Basketball-Bundesliga

Alba Berlin für Revanche gegen Bamberg gerüstet

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Sebastian Arlt

Foto: Bongarts/Getty Images

Im Dezember kassierten die Berliner gegen Bamberg die höchste Niederlage seit 22 Jahren. Doch mittlerweile hat sich das Team von Muli Katzurin stark verbessert - und schickt eine Kampfansage an den Meister.

Sie werden viele sein, sie werden laut sein – und sie werden rote T-Shirts mit einer eindeutigen Botschaft tragen: 103:52. Diese zwei Zahlen werden auf fast jeder Brust bei den etwa 1.000 Bamberger Fans stehen, die am Sonnabend ihre Mannschaft zum Bundesliga-Spitzenspiel bei Alba Berlin in die O2 World (20 Uhr, live bei Sport1 und im Live-Ticker von Morgenpost Online ) begleiten werden. 103:52, dieses magische Ergebnis vom Hinspiel am 18. Dezember 2010, das einerseits die Bamberger heute noch in Verzückung versetzt. Das andererseits bei Alba damals ein Beben ausgelöst hat. Danach war nichts mehr wie vorher. Das Desaster war der Anfang vom Ende der Amtszeit von Trainer Luka Pavicevic, der inzwischen von Muli Katzurin abgelöst wurde; zwei Spieler gingen, drei Neue kamen. Marco Baldi, der Geschäftsführer von Alba, bringt seine Erinnerung auf einen kurzen Nenner: „Das Spiel war aus unserer Sicht unwürdig und hat Spuren hinterlassen.“

Gut drei Monate später kommt es also zur Revanche. Wobei die beiden Trainer davon nichts wissen wollen. „Null Bedeutung“ für sein Team habe das, was vor einem Vierteljahr gewesen sei, behauptet zumindest Bambergs Trainer Chris Fleming. „Das ist doch Geschichte“, sagt Katzurin, „man sollte darüber nicht zu viel nachdenken.“ Für ihn sowieso kein Problem, denn als Alba die höchste Niederlage in der knapp 22-jährigen Klubgeschichte kassierte, stand er noch als Sportdirektor beim israelischen Verband unter Vertrag und dachte nicht im Traum daran, gut fünf Wochen später Alba-Coach zu sein.

Jetzt will Katzurin „zeigen, wie wir uns verbessert haben“. Der 56-Jährige spricht von einem „guten Test für uns“. Wie weit ist Alba inzwischen? Hat das Team die neue, schnellere, aggressivere Spielweise schon verinnerlicht? Wie stabil ist die Mannschaft? Von der individuellen Klasse her, meint Albas Flügelspieler Sven Schultze, seien beide Teams völlig gleichwertig. Aber: „Bamberg ist etwas besser eingespielt, das merkt man.“ Kein Wunder, bei den Franken gab es keine Turbulenzen. Die erfolgreiche Mannschaft, die im vergangenen Jahr Meister und Pokalsieger geworden war, wurde zusammengehalten und durch zwei Spieler sogar noch verstärkt.

Und doch ist der Optimismus groß bei Alba, das am Sonnabend wohl auf die zuletzt angeschlagenen oder erkrankten Julius Jenkins, Taylor Rochestie und Immanuel McElroy zurückgreifen kann. Vor allem der Erfolg beim Zweiten Frankfurt am vergangenen Sonntag hat viel Zuversicht gebracht. „Nach sechs Siegen in der Bundesliga hintereinander sind wir sehr selbstbewusst“, sagt Derrick Allen kämpferisch. Aber niemand sollte vergessen: „Unser Ziel muss es sein, im Play-off unseren besten Basketball zu spielen.“

Die Berliner glauben, vom Spielerischen her sich langsam den Bambergern wieder angenähert zu haben, die in der Tabelle allerdings so weit entfernt wie noch nie von Alba stehen: Bamberg, in dieser Saison die alle überragende Mannschaft, ist Erster mit 52:4 Punkten, Alba Dritter mit 40:16 Zählern.

Ein Stand, der im Trend zu liegen scheint. In den vergangenen sechs Jahren sind die Bamberger dreimal Meister geworden, Alba, zwischen 1997 und 2003 Abonnementsieger, nur einmal (2008). Zwar ist Alba immer noch die in Deutschland bekannteste Basketball-Marke, aber zumindest sportlich ist Bamberg jetzt Branchenführer. Wolfgang Heyder, der Geschäftsführer der Brose Baskets Bamberg, hat mit Freude festgestellt: „Wo wir hinkommen, sind die Hallen voll, wir spüren vermehrt, dass wir das Zugpferd der Liga sind.“

Eine Rolle, die Alba viele Jahre innehatte und teilweise auch noch hat. Noch dürfte der Etat mit knapp sieben Millionen Euro über dem der Bamberger liegen. Zu Albas Heimspielen kommen – wie schon in der vergangenen Saison – im Schnitt mehr als 10.000 Fans in die 14.500 Besucher fassende O2 World, die am Sonnabend ausverkauft sein dürfte. In Bamberg schauen verlässlich 6.800 Anhänger pro Spiel zu, damit ist die „Stechert-Arena“ jedes Mal voll.

Bei der Jugendförderung sind beide top. „Wir haben jeweils das umfassendste und intensivste Jugendprogramm“, sagt Baldi. Die Bamberger kooperieren mit Breitengüßbach, das in der Pro B spielt, Alba hat nach langer Zeit mit Partner TuS Lichterfelde die Jugendarbeit seit einigen Jahren in eigene Hände genommen. Alba II hat gerade den Klassenverbleib in der Pro B geschafft. „Bei Null“, so Baldi, habe man mit dem eigenen Programm angefangen. Dass Alba – wie früher – kontinuierlich Nationalspieler herausbringen kann, sieht er „jetzt erst einmal nicht“.

„Jeder muss aus seinen Möglichkeiten das Optimale machen“, erklärt Baldi. „Bamberg ist das beste Beispiel dafür.“ Die Baskets hätten den Rückhalt von Stadt und Region. „So eine totale Identifikation ist in einer Großstadt eher schwierig.“ Auf dem Parkett wird das heute Abend keine Rolle spielen. Dann heißt es, um es mit den Worten von Sven Schultze zu sagen: „40 Minuten Kampfansage.“