Basketball-Bundesliga

Stefano Garris kehrt mit Herzflattern nach Berlin zurück

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Jörg Rössner

Foto: AP

Basketball-Meister Alba Berlin empfängt am Sonntag zum Auftakt des Play-off-Viertelfinals die Paderborn Baskets. Für den Westfalen Stefano Garris ist es eine Rückkehr in die Stadt, in der er sieben Jahre spielte. Warum sich der 30-Jährige auf die Partie freut.

Am Sonntag wird das Herzflattern bei Stefano Garris noch viel stärker sein als sonst, wenn er nach Berlin kommt. Denn dass „meine beiden Heimaten mal in so einer wichtigen Partie gegeneinander spielen, habe ich mir nicht ausgemalt“. Basketball-Meister Alba Berlin empfängt zum Auftakt des Play-off-Viertelfinals die Paderborn Baskets (17 Uhr) in der O2 World – für den 30-Jährigen, den alle Nino nennen, ist es eine Rückkehr in die Stadt seiner größten Erfolge. In die Stadt, in die er als Talent kam und die er sieben Jahre später als fünffacher Meister, dreimaliger Pokalsieger und Nationalspieler verließ. In die Stadt, die ihn geprägt hat, die der 30-Jährige so oft wie möglich besucht, um alte Freunde zu treffen.

Obwohl Alba ihn halten wollte, wechselte Garris 2005 zu den Frankfurt Skyliners. Er hatte das Gefühl, etwas Neues machen zu müssen. Der Plan ging nur bedingt auf. Von seinen drei Jahren in Frankfurt war er zweieinhalb verletzt. Operationen an Fuß und Knie warfen ihn zurück. „Und das halbe Jahr, das ich nicht verletzt war, habe ich mit Schmerzmitteln gespielt.“ Trotzdem hadert der junge Familienvater nicht: „Zum Leben gehören auch die schlechten Zeiten.“ Deshalb kam in frustrierenden Momenten Aufgeben für ihn nie in Frage: „Ich war immer ein Kämpfer.“

Traut sich im Training wieder Alley-hoops zu

Nach dieser bitteren Erfahrung hatte Garris zunächst nur ein Ziel: eine Saison verletzungsfrei durchzuspielen. Dafür wechselte er zurück zu den Paderborn Baskets, deren Trikot er schon als Jugendlicher trug. Dass der einstige Stammspieler Alba Berlins bei den Westfalen nur von der Bank kommt, ist für ihn kein Problem: „Ich bin froh, endlich wieder fit zu sein und fühle mich körperlich so gut wie lange nicht mehr.“ Begeistert berichtet er von seinen athletischen Fortschritten im vergangenen Jahr: „Ich bin manchmal selbst erstaunt, was noch in meinem Körper drin ist.“ So traue er sich im Training wieder Alley-hoops zu, die er zuvor zwangsweise aus seinem Repertoire hatte streichen müssen.

Angespornt hat den Flügelspieler auch die überraschend starke Saison seines Klubs. Nach Weihnachten gewannen die Paderborner zehn von zwölf Partien und sicherten sich am letzten Spieltag durch einen 72:71-Heimsieg gegen Göttingen im Fernduell mit den Artland Dragons den letzten Play-off-Platz. „Wir haben Vereinsgeschichte geschrieben“, sagt Garris stolz. Nie zuvor erreichte der Klub die Endrunde der besten acht Teams.

Und das unter schwierigsten Bedingungen: Im Januar standen die Baskets kurz vor der Insolvenz, die Profis verzichteten auf einen Teil ihrer Gehälter. Ob Paderborn Bundesliga-Standort bleibt, ist unklar. „Wir haben weitergespielt und versucht, die Probleme von uns fern zu halten. Als Profi gibt es eben manchmal solche Situationen“, kommentiert Garris den Spagat der vergangenen Monate.

Dieser wurde nun mit dem Viertelfinale gegen Alba belohnt, in dem er seine Mannschaft natürlich als „klaren Außenseiter“ sieht. Seine Vorfreude ist trotzdem groß: „Ich habe zwar die besten Erinnerungen an die Schmeling-Halle. Trotzdem ist es ein tolles Erlebnis, noch mindestens zweimal in der O2 World zu spielen.“ Wie es danach für ihn weitergeht, ist völlig offen. Garris weiß nur, dass er noch ein paar Jahre professionell Basketball spielen möchte. Die unsichere Zukunft macht ihm keine Sorgen, denn eines hat er in den vergangenen Jahren gelernt: „Es geht immer irgendwie weiter – so oder anders.“