Basketball-Bundesliga

Was Bambergs Trainer von Alba Berlin hält

Alba Berlin gegen Brose Baskets Bamberg - so lautet die Ansetzung für Sonnabend. In der Hinrunde verloren die Berliner mit 52:103, die höchste Niederlage in der Vereinsgeschichte. Doch der Trainer der Gäste, Chris Fleming, sieht Alba wieder auf dem aufsteigenden Ast.

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Am Sonnabend (20 Uhr, O2 World, live bei Sport1) steigt in der Basketball-Bundesliga das Spitzenspiel zwischen Alba Berlin und den Brose Baskets Bamberg. Trainer der Franken ist seit 2008 der US-Amerikaner Chris Fleming (41), der mit den Baskets in der vergangenen Saison Meister und Pokalsieger wurde. Vor der Partie sprach Morgenpost Online mit Chris Fleming.

Morgenost Online: Herr Fleming, Alba gegen Bamberg, Dritter gegen Erster, die ganze Basketballgemeinde schaut auf dieses Spiel. Was erwarten Sie?

Chris Fleming: Es wird ein gutes Spiel, wir freuen uns drauf. Aber niemand sollte vergessen: Es ist nur ein Spiel in der regulären Saison.

Morgenost Online: Also nichts Besonderes?

Fleming: Schon, weil ein Spiel zwischen diesen Klubs immer etwas Besonders ist. Für uns ist es eine große Herausforderung. Für die Berliner soll es zudem Bestätigung für den Formanstieg sein und dafür, dass sie eine andere Mannschaft sind als in der Hinrunde...

Morgenost Online: …als Sie daheim mit Ihrem Team Berlin durch ein 103:52 die höchste Niederlage in der Alba-Geschichte beigebracht haben. Ist das noch in den Köpfen?

Fleming: Für uns hat das null Bedeutung. Wir sollten nicht nach hinten schauen, das war sehr früh in der Saison. Für Alba und seine Fans mag das vielleicht anders sein.

Morgenost Online: Sie sagen selbst, Alba sei wieder auf dem aufsteigenden Ast. Hat Sie das überrascht nach der ganzen Unruhe, die in Berlin herrschte?

Fleming: Überhaupt nicht. Ich kenne einige der Berliner Spieler, die Jungs haben einen starken Charakter. Es war nur eine Frage der Zeit, wann Alba das umbiegt.

Morgenost Online: Berlin hat den Trainer gewechselt.

Fleming: Ich habe in der vergangenen Saison gegen Muli Katzurin gecoacht, als wir gegen seinen ehemaligen Klub Nymburg gespielt haben. Er ist ein fähiger Coach. Für mich war das, was in Berlin passiert ist, nicht anders zu erwarten.

Morgenost Online: Wie sind die beiden Spiele im Eurocup denn ausgegangen?

Fleming: Wir haben zu Hause gewonnen und in Nymburg verloren.

Morgenost Online: Stichwort Niederlagen: Ihr Team hat von den bisherigen 28 Bundesligaspielen nur zwei verloren. Tut da eine Niederlage ab und zu nicht sogar gut, um den Spielern zu zeigen, dass nicht alles von allein geht?

Fleming: Ein bisschen haben Sie vielleicht Recht. Sicherlich ist jeder nach einer Niederlage immer konzentrierter, das liegt in der menschlichen Natur. Das war bei jeder Mannschaft so, die ich bisher gecoacht habe. Also auch hier in Bamberg. Andererseits weiß ich nicht, ob man das unbedingt braucht. Eher nicht. (lacht)

Morgenost Online: Es ist ja auch nur zweimal passiert. Wie gelingt es Ihnen, dem Team zu vermitteln, dass letztlich noch nichts gewonnen ist?

Fleming: Da gibt es keine Probleme. Die Jungs wissen genau, dass das Entscheidende erst noch vor uns liegt und sich eine gute oder schlechte Saison erst ganz am Ende messen lässt. Da muss ich gar nicht viel sagen.

Morgenost Online: Gilt das auch für die Fans?

Fleming: Die Euphorie außerhalb unserer Mannschaft kann man natürlich nicht bremsen. Aber in dieser Hinsicht ist das Bamberger Publikum auch relativ gewachsen und weiß, was das Bisherige wert ist.

Morgenost Online: Was ist das Geheimnis dieser Stärke der Baskets 2010/2011?

Fleming: Sicher war Kontinuität sehr wichtig. Wir konnten die Spieler halten, die für den Erfolg wichtig sind. Vor allem haben die Spieler aber auch eine gewisse Selbstlosigkeit, sie sind bereit, für den Erfolg des Teams etwas zu opfern. Und wir haben eine gute Führungshierarchie, das ist sehr hilfreich.

Morgenost Online: Dies hat viel mit Charakter zu tun.

Fleming: Richtig. Man muss natürlich auch gut Basketballspielen können, aber gerade in schweren Zeiten ist Charakter gefragt.

Morgenost Online: Schwere Zeiten liegen nun schon eine Weile hinter Ihnen. Erinnern Sie sich noch an das 44:62 in eigener Halle gegen Alba im November 2009?

Fleming: Da erinnere ich mich ganz genau dran, das können Sie mir glauben. Das war wirklich eine ganz schwierige Zeit, aber wir haben uns wieder gefangen.

Morgenost Online: Leicht untertrieben. Waren Sie am Saisonende nicht Meister und Pokalsieger?

Fleming: Stimmt schon, aber das ist genau das, was ich meinte. Dass das, was früh in der Saison passiert, nicht immer ausschlaggebend sein muss. Letztlich ist die Phase, in der wir uns momentan noch befinden, lediglich ein Punktesammeln fürs Play-off.