Basketball

Alba Berlin stürmt ins Europacup-Finale

Sensation im Europacup-Final-Four: Alba Berlin hat sich als erster deutscher Club für das Finale qualifiziert. Die Berliner gewannen im spanischen Vitoria gegen Bizkaia Bilbao mit 77:70. Und bereits an diesem Sonntag können die Berliner Geschichte schreiben: Dann treffen sie im Endspiel auf den BC Valencia.

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Die jubelnden Spieler von Alba Berlin bildeten Sekunden nach Spielende sofort einen Kreis, schworen sich ein. Nach dem Motto: Jetzt wollen wir auch den Eurocup holen. Fast unglaublich, aber wahr: Nur noch ein Sieg fehlt dem Berliner Basketballteam nach dem 77:70 (35:30) im Halbfinale am Sonnabend in Vitoria gegen Bizkaia Bilbao. Allen Rückschlägen durch Verletzungen zum Trotz, Alba zeigte, als es darauf ankam, eine beeindruckende Leistung. Und kann nun heute gegen Power Electrics Valencia (92:80 gegen Panellinios Athen) nach dem Korac-Cup-Sieg 1995 die zweite europäische Trophäe holen. Um 21 Uhr (live bei Eurosport 2 und im RBB) kann Alba erneut Geschichte schreiben.

„Wir waren mit viel Selbstvertrauen hierher gekommen“, sagte Julius Jenkins. „Uns war klar, wenn wir unsere Leistung abrufen, haben wir auch gegen Bilbao eine gute Chance.“ Und diese nutzte Alba gegen die favorisierten Basken. „Ich bin unglaublich stolz auf meine Mannschaft“, meinte Albas Cheftrainer Luka Pavicevic. „Jetzt konzentrieren wir uns aufs Finale.“

Schon beim Abschlusstraining hatte sich gezeigt, dass alle drei Alba-Spieler, hinter deren Einsatz noch Fragezeichen gestanden hatten, dabei sein würden: Jenkins (Gehirnerschütterung), Blagota Sekulic (Sprunggelenksverletzung) und Derrick Byars (Rückenprobleme) konnten also eingesetzt werden. Byars und Sekulic standen sogar in der Startformation, Jenkins kam nach acht Minuten zum ersten Mal aufs Parkett, war aber (wie auch Sekulic) nicht der dominierende Faktor, der er normalerweise ist. Dennoch erzielte der Spielmacher aus den USA elf wichtige Punkte für die Berliner.

Alba startet furios

Der Klub aus der Hauptstadt legte gleich gut los, von Nervosität keine Spur. Byars verwandelte vier Freiwürfe zum 4:0, nachdem sich Bilbaos Mumbru ein technisches Foul wegen Meckerns geleistet hatte. Die Berliner wirkten von Beginn an konzentriert. In der Deckung aufmerksam, in der Offensive überlegt – so präsentierte sich Alba. Probleme hatte man in der ersten Hälfte eigentlich nur mit Jerome Moiso, der acht Punkte bis zum Wechsel erzielt hatte.

Doch was war das gegen Adam Chubb. Der US-Amerikaner nutzte, oft schön freigespielt, immer wieder seine Chancen unter dem Korb der eigentlich favorisierten Spanier. 15 Punkte gelangen ihm in Hälfte eins. Am Ende war er mit 27 Punkten Albas bester Werfer und der Mann des Abends. Nach 14 Minuten hatte Alba gar einen Neun-Punkte-Vorsprung (31:22) herausgeworfen, den Bilbao allerdings bis zur Pause auf fünf Zähler (35:30) verkürzen konnte.

Die Halle, bei einer Kapazität von 9500 Zuschauern nicht ganz gefüllt, war fest in der Hand der Bizkaia-Fans. Was nicht verwundert – etwa 3000 Anhänger waren aus dem nur 60 Kilometer entfernten Bilbao angereist.

Freibier für Alba-Fans

Da nahm sich die Gruppe der etwa 50 Berliner Fans bescheiden aus. 400 hätten es eigentlich sein sollen, doch die Vulkanwolke verhinderte bekanntlich die Anreise der meisten. Nur ein Reisebus war kurzfristig in Berlin gestartet, die Fans kamen nach 25-stündiger Fahrt und knapp 2000 Kilometern Fahrt gegen 17.30 Uhr in Vitoria an. Sie wurden später in der Halle für ihr Durchhaltevermögen gefeiert, von lokalen Sponsoren mit Speis und Trank versorgt. So gestärkt, feuerten sie ihr Team enthusiastisch an und waren natürlich mit dem Verlauf des Spiels vollauf zufrieden.

Ein Dreier von Rashad Wright kurz nach der Pause brachte wieder eine Acht-Punkte-Führung (40:32). Aber weniger erfreulich war, dass Wright und Byars bereits nach 23 Minuten drei Fouls auf ihrem Konto hatten. Doch es war weiterhin Chubb, der punktete. Langsam schlichen sich indessen erste Unachtsamkeiten bei Berlin ein. Bei 46:42 nahm Alba-Trainer Luka Pavicevic schnell eine Auszeit. Nur nicht Bilbao aufdrehen lassen. Drei Punkte von Immanuel McElroy (insgesamt 13) brachten etwas Ruhe. Sekulic mit seinen ersten Punkten zum 53:45 (28.), Jenkins legte zum 56:47 (29.) nach. Nach 30 Minuten lag Alba 56:49 vorn. Noch zehn Minuten bis zum Finale. Würde die Kraft reichen?

Die ganz in schwarz gekleideten Bizkaia-Fans wurden immer lauter. Sie wussten, ihr Team brauchte Hilfe. Und die Basken holten auf: 58:54 nach 33 Minuten. Alba unterliefen unnötige Fouls und Ballverluste. Doch erneut ein McElroy-Dreier sorgte für Luft (61:54/35.). Dann die Schwächung: Byars musste mit dem fünften Foul zusehen. Aber Alba war die Mannschaft mit den besseren Nerven. Chubb und McElroy punkteten. Als Bilbao auf 67:64 herangekommen war, konterte McElroy mit einem Dreier eiskalt zum 70:64. Wright versenkte eine Minute vor Ende zwei Freiwürfe – 72:64. Jenkins machte mit einem Dreier alles klar. Dann war nur noch Jubel. Und ein Schrei der Fans: „Finale!“

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