Saisonauftakt

Alba-Urgestein Henrik Rödl geht

Henrik Rödl war der Kapitän der Mannschaft, keiner machte mehr Spiele für Alba als er. Jetzt wechselt er als Trainer nach Trier. Morgenpost Online sprach mit der Berliner Basketball-Legende.

Rund 120 Spieler haben in der 21-jährigen Klub-Geschichte Alba verlassen. Helden, Durchreisende, Mitläufer, Künstler und Arbeiter – und in fast allen Fällen hatte sich die Personalie mit der Verpflichtung des Nachfolgers erledigt. Berlins Basketballteam war nie ein Klub tränenreicher Abschiede. In diesem Sommer ist aber einer gegangen, den man nicht kommentarlos ziehen lassen kann. Die Spuren, die er in Berlin hinterlassen hat, sind einfach zu tief.

Henrik Rödl war der Kapitän der Mannschaft, die siebenmal Meister wurde und viermal den Pokal holte. 1995 war er einer der Leistungsträger beim Gewinn des Korac-Cups. Als Albas Headcoach gewann er 2006 den Pokal. Keiner machte mehr Spiele für Alba als Rödl (512), die Zahl der erzielten Punkte (5226) wird nur von Wendell Alexis (5922) übertroffen. Der „Iceman“ nannte Albas Nummer vier „den Klebstoff, der das Team zusammenhält“. Ein Mann also, den man nicht einfach so verschwinden lässt. Rödl unterschrieb als Headcoach in Trier, am Mittwoch kommt er als Gegner zu Albas Saisoneröffnung in die O2 World (19 Uhr). Es soll sein Abend werden, denn vor dem Spiel wird er offiziell verabschiedet.

Morgenpost Online: Hat Ihnen irgendjemand von Alba gesagt, was auf Sie zukommt, Herr Rödl?

Henrik Rödl: Nein, es wird für mich eine totale Überraschung. Ich weiß von nichts, freue mich aber auf den Abend und das Spiel und finde es auch eine schöne Idee, dass uns Alba zur Saisoneröffnung eingeladen hat. Auch für Oskar Faßler, Oliver Clay, Philip Zwiener und Dragan Dojcin, die mit nach Trier gekommen sind. Aber es ist ja vor allem ein Testspiel für uns, gegen einen sehr guten Gegner, aus dem wir größtmöglichen Nutzen ziehen wollen.

Morgenpost Online: Haben Sie ein wenig Angst, dass Ihnen dann doch leicht mulmig wird und ein dicker Kloß im Hals sitzt?

Henrik Rödl: Nein, ich bin ein emotionaler Mensch und freue mich sehr auf diesen Moment.

Morgenpost Online: Wie lebt es sich in Trier? Werden Sie da erkannt, wenn Sie über die Straße gehen?

Henrik Rödl: Wir waren viel unterwegs. So viel Gelegenheit, mich zu zeigen, hatte ich noch nicht. Aber natürlich ist das Leben in einer Kleinstadt anders als in Berlin. Bislang ist das Feedback äußerst positiv.

Morgenpost Online: Wo wohnen Sie? Voll im Grünen?

Henrik Rödl: Wir wohnen in einem Haus etwas außerhalb der Stadt, sehr schön gelegen. Ich fahre mit dem Fahrrad 20 Minuten zur Halle, (lacht) zurück dann allerdings in etwa doppelt so lange, weil es bergauf geht.

Morgenpost Online: Es gab nach Ihrer Verpflichtung Unruhe bei Ihrem neuen Arbeitgeber, weil in der vergangenen Saison die Unterschrift eines Spielers gefälscht worden sein soll. Hat Sie das bei Ihrer Arbeit behindert?

Henrik Rödl: Es ist zu spüren, dass diese Geschichte das Umfeld hier belastet, aber die Mannschaft ist damit bislang sehr gut umgegangen ist. Ich hoffe, dass sich die Unruhe bald endgültig legt und wir uns voll auf den Basketball konzentrieren können.

Morgenpost Online: Sie haben die vier Spieler schon genannt, die Sie aus Berlin mit an die Mosel genommen haben. Wie haben sich Zwiener, Faßler, Clay und Dojcin eingelebt?

Henrik Rödl: Ich bin mit ihnen sehr zufrieden, wie mit der ganzen Mannschaft. Es hängen sich alle voll rein, ziehen mit und auch die Vier bringen das, was ich erwartet habe. Es fehlt uns noch einiges im taktischen und im physischen Bereich, aber das kann nicht anders sein. Wir sind jetzt in der dritten Woche der Vorbereitung und im Soll. Wir waren vorige Woche in Belgrad und haben dort, wie ich finde, einen großen Schritt nach vorn gemacht.

Morgenpost Online: Alba ist wahrscheinlich deutlich weiter.

Henrik Rödl: Auf jeden Fall. Sie sind eine Woche früher gestartet und waren eine Woche länger im Trainingslager. Die Saison beginnt für Alba aber durch die Euroleague-Qualifikation auch früher als für uns. Berlin hat viel investiert und es gab viele, aus meiner Sicht positive, Veränderungen. Das wird für uns ein sehr wertvoller Gegner sein.

Morgenpost Online: Ihre Verpflichtung wurde in Trier mit großer Euphorie aufgenommen. Wie groß sind die Erwartungen?

Henrik Rödl: Alle, denen ich begegne, sind sehr positiv gestimmt, aber auch ein wenig skeptisch bezüglich des Projekts, das wir hier aufbauen wollen. Wir müssen beweisen, dass das, was wir vorhaben, sich dann auch rentiert.

Morgenpost Online: Trier kämpfte oft gegen den Abstieg und träumte vom Play-off, Alba tourt durch Europa und will jede Saison Meister werden. Wie wirken sich diese unterschiedlichen Ambitionen auf die Arbeit als Trainer aus?

Henrik Rödl: Stimmt, die Profile sind sehr unterschiedlich. Alba spielt zweimal in der Woche, ist viel unterwegs, was dann nur wenig Zeit zum Training lässt. Weshalb bei Alba auch nur weitestgehend fertige Spieler sind. Wir spielen mit den vielen jungen Leuten ja nur einmal die Woche und haben vor, unter der Woche mit den Spielern viel individuell zu arbeiten und sie sich dadurch auch unter der Saison verbessern können. Unter diesem Aspekt stehen wir natürlich noch ganz am Anfang dessen, was wir hier umsetzen und erreichen wollen.