Gegen Athen

Alba siegt - und verpasst Basketball-Europaliga

| Lesedauer: 4 Minuten
Sebastian Arlt

Alba Berlin hat die Basketball-Europaliga knapp verpasst. Der deutsche Pokalsieger besiegte im Rückspiel der zweiten Qualifikationsrunde Maroussi-Athen zwar mit 75:70 (43:38). Doch die Albatrosse hätten mit mindestens zehn Punkten Differenz gewinnen müssen. Darum wird's nichts mit der Euro-League.

Die Blicke der Spieler von Alba Berlin waren leer, als sie enttäuscht in die Kabine schlichen. Wohl noch nie hat ein Sieg so bitter geschmeckt. Die Zuschauer verließen stumm die O2 World, niemand pfiff. Viele schüttelten nur fassungslos den Kopf.

Wie paradox: Zwar gewann das Berliner Basketball-Team gestern vor 12.196 Besuchern 75:70 (43:38) gegen Maroussi-Athen, doch der Erfolg kam einer Niederlage gleich. Denn nach dem 70:79 im Hinspiel hat Alba den Sprung in die Europaliga nicht geschafft. In dieser Saison muss das Team von Cheftrainer Luka Pavicevic damit im zweitklassigen Eurocup spielen.

Mit mindestens zehn Punkten Differenz hätte Alba gewinnen müssen, und kurz vor Schluss schien dies sogar möglich zu sein. Doch dann konterten die Griechen. „Wir haben gekämpft, aber haben zu viele kleine Fehler gemacht“, sagte Albas Spielmacher Steffen Hamann. „Schade, das Team und die tollen Fans hätten die Europaliga verdient gehabt.“

An den Zuschauern lag es wirklich nicht. Schon vor Beginn war in der Halle zu spüren, dass es ein ganz besonderes Spiel war. Ein Sponsor hatte Klatschpappen verteilt, der Lärm war ohrenbetäubend. Das Publikum wollte seine Mannschaft bedingungslos unterstützen.

Pavicevic hatte umgestellt: Zum ersten Mal überhaupt stand Albas einziger Zugang, der Bosnier Kenan Bajramovic, in der Startformation. Doch es sollte sich zeigen, dass er noch Zeit braucht, um ein wichtiger Teil der eingespielten Mannschaft zu werden. Die Berliner kamen in den ersten Minuten gar nicht ins Spiel. War es die Anspannung, unbedingt die Niederlage aus dem Hinspiel wettmachen zu müssen? Einen unsichtbaren Rucksack schienen die Spieler in den ersten Minuten durch das 70:79 aus dem Hinspiel mit sich herumzutragen. „Die Hypothek von neun Punkten war doch zu schwer“, bilanzierte Alba-Geschäftsführer Marco Baldi.

Als es nach vier Minuten 4:12 stand, ging der Lärmpegel in der Arena am Ostbahnhof für kurze Zeit nach unten. Aber ganz langsam kam etwas mehr Sicherheit ins Berliner Spiel. „Wir wollten nicht gleich alles versuchen, um den Rückstand aus dem ersten Spiel aufzuholen“, erklärte Pavicevic. Vor allem Julius Jenkins und Immanuel McElroy sorgten nun mit ihren Punkten dafür, dass Berlin nach zehn Minuten nur 19:21 zurücklag.

Bei Alba lief es immer besser. Beim 33:27 (16. Minute) hatten die Fans erstmals das Gefühl, dass es ein Happy End geben könnte. Umso mehr, als Jenkins mit einem Dreier in letzter Sekunde vor dem Wechsel das 43:38 erzielt hatte.

Und Jenkins legte gleich nach. Minutenlang spielte der US-Amerikaner in absoluter Europaliga-Form, am Ende kam er auf 32 Punkte. Fast im Alleingang schaffte er das 51:41 (23.). In diesem Moment und kurz danach beim 53:43 waren die Berliner in der Europaliga. Doch die Euphorie auf den Rängen war schnell vorbei. Denn Alba verlor kurz die Kontrolle – die treffsicheren und ruhig agierenden Griechen glichen zum 55:55 aus (29.).

Entscheidung durch Dreier von Batis

Aber Alba kämpfte verbissen, mit allem stemmte sich die Mannschaft gegen das drohende Scheitern. Der Vorsprung wuchs auf sieben Punkte (73:66), McElroy vergab zwei von vier Freiwürfen, 26 Sekunden vor Schluss hieß es dennoch 75:67. Das Basketball-Wunder schien möglich. Alba foulte beim Angriff der Griechen nicht, ein Dreier von Marios Batis sechs Sekunden vor Ende zum 75:70 ließ den Traum platzen.

„So ein Wurf ist für einen Spieler natürlich etwas ganz Besonderes“, freute sich Batis. „Wir wussten, dass es trotz des Vorsprungs schwer wird.“ Zwar wurde Jenkins zum „Spieler des Tages“ ausgerufen, aber freuen konnte er sich über seine 32 Punkte nicht: „Schließlich haben wir insgesamt trotzdem verloren.“ Das Scheitern muss Alba jetzt erst einmal verkraften.