in der Viertelpause nichts Gutes ahnen. Glaubten sie wirklich noch an die Wende?

„Das wird ganz, ganz hart“

Als Pavicevic bei 48:54 in der 32. Minute wieder eine Auszeit nahm, war eigentlich schon klar, dass es die Berliner nicht schaffen würden. Zu viele im Kader waren gestern weit von ihrer Normalform entfernt. Die Fans waren enttäuscht, erste Pfiffe kamen auf, als sich die Berliner wieder einmal im Angriff verhaspelten. Ein Price-Dreier wurde zwar enthusiastisch bejubelt, aber dann hieß es sogar 53:64. Unglaublich dann doch noch Albas Aufbäumen zum 70:68. Doch Mallet mit zwei Freiwürfen stellte das Endergebnis her.

Am Ende des langen Weges in Richtung Europaliga blieb nur Frust. „Es ist bitter, dass sich die Mannschaft für die harte Arbeit der vergangenen Wochen nicht belohnt hat“, sagte Teammanager Mithat Demirel. Idbihi sprach davon, dass man „höchstens bis Dienstagvormittag traurig sein“ dürfe. Leichter gesagt als getan. Am Freitag wartet in der Bundesliga Bonn auf die psychisch angeschlagenen Berliner. Femerling war sich bereits sicher: „Das wird ganz, ganz hart.“