Basketball

Stagnation - Alba-Trainer Pavicevic muss gehen

Weil keine Entwicklung im Alba-Team zu sehen ist, zieht der Basketball-Klub die Notbremse: Cheftrainer Luka Pavicevic ist ab sofort beurlaubt. Ein Nachfolger steht offiziell noch nicht fest.

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Die Basketball-Profis von Alba Berlin glaubten erst einmal nicht so richtig, was sie da hörten. Gewundert hatten sie sich schon, als sie am Freitag im Trainingszentrum in der Schützenstraße zum Üben gekommen waren. Denn neben Cheftrainer Luka Pavicevic war auch Geschäftsführer Marco Baldi erschienen – ein seltener Trainingsgast. Was dieser gegen 19 Uhr sagte, machte die Spieler sprachlos: Mit sofortiger Wirkung, so wurde dem Team um Kapitän Patrick Femerling mitgeteilt, sei Pavicevic beurlaubt. Die Assistenz-Coaches (Konstantin Lwowsky und Boban Mitev) werden bis auf Weiteres das Training leiten. Pavicevic, der im Sommer 2007 bei Alba begonnen hatte und 2008 den nationalen Titel holte, verabschiedete sich gleich von den Spielern.

Pavicevic entlassen – eine Entscheidung, die wie ein Hammer einschlug. Kaum jemand hatte zum jetzigen Zeitpunkt wohl damit gerechnet.

Am Donnerstagabend hatte Baldi noch lange Gespräche geführt, mit Aufsichtsratschef Axel Schweitzer, hatte sich mit Klubpräsident Dieter Hauert abgestimmt, auch mit Teammanager Mithat Demirel und dessen Vorgänger Henning Harnisch. „Dann habe ich noch eine Nacht drüber geschlafen“, erklärt Baldi. An der Entscheidung änderte sich allerdings nichts mehr, die dem 42-jährigen Pavicevic am Nachmittag mitgeteilt wurde. „Mit Klasse und professionell“ habe er die Nachricht aufgenommen, berichtet Baldi. Pavicevic hat noch einen Vertrag bis zum Ende der Saison 2011/2012. Die finanziellen Details der Trennung müssen nun noch geklärt werden.

"Ein sehr harter Moment“

„Ich bedaure, dass es zu diesem Punkt gekommen ist“, sagt Pavicevic. „Ich war mir der großen Verantwortung bewusst, als ich den Posten des Headcoaches bei Alba übernahm, und ich habe meine Arbeit mit ganzem Herzen und nach bestem Wissen getan. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Klubs auf diesem Niveau sich zu einem solchen Schritt entschließen, wenn die Resultate und das Erreichen der gesteckten Ziele – und hier in Berlin sind es die allerhöchsten Ziele – fraglich erscheinen, um zu versuchen, den Erfolg sicher zu stellen.“ Er zeigte sich sehr betroffen von seinem Aus bei Alba: „Für mich ist das persönlich und beruflich ein sehr harter Moment, und es wird eine große Herausforderung sein, ihn zu überwinden.“

Was war der Auslöser? „Alba Berlin entscheidet nie nach einem Spiel. Es war ein Prozess“, sagt Schweitzer. Trainer wie Pavicevic gebe es nur wenige in Europa, „aber trotzdem glauben wir, dass es eine Veränderung geben muss, um das Potenzial der Spieler abzurufen“. In dieser Saison hat die Mannschaft, gespickt mit sehr starken Profis, in der Bundesliga teils schwache Vorstellungen abgeliefert, gerade auswärts. Sechs von 19 Partien wurden bisher verloren, gerade unterlag das Team auch in Europa. Im Eurocup war das 71:75 in Treviso allerdings die erste Niederlage nach zuvor sechs Erfolgen hintereinander.

Für Baldi stellt sich die Situation in der Bundesliga als „prekär“ da. Vor allem sei eben keine kontinuierliche Steigerung der Mannschaft zu sehen gewesen. „Es gab keine Stabilität.“ Auch er spricht, wie Schweitzer, von einer Entwicklung, die zum Ende der Zusammenarbeit mit dem Trainer geführt hat. Ein wichtiger Einschnitt war bereits die verheerende Niederlage in Bamberg (52:103), die höchste in der Vereinsgeschichte, am 18. Dezember 2010. Die Mannschaft hatte sich fast wehrlos in ihr Schicksal ergeben.

Von „Alarmbereitschaft“ spricht Baldi heute, die sich nach diesem Debakel breitgemacht habe. Aber immer noch wurde bei Alba auf Besserung gehofft. „Wir haben ja keinen Hang zu Schnellschüssen“, sagt er. In knapp 21 Jahren Alba Berlin war Pavicevic erst der fünfte Cheftrainer. „Die Überzeugung, dass wir in der derzeitigen Konstellation unsere ambitionierten Ziele erreichen können, hat in den vergangenen Wochen stark gelitten.“ Und jetzt wurde ein Schlussstrich gezogen.

Für den Außenstehenden war zuletzt auch nicht ersichtlich, weshalb der neuverpflichtete Heiko Schaffartzik vom Trainer so gut wie nicht eingesetzt wurde. Sicherlich benötigt ein Spielmacher, der Denker und Lenker auf dem Spielfeld, eine längere Eingewöhnungszeit als beispielsweise ein Center. Aber frischer Wind hätte dem Team sicher genutzt. Pavicevic schien die Verpflichtung des deutschen Nationalspielers nicht unbedingt gewollt zu haben. Hat er es auf eine Machtprobe ankommen lassen? Es nutzte weder dem Team noch ihm etwas.

Nachfolger soll schnell kommen

Bei aller Rationalität, das gibt Baldi zu, habe aber auch „das Bauchgefühl“ eine Rolle gespielt. Dieses Gefühl, dass Pavicevic einfach nicht mehr der Richtige sei. Gerade Baldi hatte den Trainer noch nach dem schlechten Abschneiden in der vergangenen Saison in der Liga (Ausscheiden im Viertelfinale) nach außen vorbehaltlos gestützt. Alles wurde hinterfragt, sehr viel geändert, ein neue Mannschaft zusammengestellt – aber Pavicevic durfte bleiben. Hat Baldi da aufs falsche Pferd gesetzt? „Das kann man natürlich so interpretieren“, sagt der Geschäftsführer dazu. Aber eines stehe auch fest: „Ich tue das, was für den Verein das Beste ist.“

Wie geht es jetzt weiter? Dringend wird ein Nachfolger gesucht, dem zugetraut wird, dass er die hohen Ziele des achtmaligen deutschen Meisters erreichen kann. Axel Schweitzer sagt: „Natürlich ist es so, dass wir eine recht genaue Idee haben, wer den Job übernehmen soll.“ Schon in den kommenden Tagen, so kündigte der Klub an, soll der Neue vorgestellt werden. „Wir haben jemanden im Fokus“, sagt Baldi, „aber es ist noch völlig unklar, ob das klappen wird.“ Es spreche aber einiges dafür, dass der neue Coach nur bis zum Ende dieser Spielzeit unter Vertrag genommen wird. Mit der Aussicht auf Verlängerung – im Erfolgsfalle.

Jetzt wird natürlich viel spekuliert, wer Pavicevic beerben könnte. Unzählige Berater bringen bei Alba ihre Klienten ohne Job ins Gespräch. Hier eine Auswahl von renommierten Coaches, die zurzeit ohne Engagement sind: der Serbe Bozidar Maljkovic, der Spanier Garcia Reneses, der Italiener Matteo Boniciolli und der Israeli Sharon Drucker.