Basketball

Alba geht mit neuer Verteidigungstaktik auf Reisen

Drei Spiele in sechs Tagen: Viel Eingewöhnungszeit erhält der neue Alba-Trainer Katzurin nicht – und ist entsprechend zurückhaltend mit Veränderungen. In der Defensive gibt es eine neue Ausrichtung.

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Im Morgenpost-Fantalk analysiert der Alba-Center mit seinem Kollegen Immanuel McElroy den Sieg im Eurocup-Spiel gegen Athen.

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Druck und Anspannung waren ständige Begleiter des Basketball-Teams von Alba Berlin, seitdem Luka Pavicevic als Cheftrainer beurlaubt und Muli Katzurin als sein Nachfolger vorgestellt worden war. Und das war der Mannschaft im ersten Spiel unter dem 56-jährigen Israeli gegen Panellinios Athen auch anzumerken. Über allem stand das Wollen, einerseits, die Vorgaben Katzurins zu erfüllen, andererseits bloß nicht mit einer Niederlage in die neue Ära zu starten und sich in den Top 16 in eine fast schon aussichtslose Position zu bringen.

Druck und Anspannung dürften nach 25:21 Minuten der Katzurin-Premiere ihren Höhepunkt erreicht haben. Denn da lag Alba mit zwölf Punkten zurück. Von genau diesem Punkt an, der so genau zu benennen ist, weil der neue Trainer eine Auszeit nahm, wurde das Wollen aller effektiver, auch dank der verordneten Raumverteidigung, einer taktischen Variante, die in Albas Vereinsgeschichte bislang so gut wie nie zu sehen war. „Damit haben wir Panellinios den Rhythmus und die freien Würfe weggenommen“, sagt Kapitän Patrick Femerling und beschreibt das Verteidigungssystem des neuen Trainers „als sehr aufwendig, weil jeder permanent alles im Auge haben und aushelfen muss“. Der Aufwand und das unbedingte Wollen wurden belohnt. Alba drehte das Spiel, gewann 68:65, was ein Lächeln auf die erschöpften Gesichter aller brachte – Druck und Anspannung fielen zumindest für den Rest des Abends sichtbar ab.

Sehr aufwendig war wohl auch, was Katzurin seinem Team seit seiner Landung am Montag einzuimpfen versuchte. Er zog nicht nur die von Alba fast schon traditionell verschmähte Raumverteidigung aus dem Hut, sondern ließ seine Spieler den Gegner schon in dessen Hälfte aggressiv attackieren. Selbst in Ballbesitz, wurde von den Spielern oft schneller der Abschluss gesucht als noch eine Woche zuvor. „Wir hatten zwei sehr harte Trainingseinheiten hinter uns“, erzählt Heiko Schaffartzik, der vor drei Wochen aus Ankara zu Alba gekommen war und gegen Panellinios gut zehn Minuten zum Einsatz kam. „Dieser Sieg war sehr wichtig. Noch viel wichtiger aber war, dass wir dank unserer aggressiven Verteidigung gewonnen haben. Das alles kann natürlich nur ein Anfang sein. Aber ich denke, es geht schon ziemlich bald nach oben.“

Panellinios war erst der Anfang

Katzurin scheint in seinen ersten Tagen neben taktischen Finessen vor allem auch die Botschaft vermittelt zu haben, dass es keinesfalls schadet, wenn sich ein Spieler völlig verausgabt. „Wir haben einen sehr großen Kader und können uns leisten, aggressiv zu spielen“, sagt der Trainer und meint: Ist der eine platt, kommt der nächste. Seine gewonnene Premiere sah er nicht als „die beste Vorstellung an, die ich sehen wollte. Aber das habe ich nach nur zwei Tagen eigentlich auch nicht erwartet.“ Es sei ein „erster Schritt gewesen, Perfektion war nicht zu erwarten. Ich hoffe, dass meine Mannschaft durch diesen Sieg, mit dem wir weiter im Wettbewerb geblieben sind, die Veränderungen, die wir vorhaben, mit großer Überzeugung angehen wird.“

Sein Kapitän sieht einen langen Weg vor sich, „bevor das alles funktioniert“, was der Coach an Veränderungen plant. Vor allem, weil mal wieder kaum Zeit bleibt. Samstagnacht schläft die Mannschaft in Köln, fährt von dort aus am Sonntag nach Trier, trifft dort um 17 Uhr auf die Berliner Filiale von Henrik Rödl. Gleich nach dem Spiel geht es nach Bonn, von wo aus das Team am Montagmorgen über Palma de Mallorca nach Sevilla fliegt. Das dritte Spiel der Top 16 gegen die bislang noch ungeschlagene Mannschaft von Cajasol beginnt am Dienstagabend um 20.30 Uhr.

Sicherlich ist Albas Mannschaft gut beraten, sich vorerst nicht zu sehr um das Fortkommen in Europa zu sorgen. Denn einer der Gründe für den gravierenden Einschnitt des Trainerwechsels war ja auch das bislang enttäuschende Abschneiden in der Bundesliga, wo man in der Hinrunde auswärts schon fünfmal verlor. Und in Trier werden Philip Zwiener, Dragan Dojcin, Oskar Faßler, Oliver Clay und Coach Rödl, alle bis zum vergangenen Sommer bei Alba, darauf brennen, sich gegen ihren Ex-Klub zu beweisen. Schon beim Hinspiel Anfang November zogen sich die Trierer beim 67:59 in der O2 World achtbar aus der Affäre.

„Trier gegen Alba, das waren immer große Spiele“, sagt Rödl. „Wir wollen natürlich versuchen, Alba zu schlagen; dass es geht, haben andere Teams vorgemacht.“ Er habe mit der Mannschaft das Spiel gegen Panellinios gesehen, und die Handschrift des neuen Trainers sei schon erkennbar, aber: „Wir bereiten uns ganz normal, aber mit großem Respekt vor. Unsere letzten beiden gewonnenen Heimspiele waren sehr wichtig, unser Spiel in Tübingen ein souveräner Auftritt – daran müssen wir anknüpfen, um eins der besten Teams der Liga zu schlagen.“

Die Trierer Arena ist mit ihren 6000 Plätzen seit Wochen ausverkauft. Zeit für Alba, wieder Druck und Anspannung aufzubauen.