Basketball

Henrik Rödl verlässt Berlin und Alba

Es ist ein herber Verlust für Alba: Der langjährige Spieler Henrik Rödl verlässt die Berliner. Der heute 41-Jährige war Kapitän der Mannschaft, die von 1997 bis 2003 sieben Meisterschaften in Folge und viermal den Pokal gewann. Rödl wird Trainer der Nummer 15 der Bundesliga.

Foto: picture-alliance / Sven Simon

Es ist, als würde man ein „A“, das „L“ oder das „B“ aus dem Namen von Alba Berlin heraus trennen. Einer, der für immer mit den zahlreichen Erfolgen des Klubs verbunden sein wird, verlässt Berlin. Henrik Rödl, mit dem Alba 1995 den Korac-Cup gewann und der der Kapitän der Mannschaft war, die von 1997 bis 2003 sieben Meisterschaften in Folge und viermal den Pokal gewann, ist der neue Trainer des Bundesligisten TBB Trier. Rödl (41) tritt beim Tabellenfünfzehnten die Nachfolge des US-Amerikaner Aaron Mc Carthy an und unterschrieb für drei Jahre.

„Für mich geht eine Ära zu Ende, ein riesiger Abschnitt in meinem Leben. Alba hat mir viel gegeben, auch in den letzten drei Jahren, als ich nicht mehr der Trainer der BBL-Mannschaft war“, sagt Rödl, der seit 2007 als Sportlicher Leiter das ambitionierte Nachwuchs-Programm mit aufbaute. „Auch hier in Berlin hätten neue Herausforderungen gewartet, aber die Perspektiven, die ich jetzt in Trier habe, konnte mir Alba nicht bieten. Trotzdem verbindet mich mit dem Klub ein ganz besonderes Verhältnis, und das wird auch weiter gepflegt.“

Vor 17 Jahren kam er als junger Mann, den der damalige Superstar der Serienmeister-Mannschaft, Wendell Alexis, „als den Klebstoff“ bezeichnete, „der Alba zusammenhält“, bereits hoch dekoriert nach Berlin. Im Frühjahr 1993 hatte er mit der Uni von North Carolina die US-College-Meisterschaft gewonnen, im Sommer mit der deutschen Nationalmannschaft die EM. In Berlin hatte er nach seinen Titeln als Spieler als Coach noch den Pokalsieg 2007 und 2009 die Meisterschaft in der Nachwuchs-Bundesliga NBBL folgen lassen, war in der NBBL in den letzten beiden Jahren auch Trainer des Jahres.

„Der Abschied fällt mir echt schwer, meine Familie und ich haben uns in Berlin immer zu Hause gefühlt. Meine Kinder wurden hier geboren“, sagt Rödl. „Wir konnten uns am Ende auch nur von Berlin lösen, weil es sich um ein wirklich langfristiges Engagement handelt. Wir werden sicherlich einige Zeit für die Umstellung brauchen.“

Triers Etat für die kommende Saison wird keine zwei Millionen Euro betragen, um die Meisterschaft wird Rödl also wohl kaum mitspielen. „Die Aufgabenstellung und die Ziele dort sind natürlich ganz andere als bei Alba. Aber in Trier und der Region wird Basketball gelebt, ein Standort mit Tradition, dort etwas aufzubauen, reizt mich.“ James Marsh, der 19 Jahre für Trier spielte und zuletzt unter McCarthy Assistent war, stellte den ersten Kontakt her. „Mir hat es gefallen, dass er mich direkt angerufen hat und nicht alles, wie so oft üblich, über Agenten lief“, erzählt Rödl. „In mehreren persönlichen Gesprächen haben wir uns dann angenähert, und mein Profil entsprach wohl sehr genau den Vorstellungen des Klubs: die Erfahrung in der BBL und auch meine Arbeit mit jungen deutschen Spielern bei Alba und als U20-Nationaltrainer. Denn der Aufbau eines nachhaltigen Nachwuchsprogramms wird ebenfalls zu meinen Aufgaben gehören.“

Alba ohne Rödl – kaum vorstellbar, aber schon bald Realität. „Ich freue mich für ihn“, sagt Alba-Geschäftsführer Marco Baldi, der nach Albas Aus in Frankfurt im Moment wenig Anlass zur Freude hat. „Henrik hat bei uns bis auf die Zeit am College seine ganze Karriere verbracht und genießt allerhöchste Wertschätzung, daran wird sich auch nichts ändern. Es ist gut, dass er die Herausforderung sucht. Diesen Schritt muss man im Spitzensport irgendwann tun und ich freue mich für ihn, dass sich ihm diese Möglichkeit jetzt bietet und dass er sie auch annimmt. Wir wünschen Henrik und seiner Familie viel Glück in Trier.“

Am Freitag an der Mosel war die Freude bei der Präsentation des neuen Trainers noch um einiges größer. „Die Aufgabenstellung für uns bestand darin, den zu unserem sportlichen Gesamtkonzept passenden Mann zu finden“, sagte der Trierer Aufsichtsratsvorsitzende, Dr. Ralph P. Moog. „Es ging uns nicht darum, nur einen Headcoach für unsere Bundesliga-Mannschaft zu verpflichten, sondern jemanden, der von unserer Idee ebenso überzeugt ist wie wir, der sich selbst einen hohen Anspruch stellt und Begeisterung mitbringt. Wir sind froh und auch etwas stolz darauf, dass wir mit Henrik unsere Idealvorstellung verwirklichen konnten.“