Nach den Niederlagen

Alba ist der Kampfgeist abhanden gekommen

Kann Alba eigentlich noch siegen? Nach den Niederlagen des Berliner Basketballteams gegen Real Madrid und Bonn ist der Club angeschlagen.

Normalerweise verliert Luka Pavicevic nach Spielen nicht viele Worte in der Kabine. Ein Trainer sollte sich Zeit nehmen mit der Spielanalyse, da sei der nächste Tag meist besser geeignet. Nach der 66:80-Pleite in Bonn machte der Coach von Basketball-Bundesligist Alba Berlin jedoch eine Ausnahme. Assistenztrainer Petar Aleksic ging für seinen Chef in die Pressekonferenz, während der mit seinen Spielern sprach.

„Wir haben nicht das Spiel analysiert“, so Pavicevic. „Es gab jedoch einige andere Dinge die geklärt werden mussten und keinen Aufschub erlaubten.“ Genaueres will der Trainer nicht sagen. Es dürfte jedoch um die Einstellung seiner Spieler gegangen sein, die in Bonn auf ganzer Linie enttäuschten. Nach der schmerzhaften Niederlage in der Europaliga gegen Madrid (84:87) hat es Alba verpasst, zurück in die Erfolgsspur zu kommen. Schließlich steht am Donnerstag die schwere Partie beim FC Barcelona an. Da droht die dritte Pleite in Folge.

„Natürlich wirkt so ein Spiel wie gegen Madrid nach“, sagt Pavicevic. „Doch wir müssen lernen damit umzugehen und so etwas wegzustecken.“ Geschäftsführer Marco Baldi sagt: „Ich war gespannt zu sehen, wie die Mannschaft das Real-Spiel verarbeitet. Doch das haben wir gar nicht hinbekommen. Wir waren nicht bereit.“ Seit dem großen Erfolg beim spanischen Spitzenteam Badalona Anfang Januar gab es bei Alba ein Auf und Ab. Wenn auch viele Auswärtsspiele darunter waren, gingen fünf Partien verloren und drei wurden gewonnen, gegen vermeintlich leichte Gegner wie Paderborn, Artland Dragons und Gießen. „Wir standen in den letzten Wochen mächtig unter Druck“, sagt Baldi. „Und das wird sich auch erst mal nicht ändern. Unsere Widerstandskräfte sind angegriffen. Wir müssen aufpassen, dass sich keine Krankheit einschleicht.“ Heißt: Alba könnte eine Krise drohen. Daher appelliert Baldi: „Wir müssen uns dem jetzt stellen und dürfen nicht klagen oder hadern. Wir dürfen nicht denken: Ach Gott, jetzt fahren wir nach Barcelona. Schließlich ist es genau das, was wir wollten: Unter den besten 16 Mannschaften Europas stehen.“

In der Bundesliga hat Alba derzeit fünf Niederlagen nach 18 Spielen auf dem Konto. Vergangene Saison waren es nur sieben nach den 34 Spielen der gesamten Hauptrunde. Trainer Pavicevic spricht von einer „schweren Phase, in der wir hoffentlich die Kraft haben, sie gut zu überstehen.“ Immerhin muss er dabei nicht langfristig auf Ansu Sesay verzichten, der gegen Bonn umknickte. Eine Untersuchung gestern ergab nur eine Überdehnung des Innenbandes im rechten Fuß. Sein Einsatz gegen Barcelona ist fraglich.

Neben der Europaliga gilt es nun die Kräfte für die Bundesliga zu bündeln. „Wir wollen am Ende der Hauptrunde Erster sein“, sagt Baldi. „Aber es wird bis zum Schluss einen Kampf um die beste Ausgangsposition für das Play-off geben.“ Hilfreich dürfte dabei die kurze Verschnaufpause sein, die nach dem Barcelona-Spiel winkt. Alba tritt dann erst am 22. Februar beim Tabellenletzten Bremerhaven an.