Alba-Umbau

Alba sucht den Helfer für den kompletten Neustart

Tag eins nach der Beurlaubung von Albas Trainer Luka Pavicevic: Noch warten Berlins Basketballer auf dessen Nachfolger. Wer auch immer der neue Coach werden wird, er muss für mehr Spielfreude und eine neue Hierarchie im Team sorgen.

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Sonnabendlicher Alltag in der Schützenstraße in Mitte. Im Treppenhaus von Albas Trainingszentrum wuseln die Kids, die Eltern prüfen noch mal, ob die Schnürsenkel fest sitzen, und Albas Kleinste brennen darauf, endlich lostoben zu können. Als aber die Riesen der ersten Mannschaft pünktlich um 12.30 Uhr das Parkett räumen, liest man in ihren Gesichtern, dass dieser Sonnabend alles andere als alltäglich ist. Es ist der Tag eins nach der Beurlaubung von Luka Pavicevic und erst das zweite Training ohne ihren Chef, den Mann, der dreieinhalb Jahre für die sportlichen Geschicke des Berliner Basketball-Klubs verantwortlich war.

„Wir waren alle überrascht, und sind auch heute noch geschockt“, gesteht Patrick Femerling, der unter Pavicevic noch am Freitagvormittag „ganz normal und gut trainiert“ hatte. Abends aber hatte er mit der Mannschaft von der Beurlaubung des Coaches erfahren und gleich dessen Abschiedsrede angehört. „Die Misserfolge der letzten Zeit waren sicherlich nicht die Schuld eines einzelnen, wir alle haben uns zusammen in diese Situation gebracht“, sagt Albas Kapitän weiter. „Es ist schade, dass es so weit gekommen ist, aber im Sport ist immer der Trainer der Erste, der die Konsequenzen tragen muss. Mir tut es sehr Leid, denn in Sachen Einsatz und Einstellung kann man Luka keinen Vorwurf machen.“ Auch bei den anderen im Team ist keine „Endlich ist er weg“-Stimmung zu spüren. Sven Schultze nennt Pavicevics Abschied „krass, denn wir waren ja diejenigen, die gespielt haben“.

So überraschend der Zeitpunkt gekommen war, dass Pavicevic gehen musste, so überrascht werden Albas Spieler wohl auch sein, wenn ein neuer Trainer vor ihnen steht. Niemand hat bisher die geringste Ahnung, wer es sein könnte. Nur, dass er „schon bald“, vorgestellt werden soll, sagt Mithat Demirel mit Blick auf das Eurocup-Spiel am kommenden Donnerstag gegen Panellinios Athen. „Denn er soll ja mit der Mannschaft davor möglichst noch ein paar Mal trainieren“, erklärt der Teammanager.

Wer auch immer die Verantwortung übernimmt, ob der serbische Großmeister Bozidar Maljkovic oder der Italiener Matteo Boniciolli, wie viele vermuten, oder ein ganz anderer – fest steht: Die Team-Hierarchie wird neu durchmischt. Schultze kennt diese Situation aus eigener Erfahrung. „Als ich in Mailand war, wurde Lino Lardo während der Saison durch Sasa Djordjevic ersetzt. Unter dem alten Coach war ich schon auf dem Abstellgleis, der neue hat auf mich gesetzt, und ich habe meinem Vertrag dann sogar verlängert.“ Die Frage, wer der Neue wird, ist sicherlich spannend, aber fast noch interessanter ist: Was muss der Neue ändern?

„Vielleicht sollten wir etwas freier spielen. Lukas Spiel war sehr strukturiert“, sagt Schultze und räumt ein, dass er davon profitiert habe, weil er als Power Forward darauf angewiesen sei, dass andere etwas für ihn kreieren. „Aber andere Spielertypen haben sich schon beengt gefühlt. Wir haben uns so oft vor den Spielen gesagt: Kommt, lasst uns raus gehen und Spaß haben. Und wir wurden dann trotzdem fest. Mehr Spielfreude würde uns sicherlich gut tun.“

Vielleicht lag der Mangel an Spielfreude nicht nur an den höchst peniblen Vorgaben Pavicevics, sondern auch daran, dass die Last, Albas Anspruch, immer siegen zu müssen, nur auf wenige Schultern verteilt wurde. So kam beispielsweise Heiko Schaffartzik, in den vergangenen beiden Jahren als Spielmacher der Nationalmannschaft hochgelobt, in den drei Spielen seit seiner Rückkehr genau 5:28 Minuten zum Einsatz. Lucca Staiger, einer der gefährlichsten Distanzwerfer im Team, spielte beim 71:75 letzten Dienstag in Treviso nur 6:20 Minuten, obwohl Julius Jenkins, Schultze oder auch Marko Marinovic bei acht Versuchen nicht einen Dreier trafen. Staiger traf seinen ersten und dann auch einzigen Wurf, stahl den Italienern auch noch den Ball und holte einen Rebound, nahm aber gleich wieder auf der Bank Platz. „Ich habe die Entscheidungen des Trainers natürlich akzeptiert, aber es fiel mir oft auch schwer“, sagt Staiger. „Nicht nur, weil ich wie jeder andere möglichst viel spielen will, sondern auch, weil ich das Gefühl hatte, dass ich der Mannschaft echt hätte helfen können.“

Neues Spiel, neues Glück: Die, die bislang viel spielten wie Jenkins oder Immanuel McElroy, werden ihr Revier verteidigen müssen, die, die von Pavicevic nur sporadisch eingesetzt wurden, werden die Chance bekommen, ihre Ansprüche auf mehr Einsatzzeit zu untermauern.

Bei der Qualität des Kaders eine eigentlich paradiesische Ausgangsposition für Albas neuen Coach, wer immer das auch sein wird. Denn das Rennen um Albas primäres Saisonziel, die Deutsche Meisterschaft, beginnt mit dem Play-off ja erst in einem Vierteljahr. „Wir können noch alles erreichen“, sagt Schultze, „Meisterschaft, Pokal und in Europa weit kommen.“ Letzteres könnte sich allerdings schon am Donnerstag entscheiden – in der O* World im Spiel gegen Athen (20 Uhr).