Trainerwechsel

Katzurin gibt Alba-Spielern mehr Verantwortung

Neue Trainingszeiten, mehr Einsatz, andere Taktik: In den zwölf Tagen, die Muli Katzurin die Albatrosse betreut, mussten sich seine Spieler auf einige Neuerungen einstellen. Er gibt ihnen aber auch viele Freiheiten.

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Muli Katzurin ist ein Mann klarer Worte. „Ein Trainerwechsel ist auch ein Weckruf für die Spieler“, sagt der neue Coach von Alba Berlin. Und er denke, „jeder hat das verstanden“. Die Berliner Basketballprofis müssen gerade viel Neues verstehen und lernen. Vor 12 Tagen haben sie unter dem Israeli erstmals trainiert, der Luka Pavicevic abgelöst hatte. Seitdem habe er, sagt Katzurin, „versucht, den Spielern meine Philosophie zu erklären“. Haben sie die bereits verinnerlicht? „Wer richtig zugehört hat, wird es verstanden haben – wer nicht, eben nicht.“ Wie gesagt: klare Worte.

Am Sonntag trifft Alba im vierten Spiel unter Katzurin in der O2 World auf die Telekom Baskets Bonn (17 Uhr) – und der 56-Jährige hat trotz seines kurzen Aufenthalts in der Hauptstadt schon viel davon gehört, „dass dieses Spiel ein spezielles Aroma hat“. Alba gegen Bonn ist seit langem ein Klassiker, entsprechend ist der Zuschauerzuspruch: Am Freitag waren bereits über 13.000 Tickets verkauft, es wird einen Saisonrekord geben (bisher 11.108 gegen Göttingen).

Es dürfte nicht nur der Gegner Bonn ziehen, die Fans sind auch gespannt, welche Fortschritte die Mannschaft unter dem neuen Coach gemacht hat. Dessen Philosophie dokumentiert sich vor allem in der aggressiven Spielweise in der Abwehr, wo der Gegner sofort unter Druck gesetzt wird und eine Zonen-Defense die Mann-gegen-Mann-Verteidigung abgelöst hat. „Das ist sehr anstrengend“, sagt Teammanager Mithat Demirel, „aber deshalb haben wir ja auch einen tiefen Kader.“ Die momentane Situation umreißt er so: „Jeder Spieler muss sich zeigen.“

„Das ist für jeden Spieler jetzt auch eine neue Chance, die er nutzen kann“, sagt Sven Schultze. „Wenn ein neuer Coach kommt, passiert viel“, fügt Tadija Dragicevic an. „Jeder muss reagieren, muss zeigen, was er kann.“ Erbhöfe gibt es keine mehr, auch wenn Trainer Katzurin sicherlich ebenso auf Profis wie Julius Jenkins, Derrick Allen oder Immanuel McElroy setzt wie Vorgänger Pavicevic. Aber Spielanteile können sich auch verschieben. „Die Startformation ist für mich nicht so wichtig, es zählt, wer auf dem Feld steht, wenn es in die entscheidende Phase geht “, sagt der Israeli. „Wer meine Vorstellungen erfüllt, spielt viel, wer nicht, spielt eben nicht viel.“ Da kann es auch – wie zuletzt in Sevilla – einem Hollis Price passieren, dass er nach schlechtem Anfang die restlichen gut 35 Minuten auf der Bank sitzen muss. Katzurin: „Ich entscheide während des Spiels, was am besten ist.“

Derrick Allen spricht davon, dass es für ihn und seine Kollegen wie ein „neuer Start“ sei. Gerade erst in der vergangenen Saison habe er eine vergleichbare Situation erlebt: Damals war er noch in Frankfurt aktiv, und während der Saison wurde Trainer Murat Didin von Gordon Herbert abgelöst. Als Unterschied von Pavicevic zu Katzurin nennt Allen: „Jeder hat auf dem Feld ein bisschen mehr Freiheit.“

„Mehr Freiheit bedeutet aber auch mehr Verantwortung“, hat Kapitän Patrick Femerling erkannt, der in seiner Karriere schon zweimal einen Trainerwechsel innerhalb der Spielzeit (bei Olympiakos Piräus und in Sevilla) miterlebt hat. Und mit dieser Verantwortung müsse „noch besser“ umgegangen werden. Mit seiner langen Profierfahrung sagt der 35-Jährige: „Für den Coach ist es ja auch nicht einfach. Er muss so viel über die Spieler herausfinden: Was sind das für Charaktere? Wer kann was?“

Langsam lernen sich die Beteiligten immer besser kennen. „Es ist alles ein Prozess“, sagt Katzurin. Dazu gehört auch, dass es schon mal direkt nach dem Auswärtstrip nach Sevilla in Berlin in die Trainingshalle geht. Geübt wird nun morgens bereits um zehn Uhr statt ab elf Uhr, abends wird statt um 19 Uhr um 18 Uhr begonnen. „Das gefällt mir gut“, sagt Schultze. Kein Wunder, so ist der zweifache Vater abends früher daheim bei der Familie.