Steffen Hamann

Warum Alba vor dem wichtigsten Saison-Spiel steht

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Frank Weiss

Foto: rh/mt / DDP

Am Abend muss Alba gegen die Baskets Bonn den verlorenen Heimvorteil zurückgewinnen. Bei einer erneuten Niederlage stünde der Titelverteidiger und Top-Favorit kurz vor dem vorzeitigen Aus. Morgenpost Online sprach mit Nationalspieler Steffen Hamann.

Morgenpost Online: Herr Hamann, ist dies heute das wichtigste Spiel der Saison für Alba?

Steffen Hamann: Das kann man so sagen. Wir haben dem Heimvorteil verspielt, den müssen wir zurückholen. Es geht zwar noch nicht um Alles, denn selbst wenn wir verlieren sollten, haben wir noch alle Möglichkeiten. Doch es wird dann natürlich noch ein bisschen schwieriger. Daher ist es schon ein kleines „Do or die“-Spiel. Doch es ist wichtig, die Ruhe zu bewahren. Wir wissen, dass wir unser Heimspiel hätten gewinnen müssen. Aber ich denke wir sind bereit, die Herausforderung anzunehmen, und so werden wir auch auftreten müssen.

Morgenpost Online: Was spricht diesmal für Alba?

Steffen Hamann: Dass wir unsere Stärken wieder finden müssen. Die Niederlage in Berlin spricht auch ein bisschen für uns: Das wollen wir nicht auf uns sitzen lassen. Die wichtigen Spiele der Saison haben wir zudem alle gewonnen: die Badalona-Partie, die Pokalspiele, das sind alles „Do-or-die“-Spiele gewesen, die konnten wir alle für uns entscheiden.

Morgenpost Online: Alba hat auch das wichtige letzte Hauptrundenspiel gegen Verfolger Oldenburg überzeugend gewonnen. Doch danach, mit dem Beginn der Paderborn-Serie, scheint die gute Form wie weggeblasen zu sein.

Steffen Hamann: Das ist schwer zu erklären, vor allem weil wir die Hauptrunde super beendet haben. Vielleicht haben wir da eine Minute zu lange durchgeatmet und uns zu sehr auf unseren Heimvorteil und unsere gute Form verlassen. Doch im Play-off hast du nicht eine Woche Zeit zwischen den Spielen um dich aufzufangen. Wenn du dann das erste Match gleich nicht so gut spielst, und dann in Paderborn spielen musst, ist es nicht einfach, den Rhythmus in so einer Serie zu finden. Doch wichtig ist, dass wir sie am Ende gewonnen haben. Und im Endeffekt haben wir noch nichts verloren.

Morgenpost Online: Eine der Stärken des Teams war es bisher, von Außen zu treffen. Die Dreierquote ist im ersten Spiel gegen Bonn deutlich gesunken. Wie ist das zu erklären?

Steffen Hamann: Wir haben auch ein wenig Pech. Bonn und auch Paderborn haben die Dreier über das Brett oder mit der Schlusssirene aus dem Eck getroffen. Das sind alles Dinge, die gegen uns laufen. Dann erarbeiten wir uns gute Würfe, und dann fallen die nicht rein. Das hat auch mit Rhythmus zu tun. Den haben wir verloren. Jetzt müssen wir über den Kampf, Kratzen und Beißen, alles tun, den Rhythmus wiederzufinden und dadurch die Sicherheit wieder zu haben. Dann ist es einfacher für uns alle, den Ball da oben reinzuwerfen. Vielleicht haben wir zu oft den Kopf geschüttelt, als sie aus schwieriger Lage getroffen haben. So etwas beschäftigt einen auch, wenn du vorne selbst nicht triffst.

Morgenpost Online: Die Mannschaft scheint schnell nervös zu werden.

Steffen Hamann: Wir müssen selbstbewusster auftreten und dagegenhalten. Da lassen wir uns zu sehr aus der Ruhe bringen. Doch Nervosität, ich weiß nicht. Wir sind alle Profis, wir wissen, was zu tun ist, um in solchen Phasen zu gewinnen.

Morgenpost Online: Paderborn hat aggressiv verteidigt, Bonn jetzt auch. Da scheint Alba Probleme zu bekommen. Dabei haben Sie in der Europaliga gegen die starken Spanier gespielt.

Steffen Hamann: Ja, das muss uns bewusst werden, dass wir gegen die besten Mannschaften in Europa vor allem zu Hause eigentlich ganz gut ausgesehen haben. Doch ich glaube, es wird noch eine lange Serie gegen Bonn. Aber ich will nicht den Teufel an die Wand malen.

Morgenpost Online: Wie ist die Stimmung in der Mannschaft?

Steffen Hamann: Nach dem Spiel war der Frust natürlich groß. Ich würde jetzt nicht von einer schlechten Stimmung sprechen, doch man merkt schon die Anspannung. Aber noch mal: Wir sind alle Profis und müssen damit umgehen. Da müssen wir uns als Mannschaft zusammenraufen.

Morgenpost Online: Es gab in den vergangenen Tagen ziemlich harte Kritik am Team, auch an einzelnen Spielern. Ärgert einen das?

Steffen Hamann: Das ist schwer zu beschreiben. Vor allem wenn man weiß, wie hart man arbeitet, dafür dass die Mannschaft gewinnt. Natürlich ist das nicht schön, doch da muss man drüber stehen. Als Team müssen wir noch enger zusammenrücken. Vielleicht ist das ja auch ein Weckruf.