Alba Berlin

Marinovic ist die unglückliche Nummer Acht

Trotz auskurierter Rückenblockade schafft es der Serbe nicht mehr in den Kader von Alba. Denn von den acht Ausländern im Team dürfen nur sieben nominiert werden. Von denen ist der 27-Jährige zurzeit der schwächste.

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Unterschiedlicher hätten die Stimmungslagen wohl nicht sein können. Da war zum einen Basketballprofi Bryce Taylor, bester Laune, da er beim 100:90-Bundesligasieg von Alba Berlin gegen Ulm eine starke Vorstellung (18 Punkte/7 Rebounds) gezeigt hatte. Zu Recht wurde er zum „Mann des Spiels“ gekürt. Er machte es sich nach der Partie im Vip-Raum der O2 World gemütlich, mit sich und der Welt zufrieden. Als Taylor nach einer ausgedehnten Dusche das Buffet erreicht hatte, war Marko Marinovic bereits in der Berliner Nacht verschwunden. Er musste nicht duschen – Alba-Trainer Muli Katzurin hatte ihn für die Partie gegen die Schwaben erst gar nicht nominiert.

Äußerlich gefasst nahm der Serbe seine Nichtberücksichtigung hin. „Das ist die Entscheidung des Trainers, die ich akzeptieren muss“, erklärte er noch im Gehen zwischen Tür und Angel. Natürlich sei er „nicht glücklich“, aber letztlich sei entscheidend, dass die Mannschaft gewonnen habe. Nach seiner Rückenblockade sei er wieder fit und er werde kämpfen. „Ich hoffe, das nächste Mal ist es anders.“ Ob sich diese Hoffnung wirklich erfüllt?

Tatsache ist, dass Alba Berlin nach der Verpflichtung von Center Miroslav Raduljica acht ausländische Profis im Kader hat. Da laut Bundesliga-Statuten in einem Zwölfer-Aufgebot fünf deutsche Spieler stehen müssen, bleiben nur sieben Ausländerplätze. Wenn alle fit sind, was momentan der Fall ist, muss Alba-Coach Katzurin immer einen Ausländer zum Zuschauen in Zivil verdonnern. Erstmals war das nun am Mittwochabend der Fall. Katzurin hat sich sichtlich gewunden bei der Frage, warum es Marinovic getroffen habe. Eine konkrete Antwort gab er nicht: „Man sollte diese Sache jetzt nicht zu hoch hängen“, meinte der Israeli nur.

Doch das Ganze birgt Zündstoff. Denn es könnte Marinovic des Öfteren treffen, da eigentlich im Ausländerkontingent niemand wirklich zu entdecken ist, der verzichtbarer ist als der 27-Jährige. Gerade er, der zu Saisonbeginn von Eurocup-Sieger Valencia als Spielmacher Nummer eins vom ehemaligen Alba-Coach Luka Pavicevic nach Berlin geholt wurde. Wackelkandidat gegen Ulm wäre nach einer mehrtägigen Trainingspause vielleicht noch Tadija Dragicevic gewesen, der jedoch spielen durfte. Im Vollbesitz seiner Kräfte ist er eh gesetzt. Im Laufe dieser Saison hat Marinovic leistungsmäßig abgebaut, zudem hatte sich der Hitzkopf einige Male mit Ex-Coach Pavicevic angelegt, und er ließ sich auch immer wieder auf Diskussionen mit den Schiedsrichtern ein. Wie er mental ein längeres Reservistendasein erträgt, bleibt abzuwarten.

Die Spielmacherfrage ist auf alle Fälle geklärt: Schon nach drei Partien im Alba-Trikot ist der US-Amerikaner Taylor Rochestie die unumstrittene Nummer eins. „Er hat Ausstrahlung, er macht das Spiel ruhig“, sagte Flügelspieler Sven Schultze über seinen Kollegen. „Vielleicht ist es genau das, was wir gebraucht haben.“

Zweiter Playmaker ist Heiko Schaffartzik, der sich, unter das deutsche Kontingent fallend, seines Platzes sicher sein kann. Seine Einsatzzeit gegen Ulm betrug jedoch gerade einmal sechseinhalb Minuten. Wobei Schaffartzik selbstkritisch genug ist, um zu wissen, dass er sowohl in der Offensive als auch in der Defensive (hier gegen seinen Nationalmannschaftskollegen Per Günther) nicht überzeugen konnte. Entsprechend war Katzurins Reaktion: Wenn er Rochestie Pausen gönnte, kam nach der Halbzeit nicht mehr Schaffartzik aufs Feld. Immanuel McElroy und auch Julius Jenkins übernahmen. Auch ein möglicher Fingerzeig für die Zukunft.