Basketball

"Albas Mannschaft hat keine Kontinuität"

Svetislav Pesic trainierte einst Alba Berlin, vor sieben Wochen wechselte er zu Valencia. Über seine Erfolge, seine ewige Heimat Berlin und die Probleme bei Alba sprach Morgenpost Online mit dem 61-Jährigen.

Foto: AFP

Morgenpost Online: Glückwunsch, Herr Pesic, Sie wurden gerade in Spanien zum Trainer des Monats gekürt, in der Liga hat Ihr Team alle sieben Spiele unter Ihnen gewonnen, in der Europaliga wurde das Top 16 erreicht. In Valencia spricht man von einem Basketball-Wunder. Was ist da wirklich passiert?

Svetislav Pesic (61): Nichts Spezielles. Die Mannschaft ist gut, aber sie hatte fast nur verloren und kein Selbstvertrauen mehr.

Morgenpost Online: Das haben Sie den Spielern zurückgegeben.

Pesic: Jeder im Verein und von den Spielern weiß, dass ich ein erfahrener und erfolgreicher Trainer bin. Es ist doch so: Wenn ein solcher Trainer sagt: Jetzt sprinten, dann sprinten alle. Weil sie daran glauben, dass dieser Sprint Erfolg bringt. Bei mir herrscht immer Klarheit: Da gibt es nicht links und nicht rechts. Das gefällt den Spielern, die wissen, woran sie sind. Dann kommen die ersten Siege, einer davon bei Panathinaikos Athen – und danach ist das Selbstbewusstsein zurück. Dann kommt ein Lachen in das Gesicht der Spieler.

Morgenpost Online: Sie hatten früher schon erfolgreich in Barcelona und Girona gearbeitet, haben Sie sich in Spanien gleich heimisch gefühlt?

Pesic: Ja, alles ist gut organisiert, man muss sich keine Gedanken machen. Die Liga, die Coaches sind gut. Es gibt einen starken Wettbewerb, weil man dauernd gegen gute Mannschaften spielt, die besten Spieler sind nun mal in der NBA und dann in der ACB. Ich fühle mich sehr wohl, nicht nur, weil das Wetter hier schön ist.

Morgenpost Online: In Berlin ist es kalt und es liegt Schnee.

Pesic: Egal, ich fühle mich in Berlin immer wie zu Hause, ob nun Schnee liegt oder nicht.

Morgenpost Online: Bleiben wir in Berlin, mit welchen Gefühlen schauen Sie in Richtung Ihres ehemaligen Klubs Alba?

Pesic: Ich interessiere mich natürlich immer, wie Alba spielt und sich entwickelt. Ich will meine Meinung klar sagen: Wenn wir uns über Alba unterhalten, muss unterschieden werden zwischen Klub und Mannschaft. Das sind zwei paar Schuhe.

Morgenpost Online: Fangen wir mit dem Klub an.

Pesic: Der Klub hat sich weiter nach vorn entwickelt. Nur wenige Mannschaften in Europa haben ihre eigene Trainingshalle wie Alba. Auch sehr gut ist, dass Alba die Jugendarbeit in eigene Hände genommen hat. Resultate kann man natürlich nicht sofort erwarten, aber sie werden kommen, wenn man weiter Vertrauen in diese Jugendarbeit hat. Und drittens wurde im richtigen Moment von den Verantwortlichen die richtige Entscheidung getroffen, in die O2 World umzuziehen.

Morgenpost Online: Und die Mannschaft?

Pesic: Da kann ich nur sagen, dass sie keine Kontinuität hat. Viele Spieler sind in den letzten Jahren durchmarschiert bei Alba, haben aber keine Spuren hinterlassen. Wie das Team spielt, das ist nicht mein Basketball, deshalb will ich es nicht analysieren.

Morgenpost Online: Sie kennen Trainer Luka Pavicevic gut, er war Ihr Spieler. Tauschen Sie sich aus?

Pesic: Momentan stehe ich bei Alba nur in Kontakt mit Geschäftsführer Marco Baldi, Präsident Dieter Hauert, der Familie Schweitzer und Prokurist Robert Mayer. Mit Luka habe ich seit längerer Zeit keinen Kontakt, aber selbstverständlich stehe ich ihm jederzeit zur Verfügung.

Morgenpost Online: Würden Sie denn gern helfen?

Pesic: Alba ist der einzige Verein, über den ich sagen kann: Das ist mein Verein. Egal, wer da Trainer war oder Trainer sein wird – sie werden von mir immer Unterstützung bekommen, wenn sie es denn wollen.

Morgenpost Online: Sie haben im Herbst das Alba-Team mehrere Male beobachtet. Hat die Mannschaft die Qualität, Meister zu werden?

Pesic: Alba braucht sich im Moment nicht große Ziele zu setzen, erst einmal muss man sich aufs nächste Spiel konzentrieren, weil Konstanz und Kontinuität fehlen. Da weiß man nie, was im nächsten Spiel passiert. Kontinuität ist aber das erste Charakteristikum einer Mannschaft, die den Titel anstrebt. Alba hat eben seit langem keine Kontinuität bei den Spielern mehr. Jedes Jahr neue Gesichter, jedes Jahr der gleiche Basketball. Aber mit dieser Art und Weise, Basketball zu spielen, kann man auch gewinnen, so ist das nicht.

Morgenpost Online: Die Vorherrschaft in Deutschland ist weg, Bamberg Nummer eins, jetzt strebt auch Bayern München nach oben – wo bleibt da Alba in der Zukunft?

Pesic: Erst einmal muss es darum gehen, wie man die Situation in der Mannschaft stabilisiert. Der Klub hat eine gute Basis und langjährige Tradition, er muss sich vor niemand verstecken. Das Team muss besser spielen. Alba als Basketballklub hat alles, um optimistisch in die Zukunft zu sehen. Aber der Klub Alba verdient eine Mannschaft, die besser spielt, definitiv.

Morgenpost Online: Ihr Vertrag in Valencia läuft am Ende der Saison aus, hätten Sie denn Lust, noch mal bei Alba mitzuhelfen?

Pesic: Ich möchte darüber jetzt nicht spekulieren. Ich hatte früher diese Einstellung: Ein Trainer weiß immer nur, wann er anfängt, nie, wann er aufhört. Heute sage ich mir: Genieße, was heute ist, und dann siehst du, was morgen kommt.