Basketball

Alba Berlin feuert Spieler Jurica Golemac

Berlins Basketball-Bundesligist Alba hat Power Forward Jurica Golemac mit sofortiger Wirkung suspendiert. Der 32 Jahre alte Kroate werde nicht mit zum Auswärtsspiel nach Frankfurt reisen, teilte der Verein mit. Doch das dürfte nicht die einzige Konsequenz sein.

Foto: Bongarts/Getty Images

Zwei Zeilen am Ende der alltäglichen Pressemitteilung reichten aus, um eine Personalie von nicht alltäglicher Dimension zu verkünden. „Alba Berlin hat Power Forward Jurica Golemac aus disziplinarischen Gründen mit sofortiger Wirkung suspendiert“, hieß es da trocken und knapp. „Der 32-jährige Kroate wird nicht mit der Mannschaft zum Auswärtsspiel nach Frankfurt reisen.“

Ende der Mitteilung, unspektakulär angefügt an die Information, dass die Berliner es am Donnerstag (Beginn 18 Uhr) im zweiten Viertelfinale um die deutsche Basketball-Meisterschaft bei den Frankfurt Skyliners besser machen und in der Play-off-Serie nach dem Modus „Best of five“ (drei Siege reichen zum Weiterkommen) zum 1:1 ausgleichen wollen. Die erste Partie am vergangenen Sonntag hatten die Hessen 76:71 gewonnen. Erwähnt wird auch noch, dass für das dritte Spiel am kommenden Sonntag (17 Uhr) in der O2 World bereits 10.000 Tickets verkauft seien. Typisch Alba. Die sportliche Bedeutung des Spiels wird über Aktionen einzelner Spieler gestellt. Sportdirektor Henning Harnisch mag den Fall Golemac nicht kommentieren, er verweist an Geschäftsführer Marco Baldi. Der möchte sich eigentlich nicht zu dem „schwebenden Verfahren“ äußern. Aber man könne davon ausgehen, dass Golemac nicht nur für ein Spiel suspendiert sei, sondern „dass er nicht mehr für uns spielen wird“.

Was genau der Auslöser der Entscheidung war, wird im Unklaren gelassen. Dass Golemac zwei Tage zuvor gegen die Skyliners eine schwache Leistung geboten hatte, dürfte kaum den Ausschlag gegeben haben. Eher schon, dass er als einziger Alba-Spieler mit den – übrigens guten – Schiedsrichtern gestritten hatte, statt sich auf seine eigenen Unzulänglichkeiten zu konzentrieren. Die gab es reichlich: einen von neun Feldwürfen verwandelt, zwei von vier Freiwürfen, nur einen Rebound erobert, nicht gut verteidigt. Mit Trainer Luka Pavicevic diskutierte er während der Partie auch. Es ist nicht anzunehmen, dass es das erste Mal war, dass es Meinungsverschiedenheiten gab – so schnell schießt Alba nicht. Oder vielleicht doch als Zeichen an die Mannschaft, als Wachrütteln nach dem eher leidenschaftslosen Play-off-Auftakt? „Wir werden uns doch nicht schwächen, wenn wir meinen, ein Zeichen setzen zu müssen. Es hat nichts mit dem Spiel am Sonntag zu tun“, so Baldi.

Golemac war Ende 2009 von Panathinaikos Athen als Ersatz gekommen für den von Alba aussortierten Bosnier Kenan Bajramovic. Seine statistischen Werte waren, abgesehen von dem schwachen Auftritt gegen Frankfurt, ordentlich. In 23 Spielen für Alba in Liga und Eurocup erzielte er in durchschnittlich 20 Minuten sechs Punkte, drei Rebounds und zwei Korbvorlagen. Zu Beginn seiner Zeit in Berlin gefiel Golemac als mannschaftsdienlicher Spieler.

Doch es gab auch mehr als einmal Redebedarf mit dem Nationalspieler Sloweniens, der als unruhiger Geist gilt. Und der über seine Ansichten zum Basketball mit jedem, vorzugsweise mit Schiedsrichtern debattiert. Das hat ihm im Alba-Trikot auch Technische Fouls eingebracht. So hat der Auftritt am Sonntag vielleicht doch das Fass zum Überlaufen gebracht. „Wir brauchen den kompletten Fokus“, fordert Baldi, „da müssen wir drauf achten: Wer ist dazu bereit und wer ist mit 1000 anderen Dingen beschäftigt. Undiszipliniertheiten sind da nicht drin.“ Geschwächt hat sich Alba mit seiner Entscheidung. Denn der andere Power Forward im Team, Dragan Dojcin, war im ersten Spiel gegen Frankfurt ebenfalls ein Ausfall. Aber vielleicht besinnt sich Pavicevic darauf, dass auf der Bank noch ein deutscher Nationalspieler sitzt: Philip Zwiener brennt auf einen Einsatz. Und Emotionen vermisste Alba ja zuletzt...