Basketball

Alba Berlin droht Bundesliga mit Ausstieg

Die Basketballer von Alba Berlin fühlen sich benachteiligt, durch die Schiedsrichter der Basketball-Bundesliga. Die, so der Vorwurf, würden auffällig oft gegen Alba entscheiden. Der Verein hat das mit der Basketball-Bundesliga (BBL) mit Videos zu beweisen versucht und damit nichts erreicht. Jetzt droht Alba, alle BBL-Gremien zu verlassen.

Der Abend war höchst unerfreulich für Marco Baldi, die folgende Nacht fast noch schlimmer. Der Geschäftsführer von Alba Berlin bekam kaum ein Auge zu nach der 70:76 (29:37)-Niederlage des Basketballteams gegen die Frankfurt Skyliners. Nach dem Spiel hatte er sich „noch viel zu voll mit Adrenalin“ sicherheitshalber gleich auf den Heimweg gemacht. Hatte nicht, wie üblich, noch Gespräche im Vip-Raum mit Sponsoren und Journalisten geführt. „Ich wollte erst einmal eine Nacht über alles schlafen“, sagt Baldi. Doch gestern Morgen, nach viel zu wenig Schlaf, stand für ihn fest: „Es reicht.“

Und dann griff der 47-Jährige die Basketball-Bundesliga (BBL) frontal an. Mit Blick auf Schiedsrichterentscheidungen sprach er von „Unausgewogenheit“. Gemeint ist: Alba Berlin fühlt sich seit längerem immer wieder von den Unparteiischen schlecht behandelt, im Fan-Deutsch: verpfiffen. „Das ist jetzt keine spontane Geschichte“, erklärt Baldi mit Blick auf seinen Angriff. Seit fast zwei Spielzeiten verfolge man eine Tendenz kontra Alba. Diesen Zustand wolle und könne der Klub nicht länger ertragen. „Irgendwann kann man nicht mehr sagen: weitermachen, es ist uns egal.“ Die BBL profitiere erheblich von Alba, der Klub aber werde „mit Füßen getreten“.

Angebliche Fehlentscheidungen auf Video

Dabei gehe es nicht um einzelne (Fehl-)Entscheidungen. Nicht darum, ob es gegen Frankfurt nun wirklich ein unsportliches Foul gegen Dragan Dojcin war oder nicht, ob Immanuel McElroy nun dem Frankfurter Pascal Roller kurz vor der Schlusssirene den Ball regelgerecht aus der Hand gespielt hat oder nicht. Die Pfiffe gegen Alba bei der Niederlage gegen die Skyliners brachten offensichtlich nur das Fass zum Überlaufen.

Baldi verweist darauf, dass man schon seit geraumer Zeit „mit Riesenaufwand“ immer wieder Videomaterial zusammengestellt und an die BBL geschickt habe. Sozusagen als Beweis für eine Ungleichbehandlung, um zu zeigen, dass unterschiedliche Kriterien angewandt würden. Nicht selten, so Baldi, sei als Replik von der fürs Schiedsrichterwesen zuständigen Abteilung gekommen, dass die Berliner mit ihrer Kritik ja richtig lägen. Doch: „Passiert ist nichts.“

Rückzug aus den Liga-Gremien

Es gehe Alba um „die Verbesserung der Qualität, zu der wir beitragen wollen“; man sei oft genug bei der BBL auch nach Siegen vorstellig geworden. „Ich weiß, dass das jetzt – nach einer Niederlage – immer schlecht aussieht“, gibt der Geschäftsführer zu. Natürlich habe seine Mannschaft gegen Frankfurt auch alles andere als gut gespielt, und ebenso wenig wolle man die Leistung und den Erfolg der Skyliners schmälern.

Auf alle Fälle aber wolle Alba nach den ganzen Vorkommnissen in der Vergangenheit „nicht mehr Teil des Ganzen sein, da setzen wir unsere Energie lieber anderweitig ein“. Als BBL-Gesellschafter – wie alle anderen 17 Klubs auch – kann Alba natürlich nicht aussteigen, erwägt aber einen Rückzug aus anderen Liga-Gremien, in denen zum Beispiel Sportdirektor Henning Harnisch oder Prokurist Robert Mayer tätig sind. Baldi: „Das müssen wir jetzt noch intern klären.“

„Wir stehen mutterseelenallein da“

Was soll hinter der von Alba angeführten Ungleichbehandlung stecken? „Ich kenne nicht die Ursachen, nur die Auswirkungen“, sagt Baldi. Er glaube jedoch nicht, „dass jemand Alba bewusst schaden will – sonst könnten wir den Laden gleich dicht machen“. Er wisse aber nicht, „ob unterschwellig mitspielt, dass Jan Pommer (Anm. d. Red.: Geschäftsführer der BBL) immer die Unberechenbarkeit in der Liga als höchstes Gut bezeichnet.“ Alba sieht es anders: „Qualität sollte das höchste Gut sein.“

Auch einen Zusammenhang mit dem Wirken von Cheftrainer Luka Pavicevic sieht er nicht, der des Öfteren mit den Schiedsrichtern aneinandergeraten ist. „Das hat mit Luka nichts zu tun.“ Von anderen Trainern wie dem Oldenburger Predrag Krunic oder dem Göttinger John Patrick seien die Referees schließlich Ähnliches gewohnt.

Marco Baldi gibt sich gar keinen Illusionen hin, was jetzt passieren wird: „Wir stehen mit unserer Kritik natürlich mutterseelenallein da.“ Andere Klubs der Liga dürften Albas Angriff „als Vorlage für sich“ nehmen. „Ich rechne damit, dass jetzt einige ihr Mütchen kühlen werden.“