Basketball

Alba Berlin ist das Team mit den zwei Gesichtern

In der eigenen Halle top, auswärts leider oft ein Flop. So präsentiert sich Alba Berlin derzeit in der Basketball-Bundesliga. Morgenpost Online mit einer Suche nach den Ursachen.

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Mit einem eindrucksvollen 108:78-Heimsieg hat sich Basketball-Bundesligist Alba Berlin für die bittere Hinspiel-Pleite gegen Phoenix Hagen revanchiert. Die Spieler Hollis Price und Heiko Schaffartzik sprechen im Morgenpost-Fantalk über das Spiel.

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Warum zeigt Alba Berlin dauernd zwei Gesichter? Weshalb ist das Basketballteam in der Bundesliga auswärts mit dem in eigener Halle kaum zu vergleichen? „Das wäre ein gutes Thema für ein Trainer-Seminar“, so Albas Cheftrainer Luka Pavicevic nach dem 108:78 gegen Phoenix Hagen am Sonntag in Berlin, vier Tage zuvor hatte Alba in Hagen noch 86:92 verloren. „Die Ausschläge sind schwer zu erklären“, meint auch Geschäftsführer Marco Baldi mit Blick auf das, was sein Team in der Bundesliga bisher geleistet hat: 13 Siege, sechs Niederlagen, fünf davon auswärts. Seine schonungslose Bilanz: „Ich sehe spielerisch eine Entwicklung, aber nicht von den Ergebnissen her – und die sind nun mal das Wichtigste.“

Wie gut, dass es neben der Bundesliga (BBL) auch noch einen europäischen Wettbewerb gibt, an dem die Berliner teilnehmen. In der BBL in der vergangenen Saison bereits im Viertelfinale gescheitert, wurde Alba im Eurocup erst im Finale von Valencia gestoppt. Und in dieser Saison lautet die Bilanz bisher: sechs Spiele, sechs Siege. Der Klub steht in der Runde der Top 16, in der man am heutigen Dienstagabend zum Auftakt bei Benetton Treviso anzutreten hat. „Mit einem guten Gefühl“ gehe man die Aufgabe in Europa nach dem Erfolg gegen Hagen an, sagt Baldi. Neben Treviso muss sich Alba in der Zwischenrundengruppe in Hin- und Rückspielen noch mit Panellinios Athen und Cajasol Sevilla auseinandersetzen. Die beiden Besten erreichen das Viertelfinale, Alba will das schaffen, so ist der Plan.

Alba im Eurocup stark, in der BBL mit teils indiskutablen Leistungen – wie ist das möglich? Die Spielweise – ein strukturiertes Spiel – der europäischen Gegner „liegt uns mehr“, sagt Baldi. „In der BBL wird wilder gespielt“, hat Kapitän Patrick Femerling erkannt. Die Bundesliga, meint Baldi, besteche durch Physis, Athletik, das Spiel Eins gegen Eins. Beim Vergleich national und international will er „nicht sagen, dass das eine besser oder schlechter ist“. Aber eben anders. Zwar wird es von Alba nicht angesprochen, aber dass die Schiedsrichter international im Schnitt einfach besser sind, ist ein weiterer Unterschied. Wohl nicht zum Nachteil der Berliner.

Baldi ist eines besonders wichtig: „Es ist eine Mär, dass uns Europa mehr interessiert als die BBL, das Gegenteil ist der Fall.“ Weil eben der Titelgewinn in Deutschland das Ziel ist, dem es alles unterzuordnen gilt. „Als Profi bist du auf jedes Spiel gleich fokussiert“, verspricht Julius Jenkins. Mit einem Erfolg beim italienischen Klub Treviso soll es gleich beginnen. „Wir müssen deren Schwachstellen ausnutzen“, sagt Pavicevic.

Zuletzt unterlag Treviso 67:90 daheim gegen Caserta, ist nur 14. von 16 Klubs. Noch schlechter steht Panellinios Athen da, das in Griechenlands Liga 13. und Vorletzter ist. Sevilla, mit großen Ambitionen gestartet, ist in Spanien momentan 13. in der 18 Klubs umfassenden Liga ACB. Also von einer „Todesgruppe“ kann wahrlich niemand sprechen. Alba und die drei anderen – vier Problemkinder? „Wir sind da eher der positive Ausreißer“, meint zumindest Baldi. Zur Einordnung des bisherigen Berliner Eurocup-Auftritts ist ein Blick auf die Gegner der Vorrunde ganz interessant: Momentan ist Caserta in Italien Achter, Samara in Russland Tabellenletzter und Wlocwawek in der polnischen Liga Neunter von zwölf Klubs.