Basketball

Alba trifft auf sehr unorthodox spielende Göttinger

Im Spitzenduell der Basketball-Bundesliga trifft Alba Berlin am Abend in der O2 World auf Göttingen. Langweilig wird die Partie garantiert nicht, denn der Gegner spielt sehr ungewöhnlich. Zudem liegen die Göttinger mit 297 Ballgewinnen meilenweit vor der Konkurrenz.

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Den Bus zum Spitzenspiel der Basketball-Bundesliga (BBL) fährt der Trainer selbst. Am Mittwoch Nachmittag wird sich John Patrick an das Steuer von einem der drei Kleinbusse setzen und einen Teil der Mannschaft die 360 Kilometer von Göttingen nach Berlin chauffieren, wo sein Team am Abend gegen Alba (20.15 Uhr, O2 World) um Platz zwei in der Tabelle spielen wird.

„Wir haben nur ein sehr kleines Budget“, sagt Patrick. „Die kleinen Busse sind günstiger, und wir sind schneller am Ziel. Mir macht das nichts aus.“ So ungewöhnlich der Tabellendritte aus Göttingen reist, so unorthodox sind auch seine Spielweise und der damit verbundene überraschende Erfolg im zweiten Jahr nach dem Wiederaufstieg. Als Terror wurde die Spielweise der Niedersachsen von Konkurrenten schon bezeichnet. Ein Wort, das dem 41-jährigen Patrick missfällt. „Wir spielen einfach eine Ganzfeldverteidigung“, sagt er. „Die ist in Deutschland nicht so bekannt. Hier geht es auf dem Parkett oft etwas langweiliger zu.“

Die meisten Ballgewinne der Liga

Langweilig wird es gegen die Göttinger garantiert nicht. Das weiß auch Alba-Geschäftsführer Marco Baldi. „Sie spielen sehr ungewöhnlich und stören das Spiel des Gegners komplett“, so Baldi. „Man spürt immer ihren Atem. Da muss man versuchen, die Kontrolle zu behalten und darf nicht hadern.“ Mit 297 Ballgewinnen liegen die Göttinger meilenweit vor der Konkurrenz. Alba kommt in dieser Kategorie gerade einmal auf einen Wert von 180.

Der Kader des Traditionsklubs ist voll auf das System abgestimmt. Mit einer Durchschnittsgröße von 1,95 Meter hat Göttingen das kleinste Team der Bundesliga. Die schnellen, athletischen Spieler können permanent Druck auf den Gegner ausüben und zu Fehlern zwingen. „Unser System erfordert viel Disziplin in der Verteidigung, aber auch Intelligenz“, sagt Patrick. „Es ist komplizierter, als man denkt.“ Dafür scheucht er seine Spieler täglich zwei bis drei Mal im Training.

Alba liegt auf Platz 2 der Tabelle

Alba weiß allerdings, wie man gegen dieses System bestehen kann. In der Europaliga hat das Team gegen die spanischen Klubs eine Ganzfeldverteidigung auf höchstem Niveau erlebt und zudem das Hinspiel in der Lokhalle von Göttingen mit 74:66 gewonnen. Dank dieses Erfolges liegt Alba auf Rang zwei der Tabelle, allerdings punktgleich mit dem Verfolger. Bei einem erneuten Sieg heute könnte somit Rang zwei gefestigt werden. „Für uns ist in dieser Phase jedes Spiel wichtig“, sagt Trainer Luka Pavicevic bei noch vier ausstehenden Partien vor dem Start in das Play-off. „Wir wollen die bestmögliche Ausgangsposition erreichen.“

John Patrick bleibt vor dem Spitzenduell gelassen. Den Heimvorteil in der ersten Play-off-Runde hat sein Team schon sicher, und angesichts der Verletzungen von Spielmacher Kyle Bailey und nun auch noch Charles Lee sieht er Alba als Favoriten. Göttingen gewann allerdings auch ohne Bailey die letzten fünf Spiele. „Wir wollen die Partie nutzten, uns mental auf das Play-off einzustellen“, sagt Patrick, der seinen jungen deutschen Spielern eine Chance geben wird. Auch um Alternativen für die Verletzten zu testen.

Für Alba dagegen geht es um mehr. Denn nach der Niederlage von Tabellenführer Oldenburg am Wochenende ist auch Rang eins wieder in Reichweite. Davon will Baldi noch nichts wissen. „Wenn wir gegen Göttingen verlieren, ist Platz zwei weg“, richtet er den Fokus allein auf die heutige Partie. Vielleicht gibt es ja auch noch Schützenhilfe von den Göttingern, die in einer Woche nach Oldenburg reisen müssen. John Patrick wird dann wieder einen der Busse fahren. So wie am Mittwoch direkt nach dem Spiel. Eine Übernachtung ist für das Überraschungsteam der Saison noch nicht drin.