Alba Berlin

Idbihis Karriere startete mit Opas Geschenk

Der Halbmarokkaner Yassin Idbihi ging in Tanger auf eine US-Schule, als ihn sein Opa zu einem Basketballspiel einlud. Der Beginn seiner wechselhaften Karriere. Am Freitag trifft der Nationalspieler mit Alba Berlin auf seinen Ex-Klub Braunschweig.

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Wenn Yassin Idbihi über seine Zeit in Braunschweig erzählt, leuchten seine Augen. „Dort hat mir Basketball endlich wieder Spaß gemacht.“ Die Karriere des Basketballprofis, die bis dahin mehr Tiefen als Höhen gehabt hatte, nahm in der niedersächsischen Stadt richtig Fahrt auf. „Ich habe wieder Selbstbewusstsein bekommen“, erinnert sich der 27-Jährige.

In der Saison 2009/2010 machte er bei den Phantoms Braunschweig so auf sich aufmerksam, dass der Nationalspieler von Alba Berlin einen Drei-Jahres-Vertrag angeboten bekam. Die Phantoms als Sprungbrett. Und daher ist es für ihn „schon etwas Besonderes“, wenn er Freitag (20 Uhr, O2 World) mit Alba gegen seinen ehemaligen Klub antritt.

Es hat sich einiges geändert. Spielte der 2,08 Meter große Idbihi in der vergangenen Saison im Schnitt pro Partie gut 21 Minuten lang, erzielte dabei durchschnittlich 10,7 Punkte und angelte sich 5,3 Rebounds – sieht von den Zahlen her Berlin wie ein Rückschritt aus: Zehneinhalb Minuten Einsatzzeit, 4,7 Punkte, 2,4 Rebounds.

Doch das sieht der Schlaks anders. „Ich kann damit sehr gut umgehen, für mich war der Wechsel ein weiterer Schritt, den ich unbedingt gehen wollte.“ Dass er dabei die Rolle hat, auf seine Chance warten zu müssen und die dann auch zu nutzen, sei vollkommen in Ordnung. Schließlich wisse er genau, welch' starke Konkurrenz im Alba-Team bei den Langen herrsche. Und jetzt ist ja noch Center Miroslav Raduljica (2,13 Meter groß) dazugekommen. „Ein richtiges Viech“, wie Idbihi voller Anerkennung lachend sagt. Er spricht von „belohnen und bestrafen“. Wenn er gut spiele, lasse ihn Trainer Muli Katzurin schon mal 27 Minuten auf dem Feld wie gegen Ulm, „wenn ich nicht gut bin“, wie in Düsseldorf, bleibe es eben bei sechs Minuten.

Kein Problem ist das für ihn. „Ich bin gefestigt.“ Es gilt: „Du musst um deine Chance kämpfen.“ Kämpfen – Yassin Idbihi weiß, was das heißt. „Ich habe mich oft durchbeißen müssen.“ In Köln als Sohn einer deutschen Mutter und eines marokkanischen Vaters geboren, zog die Familie bereits wenige Monate nach seiner Geburt nach Tanger, wo der Vater die Leitung einer deutschen Textilfirma übernahm und die Mutter am Goethe-Institut Deutsch-Unterricht gab. Er besuchte eine amerikanische Schule. Als er 15 Jahre alt war, bekam er von seinem deutschen Großvater den Besuch eines einwöchigen Basketball-Camps in Köln geschenkt.

Der Beginn seiner Basketball-Karriere. Ein Lehrer des Internats „Schloss Hagerhof“ in Bad Honnef bei Bonn wurde auf ihn aufmerksam. Er bekam das Angebot, an die Schule zu kommen. Idbihi verließ Marokko, ging von der 9. Klasse an aufs Internat, machte dort sein Abitur. In Tanger hatte er mit seiner Mutter immer Deutsch gesprochen, „aber ich konnte nicht Deutsch schreiben, das musste ich in kurzer Zeit lernen“. Das Lernen „hinkte hinterher“, erinnert er sich. Basketball in Rhöndorf hatte eher Priorität.

Oder auch Abhängen mit Freunden. „Mir hat der Druck von den Eltern gefehlt“, sagt er heute. Damals hat er es jedoch genossen, dass ihm keiner richtig auf die Finger geguckt hat. Dass er mal beim Kiffen erwischt wurde und das den Eltern am Telefon beichten musste, gehörte auch dazu. Schule? „Ich war eher faul.“ Mit 3,3 bestand er das Abitur. Während der Schulzeit hatte er oft Heimweh. Meistens wollte er nach den Ferien in Marokko erst einmal nicht mehr zurück, verließ Tanger aber doch schweren Herzens immer wieder.

Dass er wirklich das Zeug zum Basketballprofi haben könnte, ging ihm erst langsam auf, als er in den USA vier Jahre aufs College ging (er schloss das Studium in internationaler Politik mit dem Bachelor ab) und für die University at Buffalo spielte. Dort lernte er seine kanadische Frau Kim kennen. Er spielte danach für Köln in der Bundesliga – der Klub ging insolvent. Es folgte ein Engagement beim französischen Zweitligisten Limoges. Dort hatte sich in der Klub-Wohnung, die er bekommen hatte, Schimmel gebildet. Sein Körper reagierte allergisch, er bekam Belastungs-Asthma, spielte schlecht, der Klub wollte ihn rausschmeißen. „Ich hatte null Selbstvertrauen.“ In dieser Zeit kam der inzwischen 20 Monate alte Sohn Malik (zu Deutsch König) auf die Welt. Schwere Zeiten. Doch dann tat sich über Umwege die Tür nach Braunschweig auf.

Yassin Idbihi, der Deutsch, Arabisch, Englisch, Französisch und etwas Spanisch spricht, ist ein Weltbürger. Schmunzelnd spricht er von einem „Mischmach der Kulturen“, in dem er sich bewegt. Er wirkt in sich ruhend. Wie einer, der nach einer langen Berg- und Talfahrt glücklich angekommen ist. Bald wird die Familie größer werden: Ende Juli soll der zweite Sohn geboren werden.