Basketball

Alba startet Neuanfang mit Titelsammler Katzurin

Es ist der Wunschkandidat geworden: Muli Katzurin unterschreibt bei Alba Berlin einen Vertrag bis Saisonende. Der Israeli kommt mit der Empfehlung von sieben Meisterschaften und acht Pokalsiegen.

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Auf so wackeligen Beinen, wie Alba-Geschäftsführer Marco Baldi noch am späten Sonntagabend tat, konnte die Verpflichtung des neuen Alba-Trainers eigentlich nicht mehr gewesen sein. Denn Muli Katzurin bestieg schon um 7.05 Uhr morgens in Tel Aviv das Flugzeug nach Berlin, landete um 10.14 Uhr mit einer großen und einer kleinen Tasche in Schönefeld, wo ihn Teammanager Mithat Demirel bereits sehnsüchtig erwartete. Seine erste Station in Berlin: das andel’s-Hotel und dort das Bett. „Er hatte in der Nacht nicht geschlafen“, verriet Baldi. „Denn wer in Israel um sieben Uhr morgens abfliegen will, muss schon um vier Uhr am Flughafen sein.“ Um 16 Uhr zeigten Baldi und Demirel ihrem neuen Headcoach, der einen Fünfjahresvertrag mit dem israelischen Basketballverband kündigte, um nach Berlin zu kommen, Albas Geschäftsstelle. Von dort ging es ins Trainingszentrum nach Mitte, wo Baldis Wunschkandidat für die Nachfolge von Luka Pavicevic erstmals das Training leitete.

„Die Sache wurde schon am Sonnabend konkreter und wir wussten, dass es mit der Verpflichtung wohl klappt, wenn der Coach mit dem israelischen Verband auseinander kommen würde“, sagt Baldi. All das habe Katzurin am Sonntag erledigen können, und Albas Geschäftsführer war dann auch heilfroh, dass der Vertrag, der bis zum Saisonende gilt, „so schnell geschlossen werden konnte, denn so etwas kann auch mal eben zu einer unendlichen Geschichte werden.“

Den Fünfjahresvertrag als Sportdirektor des israelischen Verbandes hatte Katzurin erst im vergangenen Sommer abgeschlossen und nun nach nur einem halben Jahr gekündigt. „Die Aufgaben eines Sportdirektors beinhalten alles außer das Coaching“, sagt Albas neuer Trainer. „Und ich habe es ganz einfach vermisst, auf dem Parkett an der Seitenlinie zu stehen. Ich freue mich sehr auf Berlin und meine Aufgabe. Alba ist eine der führenden Organisationen in Basketball-Europa. Es ist eine große Herausforderung für mich, den Klub zum Erfolg zu führen.“

Katzurin, 56 Jahre alt, übernahm in Israel 1982 erstmals den Posten eines Cheftrainers. Er wurde mit Maccabi Tel Aviv zweimal israelischer Meister (1994 und 1995), gewann dreimal den israelischen Pokal (1988 und 1992 mit Galil Elyon, 1994 mit Maccabi Tel Aviv), wurde im Jahr 2000 mit Slask Wroclaw polnischer Meister und 2004 Pokalsieger. Von 2007 bis 2010 gewann er in Tschechien mit CEZ Nymburk viermal das Double. Von 1997 bis 2004 trainierte Katzurin die Nationalmannschaft Israels, von 2007 bis 2009 die Polens.

Erfahrung sei ein ganz entscheidendes Kriterium bei der Suche nach dem neuen Headcoach gewesen, erzählt Baldi. Dazu käme bei Katzurin, den er schon länger persönlich kenne, aber auch „sportliche und basketballerische Intelligenz sowie eine Philosophie, die zu uns passt.“

Albas neuer Coach sei auch kein Selbstdarsteller, der für gute Laune im Team sorge und wenn die Erfolge dann doch ausbleiben, sich darauf zurückzieht, dass er die Mannschaft ja nicht zusammen gestellt habe. Im Gegenteil, Katzurin habe „immer aus den Möglichkeiten, die er hatte, das Optimum herausgeholt, ob bei den großen Klubs wie Maccabi oder auch den weniger renommierten“, sagt Baldi. „Und genau darum geht es jetzt bei uns. Wir wollen diese Saison unser Potenzial abrufen, und zwar konstant. Darauf liegt unser Fokus.“ Attackieren möchte Baldi, mit einer Mannschaft, die ihren neuen Trainer vor anspruchsvolle Aufgaben stellt. Teams zu übernehmen, in denen sieben, acht Spieler alles machen und die Rollen verteilt sind, sei im Vergleich zu der Situation bei Alba verhältnismäßig unkompliziert, glaubt Baldi. „Wir sind breiter aufgestellt. Ein Kader, der neu zu strukturieren sein wird.“ Die „soziale Kompetenz“, dies zu tun, habe Katzurin bereits nachgewiesen.

Die Zeit, in der der Neuanfang gelingen soll, lässt sich mit zweierlei Maß messen. Bis zum Start des Play-off in der Bundesliga werden noch gut drei Monate ins Land gehen, das nächste Spiel im Eurocup steigt schon am Donnerstag gegen Panellinios Athen (20 Uhr, O2 World) – und es sollte gewonnen werden, will sich Alba die Chance auf das Erreichen des Viertelfinales erhalten. „Ich übernehme nach über 30 Jahren als Coach zum ersten Mal ein Team mitten in der Saison“, sagt Katzurin. „Ich werde schon jetzt vor dem Spiel am Donnerstag einige meiner Ideen einbringen. Basketball ist Basketball – unsere Sprache ist überall auf der Welt gleich. Jetzt die Formel für Veränderungen zu finden, die Erfolg bringen, ist eine außergewöhnliche Aufgabe“, sagt der Coach und gibt gleich etwas von dem Druck, der auf ihm lastet, weiter: „Die Spieler müssen jetzt ihr Talent zeigen.“