Basketball

Alba-Trainer Pavicevic schimpft auf Schiedsrichter

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Theo Breiding

Foto: Bongarts/Getty Images

Ist er ein undisziplinierter Heißsporn, oder macht Luka Pavicevic nur seinen Job? Diese Frage stellt sich jetzt wieder, nachdem Berlins Basketball-Coach beim 59:68 am Freitagabend in Oldenburg zum dritten Mal in den zweieinhalb Jahren bei Alba der Halle verwiesen wurde. Zu Recht?

Alba-Trainer Luka Pavicevic war am Freitagabend in Oldenburg beim Stand von 51:60 (36.) nach einem umstrittenen Foul von Rashad Wright an Jason Gardner aufs Feld gestürmt und hatte sich heftig gestikulierend bei Hauptschiedsrichter Robert Lottermoser beschwert. Der ließ dem ersten Technischen Foul gleich ein zweites folgen. Pavicevic musste zum dritten Mal in den zweieinhalb Jahren bei Alba die Halle verlassen.

„Es war nicht nur diese eine Situation, auf die ich so heftig reagiert habe, sondern ich hatte während des ganzen Spiels das Gefühl, dass die Partie nach unterschiedlichen Kriterien geleitet wurde“, erklärt Albas Trainer, der zuletzt an der Seitenlinie viel gelassener und ruhiger agierte als am Anfang seines Engagements in Berlin. „Ich bemühe mich auch, während des Spiels ruhiger zu agieren, und ich werde weiter daran arbeiten. Bis zu diesem Moment habe ich das Spiel meiner Meinung nach auch ruhig verfolgt“, sagt Pavicevic weiter. „Aber es gehört zu meinen Aufgaben, von der Seitenlinie aus Einfluss zu nehmen und notfalls auch ein Zeichen zu setzen, wenn ich denke, dass mein Team nicht geschützt wird. Das habe ich getan und bereue es auch nicht wirklich, obwohl ich weiß, dass es mir möglicherweise schadet.“

Harnisch stellt sich schützend vor seinen Coach

Sportdirektor Henning Harnisch stellt sich schützend vor seinen Coach: „Klarer Fall, dass Luka nicht aufs Spielfeld gehen und protestieren darf“, räumt er ein. „Man muss aber auch sehen, was zuvor passiert. Nach unserem guten Start wechselte Oldenburg den Stil. Und zwar zu einem Stil mit Halten, Kratzen und Beißen, der normalerweise unterbunden wird. Aber die Referees haben nicht reagiert.“

Den Vorwurf, das Spiel mit zweierlei Maß geleitet und die Heimmannschaft bevorteilt zu haben, weist Referee Lottermoser von sich: „Ich habe die Partie noch mal per Video analysiert, und es wurde wirklich keine Mannschaft benachteiligt. Es war ein Spitzenspiel zweier Teams, die europäisches Topniveau gewohnt sind. Ich hatte meine Kollegen angewiesen, ein physisches Spiel zuzulassen, wie es in Europa üblich ist. Es wurde auf beiden Seiten provoziert, es gab in beiden Mannschaften keine frommen Lämmer.“

Für Lottermoser, einen der wenigen deutschen Schiedsrichter, die auch europäischen Ansprüchen genügen, belegt auch die Statistik, dass Alba keinen Grund hat, sich zu beschweren: Er rechnet vor: „Ohne diese eine Szene, nach der wegen der zwei Technischen Fouls gegen Pavicevic, dem einen gegen Jurica Golemac und dem persönlichen Foul gegen Wright die Gastgeber zu acht Freiwürfen kamen, wären gegen Oldenburg mehr Fouls gepfiffen worden als gegen Alba.“

Handwerkszeug erfolgreicher Coaches

Mit einem Technischen Foul ein Zeichen zu setzen, gehört zum Handwerkszeug erfolgreicher Coaches. Nicht zuletzt Albas Ex-Trainer Svetislav Pesic war ein Meister darin, für permanente Beschwerde und wildes Gestikulieren Strafen zu provozieren, die im eigenen Team Energie und Emotionen freisetzen. Auch Pavicevic gibt zu: „Ich wollte dieses Technische Foul. Dass ich nach kaum mehr als einer Sekunde nach dem ersten gleich das zweite bekommen habe, bestärkt mich aber in der Einschätzung der unterschiedlichen Kriterien, die bei diesem Spiel angewendet wurden.“ Auch dies will Lottermoser nicht so stehen lassen: „Sein Verhalten war inakzeptabel. Coach Pavicevic hat nach dem ersten Foul noch heftiger protestiert als zuvor, das zweite musste kommen.“

Der emotionale Ausbruch und die beiden gegen ihn verhängten Fouls ziehen für Albas Trainer weder Sperre noch Geldstrafe nach sich. „Luka Pavicevic ist nicht disqualifiziert worden“, bestätigt der Leiter Sport der Basketball Bundesliga (BBL), Jens Staudenmayer. „Es gibt keinerlei Sanktionen. Die Sache ist erledigt.“

Niederlage in Oldenburg nach acht Siegen abhaken

Albas Ziel muss es jetzt sein, die Niederlage in Oldenburg nach acht Siegen zuvor genauso schnell abzuhaken. Schon am Dienstag (20 Uhr) treffen Pavicevic und sein Team in der O2 World in der Zwischenrunde des Eurocups auf Joventut Badalona. Und abseits aller Diskussionen um den Ausraster Pavicevics bleibt unterm Strich, dass Alba nach einem 16:2-Start in Oldenburg den Faden verlor und einer 15:0-Serie der Gastgeber zu Beginn der zweiten Halbzeit kaum noch etwas entgegenzusetzen hatte.

„Was da abseits des Balles an Nicklichkeiten, Halten und Schieben durchging, war schon unglaublich“ sagt Alba-Geschäftsführer Marco Baldi. „Aber davon, das jetzt noch ewig nachzukarten, haben wir gar nichts.“ Das sieht auch Pavicevic so, obwohl es ihm schwer fiel. Bereits am Sonnabendabend versammelte er sein Team wieder beim Training.